Daniel Plum (von links) und Maximilian Raisch haben nicht mit einer so guten Platzierung gerechnet. Foto: Raisch

Wettbewerb: Maximilian Raisch und Daniel Plum werden Vizemeister und erhalten zusätzlichen Preis.

Calw - Der Bäckermeister Maximilian Raisch kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Er und sein Teamkollege der Deutschen Bäckernationalmannschaft, Daniel Plum, sind bei der Messe "iba" in München Vizeweltmeister geworden. Ihr Brot landete sogar ganz an der Spitze.

 

Der 24-jährige Calwer kann sein Glück kaum fassen. Unter zwölf Teams aus der ganzen Welt haben er und Plum bei der Bäckerei-Messe "iba" in München den zweiten Platz belegt. Vizeweltmeister also – eine große Ehre für die jungen Bäcker. "Wir haben nicht erwartet, dass wir so erfolgreich sein werden", sagt Raisch. Die Konkurrenz war enorm. Denn in einigen Ländern ist es üblich, dass die Teams für die Vorbereitung des Wettkampfs monatelang freigestellt werden. Raisch und Plum hingegen müssen ganz normal in ihren heimischen Bäckereien mitarbeiten.

Das Training läuft praktisch nebenher. Anders als beispielsweise in China. "Die machen sechs Monate lang, sechs Tage die Woche nichts anderes, als zu trainieren", sagt Raisch. So sicherten sich Zhou Bin und Peng Fudong auch den Sieg. Wenn auch nur ganz knapp. Insgesamt waren 400 Punkte von der Jury zu vergeben, das deutsche Team hatte am Schluss gerade mal zwei weniger als das aus China. "Verdient", findet Raisch. "Sie waren einfach einen Tick besser." Nicht unbedingt hinsichtlich des Geschmacks, erinnert er sich an die Jury-Bewertung, aber eben in Sachen Optik.

Kaum zu glauben, wenn man das sogenannte Schaustück des deutschen Teams betrachtet. Ein Transformer, vollständig essbar aus Roggenmehl und Zuckerwasser. Passend zum Thema der diesjährigen "iba": "Universum". "Es hat alles einwandfrei funktioniert", berichtet Raisch.

Schaustück von Japanern bricht zusammen

Bis auf eine Kleinigkeit: Die beiden Bäcker hatten nicht bedacht, dass ihr 1,50 Meter hohes Gebäck auf einem Tisch vielleicht nicht durch die Türen im Messegebäude passen könnten. "Dann mussten wir das Ganze abbauen und wieder aufbauen", erklärt der Calwer. Nach einer kurzen Schrecksekunde war aber alles wieder gut. Das konnte das japanische Team nicht von sich behaupten. Deren Schaustück, eine Figur aus "Star Wars", krachte nach einer halben Stunde in sich zusammen. Anforderung ist, dass es eine Stunde lang steht. "Das Schaustück ist das größte Risiko", erklärt Raisch. Entweder man baue hoch und riskiere es. "Oder man bleibt klein und geht auf Nummer sicher. Aber mit sowas kann man nicht gewinnen."

Umso größer die Erleichterung, dass alles gut ging. "In dem Moment, in dem das Schaustück fertig war, ist ein enormer Druck abgefallen", sagt Raisch. Sofort ging es danach zur Siegerehrung. "Wir waren so nervös wie noch nie", erinnert er sich. Als Deutschland aber bei den hinteren Plätzen und auch bei der Verkündung des dritten Platzes nicht genannt wurde, sei das ein unglaubliches Gefühl gewesen. Zumal der Pokal zur Vizeweltmeisterschaft nicht die einzige Auszeichnung blieb, die Plum und Raisch mit nach Hause nehmen konnten.

In der Kategorie "Bestes Brot" sahnten sie sogar den Sieg ab. Gerade für Deutschland, die Brotnation, setze man damit ein Zeichen, ist Raisch überzeugt. Noch nie haben deutsche Bäcker so hohe Auszeichnungen bekommen.

Für Raisch aber kein Grund abzuheben. "Ich bin jetzt auch froh, wieder zu Hause zu sein", gesteht er. "Man hat monatelang auf den Wettbewerb hingearbeitet, da ist man auch erleichtert, wenn der normale Alltag wieder losgeht." Für die Weltmeister aus China beginne der Ruhm hingegen gerade erst. "Das sind jetzt richtige Stars. Mein Hauptberuf ist einfach Bäcker." So ganz realisiert hat der 24-Jährige den Erfolg noch nicht. "Man ist da wie in einem Tunnel." Von allen Seiten kommen Glückwünsche. Viele rufen sogar an und wollen die Produkte kaufen, mit denen Raisch den Titel geholt hat. "Aber das dauert noch ein bisschen. Ich muss jetzt erst mal ankommen."