Der Bad Dürrheimer Gemeinderat machte den Weg frei für den Verkauf der Immobilie an den Gastronomieunternehmer Valon Gashi.
Die Frist um das städtische Vorkaufsrecht wäre am 24. Januar abgelaufen, so dass der Gemeinderat bereits am Montagabend nach einer Sitzung des Technischen Ausschusses außerordentlich zusammen kam. Der Druck war dadurch bedingt, dass der Stadt ein Vertragsentwurf der Eigentümerfamilie und des Käufers vorlag und gesetzliche Bestimmungen einzuhalten waren.
Dem Café Walz war und ist die Bevölkerung seit vielen Jahren verbunden. In der Kurstadt ist es mit einer Tradition von über 110 Jahren in der Gastronomie verknüpft. Der Entscheidungen zum Werdegang des „Kultrestaurants“ wohnten rund 30 Bad Dürrheimer im Friedrich-Arnold-Saal bei.
Der Käufer Zunächst stellte sich der Käufer Valon Gashi vor. Er lebt im Kosovo und sei als geschäftsführender Gesellschafter der Restaurantkette „Te Hallmi“ mit 120 Mitarbeitern an fünf Standorten verantwortlich. Von 1995 bis 2006 lebte er als Kriegsflüchtling in Deutschland, bevor er wieder in den Kosovo zurückkehrte. Der dreifache Familienvater erläuterte, dass er die Gastronomie erhalten, aber nicht selbst im Eigenbetrieb führen wolle. Der bisherige Qualitätsstandard soll erhalten bleiben. Die Wohnungen im Obergeschoss sind für Vermietung vorgesehen.
Konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt
Der Villinger Pajtim Nimani, der im Immobilienmanagement und in der Vermögensverwaltung tätig ist, erläuterte als Berater von Gashi, dass das Projekt als Investitionsobjekt angesehen wird und nachhaltig bewirtschaftet werden soll. Nimani unterstrich: „Wir wollen mit der Stadt konstruktiv zusammenarbeiten“.
Sorgen im Gemeinderat, dass Lösungen von Problemen durch den entfernten Lebensraum von Gashi nicht zeitnah erfolgen könnten, wurden von Nimani entkräftet. Er könne ihn verantwortlich vertreten.
Das Objekt Vor der Sitzung hatte der Gemeinderat einen Ortstermin im Café Walz absolviert und festgestellt, dass sich ein großer Sanierungsstau über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. So machten sich einige Gedanken, ob womöglich sogar ein Neubau entstehen könnte. Im Laufe der Sitzung offenbarte sich, dass ein angrenzendes Gebäude für ein Neubauvorhaben miteinbezogen werden müsste. Indes, der Eigentümer würde ein solches Vorhaben verneinen. Gemeinderäte erklärten, dass es keinesfalls zu einem langjährigen Leerstand bis zur Sanierung kommen dürfe.
Markus Spettel, Geschäftsleiter der Kur- und Bäder-Gesellschaft, der das Café Walz als Anziehungspunkt für die Bevölkerung wie Touristen ansieht, kann sich durchaus vorstellen, dass die KuBä temporär die Räume nutzen könnte.
Großes Interesse am Erhalt und Weiterbetrieb des Cafés
Gemeinderäte zeigten großes Interesse am Erhalt und Weiterbetrieb des Cafés Walz. Es sei eben eine liebgewonnene Institution und das Stadtbild prägend gewesen, meinte Barbara Fink, CDU. „Leben und Geschichten sind damit verbunden“, ergänzte Can Zileli, SPD, zum „Dieremer Schatzkästle“.
In Bad Dürrheim wurden mit ähnlichen Projekten schon gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht, stellte sich bei der Debatte heraus. Deshalb fragte Andrea Kanold auch nach der Motivation für das Engagement. Für einige Gemeinderäte ist der Erhalt der charakteristischen Fassade des Gebäudes besonders wichtig. In einem städtebaurechtlichen Vertrag sollten Eckpunkte bestimmt werden, die der Käufer einzuhalten hätte. Wolfgang Kaiser von der Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz (LBU) meinte zu diesem Instrument der Gestaltungssetzung, dass Verordnungen nicht rückwärtig wirken können.
Die Diskussion Die vielfach vorgetragene Sorge um einen möglichen langen Leerstand wollten Gashi und Nimani nicht teilen. Wie sich offenbarte, hätte beinahe ein Cousin von Gashi das Café Walz übernommen. In der Diskussion zeigten sich einige Gemeinderäte skeptisch. Nimani zeigte die Bereitschaft zur engen Kooperation und unterstrich die großen Chancen für die Stadt.
Bürgermeister Berggötz machte umgekehrt auf geldwerte Fördermöglichkeiten aufmerksam. In einem Quartett zusammen mit dem Bürgermeister und dem Kubä-Chef hatten Karen Roeckl von der LBU und Klaus Götz von den Freien Wählern große Vorarbeit zum Thema gemacht.
Bergötz präsentierte eine Vorlage für einen gemeinsamen Antrag der Gemeinderatsfraktionen. Darin wurde der Bürgermeister beauftragt, das Vorkaufsrecht fristgerecht auszuüben und mit der Verwaltung zeitnah ein Konzept für Bausanierung und Weiterbenutzung des Gebäudes vorzulegen. Begründet wurde dies mit der prägenden Fassade im städtischen Gesamtbild und die Zugehörigkeit zum Sanierungsgebiet Innenstadt II. Ein längerer Leerstand oder ein Abriss würde eine schwere Prestigeschädigung und Schädigung des Stadtbildes bedeuten.
Die Entscheidung Nach einer längeren Pause, in der die Entscheidungsträger sich besprachen, wurde schließlich einstimmig der Beschluss gefasst, auf das Vorkaufsrecht zu verzichten. Zudem wird die Verwaltung mit dem neuen Eigentümer intensive Gespräche führen und einen städtebaulichen Vertrag bis spätestens 30. Juni zu erarbeiten. Als Ziele werden der zwingende Erhalt der Gebäudefassade sowie die Nutzung des Erdgeschosses für Gastronomie und die der Obergeschosse für Wohnzwecke genannt. Falls ein konstruktives und vertrauensvolles Miteinander beziehungsweise der städtebauliche Vertrag nicht zustande kommen, wird für den Bereich ein Aufstellungsbeschluss gefasst und in der Folge eine Veränderungssperre erlassen.