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Calw Auch Historiker aus den USA interessieren sich fürs Kloster

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Abt Wilhelm als Miniatur in der "Vita Wilhelmi". Handschrift des 12. Jahrhunderts in der Leipziger Universitätsbibliothek, Ms 260, fol. 140v. Foto: Schwarzwälder-Bote

Calw-Hirsau. Ganz neue und überraschende Aspekte brachte ein internationales Kolloquium "Neue Forschungen zu Kloster Hirsau im Mittelalter" ans Tageslicht. Die Veranstaltung fand in dieser Form zum ersten Mal statt und wurde vom Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen mit Unterstützung der Stadt Calw sowie des Vereins "Freunde Kloster Hirsau" organisiert.

Historiker aus den USA sowie von verschiedenen deutschen Hochschulorten trafen sich im Hirsauer Kursaal, um ihre jeweiligen aktuellen wissenschaftlichen Forschungsarbeiten vorzustellen. Entsprechend vielfältig waren die präsentierten und mitunter auch recht kontrovers diskutierten Themen. Das Interesse einer zunehmend wachsenden Zahl von Historikern an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Hirsauer Klostergeschichte war in der Vergangenheit nie so umfangreich und ausgeprägt wie gegenwärtig.

Alison Beach von der Ohio State University und David Jaeger von der City University of New York befassten sich mit definitorischen Fragen der Hirsauer Reform-Landkarte: Woran kann man festmachen, dass ein Kloster zur Hirsauer Reform gehört? Hierbei analysierten sie die Übertragungswege der Reform und legten dabei auch den Fokus auf Frauenkonvente. Professorin Beach bedauert sehr, dass ihre amerikanischen Kollegen Mittelalter-Forschung zu stark auf Frankreich (Cluny) reduzieren und andere Länder außer Acht lassen.

Marco Krätschmer aus Tübingen untersuchte die hirsauische Reform des Klosters Petershausen bei Konstanz. Dabei stellt sich heraus, dass der Begriff der Reform nicht zeitgenössisch ist. Vielmehr betrachteten die Mönche jener Zeit die Veränderung als ein Zurückführen ihres Lebens zu den Regeln Benedikts. Die Reform war kein zentralistischer, organisierter Prozess, sondern vielmehr ein Übernehmen von Ideen. Sie kann am ehesten an verschiedenen Phänomenen wie dem Einhalten der Regeln aus den "Constitutiones Hirsaugienses", der Aufnahme von Laienbrüden oder auch dem Hirsauer Baustil festgemacht werden.

Denis Drumm stellte die Vita Abt Wilhelms vor. Ursprünglich im 12. Jahrhundert retrospektiv idealisierend entstanden, geriet sie im 15. Jahrhunderts erneut ins Interesse der Klöster, als diese sich der Geschichtsschreibung zuwandten. Insgesamt konnte der Referent – durch sieben echte Neuentdeckungen – zwölf Handschriften identifizieren, darunter ein in Leipzig aufbewahrtes Exemplar, das mit einer Miniatur Wilhelms ausgeschmückt ist.

Großer Unterstützerkreis

Johannes Waldschütz aus Stockach und Johannes Krämer aus Freiburg befassten sich mit Güterübertragungen an das Hirsauer Kloster. Durch Schenkungen sollte eine soziale Bindung mit dem Kloster zum Ausdruck gebracht werden. Im Gegenzug verpflichteten sich die Mönche, für das Seelenheil der Schenkungsgeber zu beten. Auffallend ist, dass Hirsau einen weit die Region überschreitenden Unterstützerkreis hatte. In der Hochphase des Investiturstreits kommen die Schenkungen ausschließlich von den Anhängern der päpstlichen Partei.

Franziska Quaas aus Hamburg analysierte einen Brief Abt Wilhelms an den Gegenkönig Hermann von Salm. Inhalt des Briefes ist die Rechtfertigung der Selbstinvestitur der Hirsauer Äbte, was die sächsischen Bischöfe als Provokation auffassten. Inhalt wie auch Formulierungen lassen klar erkennen, dass Wilhelm hier ganz im Geiste Papst Gregors VII. agiert.

Weitere Referatsthemen des dicht gedrängten Programms waren das wissenschaftliche, insbesondere das astronomische Lebenswerk Abt Wilhelms, Hypothesen zu Architekturproportionen im hochmittelalterlichen Kirchenbau in Anlehnung an den Tempel Salomos sowie die musikalisch-literarische Überlieferung an verschiedenen Orten der Reformbewegung, die seit der Rekonstruktion des Hirsauer "Liber Ordinarius" durch Felix Heinzer enorme Fortschritte gemacht hat.

 
 
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