Solche Gewinnbenachrichtigungen locken so manchen auf dubiose Kaffeefahrten. Foto: SB-Archiv

Ein 60-Jähriger ließ sich auf eine Kaffee-Fahrt locken, auf der er abgezockt werden sollte.

Nordschwarzwald - Vollmundig gratulierte das Schreiben zu einem Bargeldgewinn von 10 000 Euro. Von dem Geld gesehen hat ein 60-Jähriger aus dem Kreis Calw freilich nichts. Der Mann ließ sich damit auf eine Kaffee-Fahrt locken, auf der er abgezockt werden sollte, wie gut 50 seiner Mitfahrer auch.

An einem frühen Morgen in diesem Sommer werden an Haltestellen im ganzen Kreis Calw 50 Personen in zwei Bussen eingesammelt. Darunter auch der 60-Jährige, der sich auf seinen hohen Gewinn freut. Ziel der Fahrt ist ein abgelegenes Gasthaus im Elsass in der Nähe von Straßburg.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden den Fahrgästen aus dem Kreis Calw Reisen und Gesundheitsartikel feilgeboten. Auf vorgedruckten Blöcken können die Teilnehmer per Unterschrift bestätigen, welchen Betrag sie in bar oder per Überweisung bezahlen wollen. Gleichzeitig bestätigen sie, dass eine Anrechnung auf den Reisepreis nicht möglich und die Rückerstattung der Bearbeitungs- und Servicegebühr ausgeschlossen ist. Viele Gäste sind am Ende der Reise viel Geld los. Auch der 60-Jährige überweist ein "Reiseberatungshonorar" von 472 Euro. Von seinem Gewinn von 10 000 Euro sieht er nichts.

Schon am Tag nach der Fahrt ist der Mann davon überzeugt, dass bei dieser Fahrt nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Er wendet sich hilfesuchend an das Polizeirevier in Calw. Dieser schnelle Schritt und die Hilfe eines Polizeibeamten bringen ihm wenigstens die 472 Euro wieder ein – per erfolgreicher Rücküberweisung.

Ermittlungen gestalten sich schwierig

Immer wieder wenden sich Geschädigte solcher "Kaffee-Fahrten" an die Polizei im Kreis Calw. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. So auch in diesem Fall. Dadurch dass die Fahrt ins Elsass, also in ein anderes Land führte, wird die rechtliche Lage kompliziert. Auch die Tatsache, dass an der Fahrt ein Unternehmen aus Norddeutschland und eine Firma aus der Schweiz beteiligt waren, macht die Sache für die Ermittler nicht gerade einfacher. "Hier wird mit einer gezielten Vernebelungstaktik gearbeitet", beschreibt Polizeisprecher Winfried König die Vorgehensweise.

Grundsätzlich warnt die Polizeidirektion Calw vor solchen "Kaffee-Fahrten". Nicht wenige Teilnehmer würden bei einer solchen Fahrt viel Geld los. Das kostenlose Frühstück und Mittagessen müssten sie oft an anderer Stelle teuer bezahlen. "Von den vollmundig versprochenen Gewinnen ist grundsätzlich weit und breit nichts zu sehen", mahnt Polizeisprecher Winfried König. Die Polizei rate in solchen Fällen dazu, sich die vorgelegten Verträge genau durchzulesen und bei allen dubiosen Gewinnversprechungen die Finger von diesen verlockenden Angeboten zu lassen.