Im Zentrum für Psychiatrie sind mehrere Corona-Fälle aufgetreten. Foto: Archiv

Mehrere Seniorenheime sowie Zentrum für Psychiatrie Klinikum Nordschwarzwald betroffen.

Immer mehr Seniorenheime müssen mit Corona-Ausbrüchen zurechtkommen. Neben dem Haus auf dem Wimberg auch die Sonnenresidenz Heumaden und das Feierabendhaus in Bad Liebenzell. Doch bei Seniorenheimen bleibt es nicht. Im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Klinikum Nordschwarzwald sind 30 Patienten und elf Mitarbeiter infiziert.

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Calw/Bad Liebenzell - "In der ersten Welle haben wir Glück gehabt", sagt Michael Eichhorst, Geschäftsführer des ZfP in Hirsau. Seine Stimme klingt betrübt. Denn dieses Mal, während der sogenannten zweiten Welle der Corona-Pandemie, sieht es anders aus. Derzeit sind im ZfP Klinikum Nordschwarzwald 30 Patienten infiziert. Hinzu kommen elf Mitarbeiter.

Drei Stationen der Einrichtung sind unter Quarantäne gestellt, sagt Eichhorst. Zwei aufgrund der auftretenden Corona-Fälle, eine unabhängig davon bereits seit März, weil diese als "Pandemie-Station" vorgehalten wird. Offen sei laut Eichhorst derzeit noch, ob vielleicht auch eine vierte Station betroffen sein könnte.

In Einzelzimmern isoliert

Die betroffenen Patienten sind in Einzelzimmern isoliert und werden dort versorgt. Jedoch, meint der Geschäftsführer, sei es in einer psychiatrischen Einrichtung zuweilen gar nicht so einfach, die Patienten dazu zu bringen, auf ihren Zimmern zu bleiben. Einfach die Türe abschließen komme selbstredend nicht in Frage und sei auch nicht erlaubt. Wie es zu dem Corona-Ausbruch kommen konnte, kann sich Eichhorst nicht erklären. Alle Regeln seien beachtet worden, man habe höchste Vorsicht walten lassen.

Werden zum Beispiel neue Patienten aufgenommen, werden diese zunächst getestet und kommen dann in ein Einzelzimmer. Seit Monaten bereits gebe es zudem Körpertemperaturkontrollen am Eingang, veränderte Besuchsbedingungen sowie bei Mitarbeitern und Patienten regelmäßige Tests – wenn tägliche bei jedem Mitarbeiter auch nicht umsetzbar seien. "Bis vor zwei Wochen hat das gut geklappt", sagt Eichhorst. Doch dann haben die Vorsichtsmaßnahmen offensichtlich nicht mehr ausgereicht.

Immerhin seien durch die Schnelltests, die der Einrichtung seit Ende Oktober zur Verfügung stehen, etliche der Infektionen aufgefallen. Besuch ist nun am gesamten ZfP nicht mehr zugelassen, wie auf der Homepage des Klinikums zu erfahren ist.

Die meisten Patienten haben bislang einen eher milden Verlauf der Infektion, berichtet der Geschäftsführer. Zwei waren zwischenzeitlich im Krankenhaus in Behandlung, sind inzwischen aber wieder zurück in Hirsau. Die mobilen Sauerstoffflaschen, die in der "Pandemie-Station" zur Verfügung stehen, seien derzeit nicht im Einsatz.

Besuch ermöglichen

Für die Mitarbeiter sei dies eine anspruchsvolle Situation, gibt Eichhorst zu bedenken. Er hofft, dass die Quarantäne hilft, die Infektionszahlen einzudämmen. Eichhorst beobachtet aber auch die allgemeine Situation – und dort bleiben die Zahlen eher auf einem Plateau, als dass sie sinken. Deshalb ist er sich sicher: "Das wird nicht von heute auf morgen verschwinden."

Im Seniorenzentrum Haus auf dem Wimberg zählen inzwischen 34 Bewohner sowie zehn Mitarbeiter als infiziert, sagt Alexandra Heizereder, Pressesprecherin der evangelischen Heimstiftung, Träger des Seniorenzentrums. Vergangene Woche waren es noch 35 Bewohner und sieben Mitarbeiter. Nach wie vor lasse sich das Infektionsgeschehen auf zwei Wohngruppen begrenzen. Am Montag, 21. Dezember, sei im gesamten Haus eine PCR-Testung vorgenommen worden – deren Ergebnisse jedoch noch ausstehen. Zwischen den Jahren sei dies nochmals geplant, sagt Heizereder.

In der Sonnenresidenz Heumaden, einer weiteren Einrichtung unter der Trägerschaft der Heimstiftung, gebe es 20 positiv getestete Bewohner und acht Mitarbeiter. Hier seien am 22. Dezember flächendeckend PCR-Tests vorgenommen worden, erklärt die Pressesprecherin.

Den Patienten gehe es den Umständen entsprechend. Ihr seien keine kritischen Fälle bekannt, die Senioren würden im Haus behandelt. Die Frage, ob es bereits Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 gegeben habe, möchte die Pressesprecherin nicht beantworten. Es sei eine grundsätzliche Entscheidung der evangelischen Heimstiftung aus Rücksicht auf die Angehörigen, derlei Informationen nicht preiszugeben.

Heizereder zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass damit die Spitze an Infektionen erreicht sein könnte und es von nun an weniger werden könnte. Eine Prognose wagt sie aber nicht. Nur so viel: "Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand", betont sie. Ziel sei es nun, zumindest in Teilen Besuch über Weihnachten in den Einrichtungen zuzulassen. Derzeit herrscht ein Besuchsverbot in den betroffenen Heimen.

Im Seniorenzentrum Torgasse gilt weiterhin eine eingeschränkte Besuchsmöglichkeit. Dort gebe es laut Heizereder keine bekannten Corona-Fälle.

Milder Verlauf

Auch in der Schwesternschaft der Liebenzeller Mission gab es einige Corona-Fälle. Das bestätigte Christoph Kiess, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Liebenzeller Mission, auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Daraufhin seien alle Bewohnerinnen des Feierabendhauses (Altenheim) der Schwesternschaft getestet worden, so Kiess. "Dabei wurden insgesamt rund 30 Schwestern positiv auf das Corona-Virus getestet. Der überwiegend größte Teil der getesteten Personen lebt im Feierabendhaus (Altenheim) der Schwesternschaft", machte Kiess deutlich. Davon abgesehen gibt es zusätzlich noch das "Schwesternhaus", in dem die aktiven Schwestern wohnen.

"Alle Bewohnerinnen im Feierabendhaus sind in Quarantäne. Wir stehen in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt", machte Kiess deutlich. "Bisher haben die meisten der positiv getesteten Schwestern keine Symptome oder zeigen einen milden Verlauf", war von ihm weiter zu erfahren. "Einige wenige Schwestern sind im Krankenhaus, eine davon bereits wieder entlassen", so Kiess.

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