Der knapp sechs Meter lange Lincoln Continental "Lilly" bei der Einfahrt aufs Altblech-Festivalgelände. Der spektakuläre Straßenkreuzer war das einzige Fahrzeug, das die Black Forest Challenge wegen Bremsproblemen abbrechen musste. Foto: Kunert

Schlechtes Wetter kann die Stimmung nicht vermiesen. Autos mit Charakter. Party-Stimmung am Samstagabend.

Calw - "Wenn bei schlechtem Wetter schon so viele kommen – wie muss es denn erst sein, wenn mal richtig schönes Wetter ist!?" Das zweite Altblech Motor Weekend lockte am Wochenende vor allem am Festival-Samstag Hunderte Auto-Enthusiasten an die Rottannen in Stammheim.

Veranstalter Michael Kunert verbarg seine Freude über den großen Erfolg nicht. "In der Organisation steckt unglaublich viel Arbeit", erläutert er. Vor allem der Kern der Veranstaltung, die Black Forest Challenge, eine Auto-Schnitzeljagd quer durch den Nordschwarzwald, brauchte Monate für die exakte Vorbereitung. So sind die Helfer wochenlang die Stecke abgefahren, um die insgesamt 20 "Challenges" ( Aufgaben) für 50 Teams zu planen.

Dabei musste zum Beispiel das "Roadbook", in dem die Orientierungs-Hinweise zu den Orten dieser Challenges verzeichnet waren, vom Fünf-Meter-Brett des Freibads in Stammheim geholt werden. Wer sich dann auch noch gleich vom Sprungturm in die Tiefe stürzte, bekam Extra-Punkte – war dann zwar auch pitschnass, aber der Spaßfaktor hatte seinen ersten Zenit. Und vor allem darauf kam es bei dieser Veranstaltung an.

Dass die Teilnehmer auch alle Aufgaben akkurat absolvierten, das mussten sie selbst mit Fotos dokumentieren – die dann für die Auswertung des Wettbewerbs bei der Jury eingereicht wurden. Mehr als 2000 solcher teils sehr rustikalen Fotos musste die Jury sichten, um zu entscheiden, wer der Sieger des Tages war. Der Siegerpokal, gefüllt mit zwei Liter Bier, ging an Johannes Scholz und sein Team, das in einem 63er Ford Taunus gestartet war.

Autos, die beim Altblech-Festival dabei sind, sind nicht unbedingt hübsch und schön. Sie haben vor allem Charakter, sind ehrlich, authentisch. Original. Und eine unablässige Herausforderung.

Das bestätigen auch Florian und Carolin. "Lilly zickt", lautet ihre Erklärung, warum sie die Challenge als einziges Team abbrechen mussten. Die zickende "Lilly" – das ist ein knapp sechs Meter langer Lincoln Continental aus dem Jahr 1960 im Originalzustand. Eine absolute Augenweide. Der Wagen mache aber in letzter Zeit immer öfters Ärger. Woran es liegt? "An dem Namen", erklären Florian und Carolin ganz ernsthaft wie aus einem Mund. Seriöse Experten hätten beteuert, dass solche alten Autos mit Jungens-Namen nie Probleme machten. Nur die Mädchen. Aber "Lilly" jetzt einfach einem neuen männlichen Namen zu geben – davor schreckten sie noch zurück.

Und dann geht ein Raunen durch die Menge. Kunert kündigt über Lautsprecher die Einfahrt eines DeLorean DMC-12 an. In Originalzustand. Auch aus dem Kreis Calw. Man kennt den Wagen aus dem Hollywood-Blockbuster "Zurück in die Zukunft". Stolzer Besitzer ist Ulrich Pfeiffer aus Althengstett. Er habe den Wagen seit drei Monaten, beim Altblech-Festival zeigt er ihn ein erstes Mal einem größeren Publikum.

Jahrelang hat Pfeiffer alle DeLorean-Foren weltweit durchforstet. Über einen Importeur in Frankreich sei er an den Vorbesitzer im Elsass vermittelt worden – noch bevor der Wagen angeboten wurde. Pfeiffer: "Da schlägt man sofort zu." Der Flügeltürer mit seiner gebürsteten und unlackierten Edelstahl-Karosserie war zweifellos der Hingucker des Tages.

Was auch auffiel – die Koteletten-Dichte bei den männlichen Blech-Enthusiasten war beachtlich hoch. Das steigerte sich noch einmal am späten Festival-Samstag, als die Bühne auf dem Festival-Gelände den Rock’n’Roll-Bands The Nelsons, Phantomics, Fenders 55 und den Mofos gehörte. Da waren dann bei immer wieder leichtem Nieselregen rund 1000 Gäste in Party-Stimmung vereinigt, viele im stilechten Rockabilly-Style.

Allein der Altblech-Sonntag als Familien-Schau-Tag hätte besseres Wetter verdient. Doch Altblech bedeutet, erläutert Veranstalter Kunert, dass "man sich auch mal dreckig macht". Im Schrauber-Deutsch nennt man das dann auch "Vintage-Look" oder "Patina".