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Calw Ärger über unzuverlässige Bahnverbindungen

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Möchte man von Calw aus mit Bahn fahren, kann es zuweilen zu Verzögerungen kommen. Foto: Fuchs

Calw - Fahrgäste der Kulturbahn Pforzheim-Tübingen sind verärgert: Ständig fallen Züge aus, auch jene ab Calw. Als Grund nennt die Deutsche Bahn Personalmangel. Ab 6. Januar sollte sich die Situation verbessern. Ist das gelungen?

Wenn Ronald Raschke das rot umrahmte Kreuzchen oder das Ausrufezeichen in seiner Bahn-App schon sieht, ahnt er nichts Gutes. Denn das bedeutet in der Regel einen Zugausfall – ein Anblick, der für die Fahrgäste der Kulturbahn Pforzheim-Tübingen schon keine Seltenheit mehr ist. Vor allem Personalengpässe sorgen dafür, dass etliche Verbindungen kurzfristig nicht mehr bedient werden können.

Angespannte Lage vor den Weihnachtsferien

Auch die Fahrgäste, die von Calw beispielsweise nach Wildberg fahren möchten, leiden unter der Situation. Einer davon ist der Sohn von Raschke, der in Calw zur Schule geht. Besonders angespannt sei die Situation Ende des vergangenen Jahres gewesen, schildert Raschke. So habe sein Sohn am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien um 10.07 Uhr mit der Bahn nach Wildberg fahren wollen. Wie ein Screenshot seines Smartphones mit der geöffneten Bahn-App zeigt, wurde daraus nichts. Nicht nur der Zug um 10.07 Uhr entfiel, sondern auch der um 11.07 Uhr sowie der um 12.07 Uhr. "Der letzte Zug davor fuhr um 9.07 Uhr. Das heißt, es gab eine Zeitspanne von vier Stunden, in denen nicht ein einziger Zug von Pforzheim nach Nagold beziehungsweise Horb fuhr", echauffiert sich der Vater.

Wochen zuvor ließ die Deutsche Bahn in einer Mitteilung verlauten, die Verlässlichkeit der Verbindungen bis 6. Januar durch eine gezielte Leistungsreduzierung erhöhen zu wollen. Für Raschke schlicht ein Witz. "So sieht bei der Bahn also eine Steigerung der Verlässlichkeit aus? Von einem halbstündigen Fahr-Rhythmus auf einen planmäßig einstündigen Fahr-Rhythmus umzustellen, um dann eine vierstündige Fahrtpause mitten am Tag einzulegen?", fragt er sich. Seine Wut bringt er wie folgt auf den Punkt: "Die Bahn kommt im Nena-Style. Irgendwie, irgendwo und irgendwann. Inkompetenz par excellence."

Nach Beschwerde Gutschein erhalten

Raschke kontaktiert Ende vergangenen Jahres in seiner Verzweiflung die Deutsche Bahn sowie die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw mbH (VGC). Letztere sah sich der Situation augenscheinlich auch mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Die Einnahmen für die Fahrkarten auf der Kulturbahn gingen zu 100 Prozent an die Deutsche Bahn, heißt es in einer Stellungnahme der VGC. Daher seien auch die Ausfälle von selbiger zu verantworten. "Wir und die Busunternehmen, die wochenlang entsprechende Anschlüsse ausgearbeitet haben, sind auch enttäuscht über diese Entwicklung." Der Vertreter der VGC äußerte jedoch seine Hoffnung, dass es ab dem 6. Januar wieder besser werde.

Zwei Anfragen von Raschke ließ die Deutsche Bahn zunächst unbeantwortet. Erst zwei Wochen später meldete sie sich bei dem verärgerten Kunden und bot ihm einen 30 Euro Bahn-Gutschein an. "Der lässt sich leider aber nicht für die Monatskarte meines Sohnes einlösen, sondern ich müsste privat eine Bahnfahrt buchen um diesen überhaupt nutzen zu können", erklärt er.

Bahn verweist auf Personalmangel

Und was sagt die Bahn selbst zu dem Schlamassel? Sie verweist auf jene Pressemitteilung vom 5. Dezember, in der zu lesen ist: "Wir wissen, dass wir unsere Fahrgäste auf der Kulturbahn sowie im Bereich der Ammertal- und Ermstalbahn im Hinblick auf die zuletzt gehäuften kurzfristigen Ausfälle und reduzierten Kapazitäten unserer Züge sehr belasten. Aus diesem Grund haben wir uns bis zum Schulbeginn im neuen Jahr für eine gezielte Leistungsreduzierung entschieden", heißt es darin. Und weiter: "Wir können mit den eingeleiteten Maßnahmen leider nicht jeden kurzfristigen Zugausfall ausschließen, wollen die Verlässlichkeit des Fahrplanangebots aber damit deutlich steigern."

Eine gezielte Leistungsreduzierung zugunsten größerer Zuverlässigkeit? Klingt im ersten Augenblick etwas widersprüchlich. Auf Rückfrage des Schwarzwälder Boten im Januar erklärt das Unternehmen: "Durch eine gezielte Leistungsreduzierung können wir die Verlässlichkeit des Fahrplans deutlich steigern. Das bedeutet dass Reisende in der Regel wissen, welche Züge fahren und welche nicht – sprich es werden geplant Züge aus dem Fahrplan raus genommen", doziert eine Bahnsprecherin. Wohingegen es zuvor zu kurzfristigen Ausfällen gekommen sei, sodass die Kunden nicht verlässlich gewusst hätten, welcher Zug fährt und welcher nicht. "Die Leistungen reduzieren mussten wir aufgrund von fehlendem Personal", verweist sie auf die Meldung vom 5. Dezember.

Geschlossene Schranken

In dieser ist auch die Rede davon, dass die Fahrplaneinschränkungen lediglich bis zum 6. Januar gelten sollen. Doch ist dem so? "Die allgemeine Situation ist besser als vor dem Jahreswechsel, allerdings immer noch nicht zufriedenstellend", betont Raschke. Screenshots aus den Tagen danach belegen, dass Züge erneut aufgrund kurzfristigen Personalmangels ausgefallen sind. "Eine dauerhafte Besserung ist also meiner Meinung nach immer noch nicht in Sicht. Die Personaldecke ist offensichtlich immer noch extrem dünn."

Ein besonderes Ärgernis stellte für den Vater eine falsche Anzeige am Wildberger Bahnhof dar. Dieselbe Beschwerde erreichte unsere Redaktion auch von einer Vertreterin des Wildberger Stadtseniorenrats. Rund vier Wochen lang wurden auf der digitalen Anzeige Züge in Fahrtrichtung Pforzheim auf Gleis 2 angekündigt, obwohl diese auf Gleis 1 abfahren. "Dies führte (...) dazu, dass die Schüler direkt vor der einfahrenden Bahn durch die bereits geschlossenen Schranken zum Bahnsteig am anderen Gleis rennen mussten, andernfalls hätten sie aufgrund des langen Fußweges von Gleis 2 nach Gleis 1 vermutlich die Bahn verpasst", ärgert sich Raschke. Das sei extrem gefährlich.

Die Vertreterin des örtlichen Stadtseniorenrats sieht das ganz ähnlich. Gerade für ältere Menschen, die nicht so schnell ­laufen könnten, sei die falsche Anzeige schlicht eine Zumutung. Andere Fahrgäste hatten sich schon zur Gewohnheit gemacht, die Türen für die Senioren aufzuhalten – so lange, bis diese es auch zum ­richtigen Gleis geschafft haben. Auch mehrmalige Hinweise ihrerseits seien ohne ­Erfolg geblieben. Erst jetzt, rund vier Wochen später, sind die Anzeige sowie der ausgehängte Fahrplan korrigiert worden.

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