War auch vom Annahme-Stop betroffen: die Entsorgungsanlage Simmozheim. Foto: Fritsch

AWG Calw tritt zwei Wochen lang voll auf die Bremse. Begrenzte Abgabe ist wieder möglich. Mit Glosse

Kreis Calw - So mancher Gewerbetreibende dürfte Ende August entgeistert gewesen sein: Die Abfallwirtschaft Landkreis Calw (AWG) hatte einen Annahme-Stop für Altholz verhängt. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Ob das so bleibt, ist jedoch ungewiss.

"Stell dir vor, du gehst zur Mülldeponie – aber die wollen deinen Müll nicht." Was wie ein schlechter Witz klingt, war im Kreis Calw rund zwei Wochen lang Realität. Wer als Gewerbekunde zwischen Ende August und Ende vergangener Woche die Recyclinghöfe der AWG anfuhr und Altholz abgeben wollte, hatte Pech – und musste seinen Abfall woanders loswerden.

So erging es beispielsweise Mitarbeitern der Erlacher Höhe, berichtet Klaus Schweizer vom Arbeitsprojekt und Möbelladen Nagold. Das Sozialunternehmen bietet unter anderem Wohnungsentrümpelungen an – und ist somit darauf angewiesen, Holz entsorgen zu können.

"Aber wir hatten Glück im Unglück", erklärt Schweizer. Im Zeitraum des Annahme-Stops seien wegen einer großen Entrümpelung, bei der alles im Restmüll gelandet sei, gerade einmal vier Kubikmeter Altholz angefallen. Im Schnitt komme in derselben Zeit rund das Zehnfache zusammen.

Mehrkosten bleiben an Kunden hängen

Die Entsorgung habe schließlich ein Containerdienst übernommen – zum dreifachen Preis. Mehrkosten, die man letztlich den Kunden aufbürden müsse, sollte sich nichts an der Situation ändern. Und Schweizer sieht eine weitere Gefahr: Dass manch einer seinen Müll künftig eben anderswo entsorge. Fälle dieser Art habe er bereits mehrfach erlebt – und beispielsweise altes Fleisch in Tüten oder Farbdosen aus Altkleidercontainern gezogen.

Probleme mit der Entsorgung hatten indes auch einige Handwerker im Kreis, sagt Gerhard Schlecht. "Es gab schon Klagen", berichtet der Obermeister der Schreiner-Innung Calw/Nagold. Ein Kollege habe ihm beispielsweise erklärt, er fange jetzt eben an, seinen Abfall zu stapeln, bis er ihn wieder abgeben könne.

Dies wiederum ist für den Schreinermeister Bernhard Stopper ein untragbarer Zustand. "Man kann doch nicht verlangen, dass man seinen Müll wochenlang daheim bunkert", ärgert sich der Calwer Stadtrat (NLC). Als Alternative fällt ihm aber spontan nur eines ein: "In den Wald schmeißen", meint er scherzhaft. Und wird gleich darauf wieder ernst. Denn auch er befürchtet auf Dauer höhere Entsorgungskosten, die die Kunden zu tragen hätten.

Großes Angebot, geringe Nachfrage

Dass der Landkreis sich nicht um den Müll der Gewerbetreibenden zu kümmern scheint, kann er nicht verstehen. "Das Handwerk sorgt dafür, dass Geld reinkommt, schafft Arbeitsplätze, belebt alles", unterstreicht Stopper.

So weit, so schlecht. Doch wie kam es überhaupt zu dem Annahme-Stop? Aufschluss darüber gibt Christian Gmeiner: "Der Altholzmarkt in Deutschland hat sich total gedreht", berichtet der Chef der Abfallwirtschaft im Landkreis Calw. Derzeit falle bundesweit weit mehr Holz an als in den vergangenen Jahren – verursacht unter anderem durch Bau-Boom und Bevölkerungswachstum. Abnehmer gebe es hingegen nicht zuletzt wegen der Stilllegung zahlreicher Biomassekraftwerke weit weniger. Diese Faktoren ließen die Entsorgungskosten für Altholz in die Höhe schnellen – auch bei privaten Entsorgungsdiensten.

"Die Folge war, dass wir in den vergangenen Monaten große Mengen an Altholz zur Verwertung angedient bekommen haben, die bisher über die Privatwirtschaft entsorgt wurden", verdeutlicht Gmeiner das Problem. Etwa 40 Prozent mehr Altholz als im Vergleichszeitraum der Vorjahre sei angefallen. Und da die Lagerkapazität begrenzt sei, "blieb uns nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen".

Doch wie geht es nun weiter? Ursprünglich sei geplant gewesen, den Annahme-Stop bis zum 24. September aufrechtzuerhalten. Nun habe man aber "alle Hebel in Bewegung gesetzt", um früher wieder Altholz annehmen zu können – dies gelte jedoch nicht für alle Altholzklassen. "Bei Kategorie IV müssen wir weiter auf der Vollbremse stehen", bedauert Gmeiner. Dabei handle es sich um besonders belastete Hölzer wie imprägnierte Jägerzäune, Fenster oder alte Bahnschwellen, die die Recyclinghöfe bereits seit Ende Juli nicht mehr annehmen. "Hier ist der Markt noch enger", betont der AWG-Chef. "Wir bekommen das Material aktuell nicht im notwendigen Umfang entsorgt."

Privatanlieferer sind nicht betroffen

Altholz der Kategorien I bis III können seit Montag und bis Samstag in begrenztem Umfang wieder von Betrieben abgegeben werden: Auf den Entsorgungsanlagen Simmozheim und Walddorf bis zu zwei Kubikmeter täglich, auf den anderen Anlagen ein Kubikmeter.

In der kommenden Woche vom 19. bis 24 September bleibt diese Regelung zunächst unverändert. Auf den Entsorgungsanlagen Simmozheim und Walddorf können dann aber voraussichtlich zweimal die Woche pro Gewerbebetrieb auch noch größere Mengen als zwei Kubikmeter abgegeben werden.

Privatanlieferer waren und sind indes auch künftig nicht von den Einschränkungen betroffen.

Und so scheint sich die Lage im Kreis vorläufig erst Mal wieder zu beruhigen. Das grundsätzliche Problem bleibt jedoch bestehen. Da hilft auch der Rat des Landesumweltministeriums nur wenig. Dieser lautet: "Es ist wichtig und entspricht auch den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, den Anfall von Altholz zu minimieren."

Weitere Informationen: Kostenlose Servicenummer 0800/3030839, kontakt@awg-info.de oder unter www.awg-info.de

Glosse: Weniger arbeiten!

Es ist offensichtlich: Die Lage bei der Entsorgung von Altholz ist angespannt – nicht nur im Kreis Calw. Doch was nun? Wohin mit dem Müll, den niemand haben will?

Ein interessanter, wenn auch scherzhafter Vorschlag, der von Schreinermeister Bernhard Stopper kommt, ist sicher überdenkenswert: Ab in den Wald mit dem Abfall! Altholz wird schließlich aus Bäumen gemacht, Bäume stehen im Wald rum – klingt nach einer runden Sache. Wer braucht da noch Deponien?

Noch besser ist aber der Hinweis, den das Landesumweltamt verlauten ließ: Die Gewerbetreibenden sollen den "Anfall von Altholz minimieren". Dass da noch niemand vorher draufgekommen ist.

Verrottete und morsche Balken könnten in neue Häuser eingebaut statt weggeworfen werden. Zerbrochene Holzpaletten könnte man halbieren. Und künftig mit der Hälfte beladen.

Am sichersten wäre es für Handwerker aber wohl, schlicht weniger Aufträge anzunehmen. Wer weniger arbeitet, produziert auch weniger Altholz. Wenn das kein Erfolgsmodell für die Zukunft ist? Wen kümmert’s schon, wie’s den Firmen geht? Hauptsache dem Staat ist bei seinen Aufgaben geholfen.

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