Mobiles Arbeiten erfreut sich einer ungebrochenen Beliebtheit. Unsere Praktikantin hat sich auf die Suche nach dafür geeigneten Orten in Nagold begeben und ist fündig geworden.
Der Frühling präsentiert sich mit bestem Wetter und aufblühender Natur. Und doch verbringen die meisten von uns ihre Tage in den immer gleichen Büroräumen – geht das denn nicht auch anders? Für manche schon.
Je nach Absprache mit dem Arbeitgeber kann die Arbeit auch an einem frei wählbaren Ort stattfinden, zum Beispiel in einem Café.
So ein alternatives Büro sollte gewisse Voraussetzungen erfüllen: Gerade für die Arbeit am Laptop sollten W-Lan und Steckdosen vorhanden sein. Wichtig ist zudem eine für neugierige Blicke eingeschränkte Sicht auf den Bildschirm, sonst läuft man Gefahr, eventuelle Betriebsgeheimnisse und Passwörter auf dem Silbertablett zu servieren. Daneben ist natürlich eine ruhige Atmosphäre entscheidend, immerhin soll man ja gut arbeiten können. Ein Zugang zu WC und Snacks steigert die Aufenthaltsqualität.
Mit diesem Kriterienkatalog ausgestattet mache ich mich in dieser mir noch fremden Stadt auf die Suche.
Texeria
Zuerst hole ich mir Mittagessen, die Auswahl finde ich mit drei Gerichten nicht sehr groß, aber mit Preisen von fünf bis neun Euro im Vergleich zu Mittagslokalen recht günstig.
Nachdem ich mein Tablett zurückgegeben habe, setze ich mich zum Arbeiten in einen sehr gemütlichen Sessel mit niedrigem Tisch.
Ich werde jedoch schnell abgelenkt von den Massen an Studierenden die in die Kantine stürmen, und stelle fest: In Gesellschaft des Fashion-Nachwuchses bin ich total underdressed. Doch nicht nur die soziale Unsicherheit lenkt mich von meiner Arbeit ab, sondern auch das laute Verrücken der Stühle und die Gespräche der Menschen, die hier ihre Mittagspause verbringen. Außer mir arbeitet hier keiner.
Als ich zum Laptop-Ladekabel greife, stelle ich fest, dass die Steckdosen, zumindest ein Großteil davon, dicht gemacht wurden. So ist das mit dem mobilen Arbeiten irgendwie schwierig.
McDonalds
Ich überlege, wo ich in der Stadt sonst noch die Kombination aus W-Lan, Steckdose und WC finden könnte und plötzlich fällt mir ein: Na, bei McDonalds!
Zwar finde ich hier bis auf das W-Lan alles, was ich benötige, doch die Atmosphäre lädt nicht gerade zum Arbeiten ein. Am laufenden Band geben die Besucher ihre Bestellungen auf, aus der Küche erklingt alle paar Sekunden ein nervenaufreibender Piep-Ton, im Hintergrund läuft Musik und es ertönt fröhliches Kinder-Kreischen. Ist ja auch logisch, denke ich. So eine Mittagspause ist ja meist auch eine gesellige Angelegenheit.
Klar, könnte man diese Nachteile durch andere Besuchszeiten abmildern, doch blieben da noch die Probleme der relativ kleinen Tische, des fehlenden W-Lan-Zugangs sowie die Tatsache, dass mein Laptop durch vollverglaste Wände aus jedem Winkel einsehbar ist. Also hake ich die Mittagslokale ab – bleiben ja noch die Cafés.
Aprilmädchen
Im Café Aprilmädchen habe ich direkt Glück und ergattere einen der Sitzplätze mit Steckdose. Das Café ist sehr gemütlich eingerichtet, alles ist sehr rosa und gemütlich. Die Geräuschkulisse ist nicht zu unterschätzen, denn neben der Musik und den üblichen Café-Gesprächen kommen hier anscheinend auch viele Mütter mit ihren kleinen Kindern her, und die sind bekanntlich nicht sehr leise.
Trotzdem wird mobiles Arbeiten hier, laut Mitarbeiterin, durchaus toleriert. Nur wenn einzelne Personen größere Tische über Stunden hinweg blockierten sei dies problematisch. Auf dem Tisch ist neben meinem Laptop noch Platz für die Kaffeetasse, Zugang ins Internet habe ich hier über das städtische W-Lan-Angebot.
Ziegler
Das Interieur der Backlounge ist ähnlich hip wie das der Texeria, nur sind die Außenwände vollverglast. Wer also mit sensiblen Daten arbeitet, sollte versuchen einen der fünf nicht-einsehbaren Sitzplätze zu wählen. Der hintere Bereich des Lokals ist während meines Besuchs recht ruhig, das hauseigene W-Lan funktioniert perfekt und die Toiletten sind kostenfrei nutzbar. Lediglich an Steckdosen mangelt es hier - sonst wäre ich auch länger geblieben.
Rathauscafé
Mein Besuch im Rathauscafé ist herrlich unaufregend. Von all dem Kuchen gesättigt bestelle ich mir einen Saft und setze mich nicht wie alle anderen Gäste raus in die Sonne, sondern an den einzigen Platz mit Steckdosenanschluss.
An dem Bartisch kann ich ganz gut arbeiten, die Musik ist relativ ruhig und die Atmosphäre ebenso. Nur das W-Lan lässt zu wünschen übrig, mein Laptop kann sich mit dem städtischen W-Lan aufgrund der Entfernung nicht mehr verbinden. Also beende ich meine Tour durch die Nagolder Gastro-Szene und schließe meinen Selbstversuch an einem Ort, den schon Generationen vor mir zum Arbeiten außer Haus genutzt haben.
Stadtbibliothek
Der Weg durchs fast ausgestorbene Shoppingcenter ist nicht sonderlich reizvoll, doch als ich in der Bibliothek ankomme, begrüßt mich eine angenehme Ruhe. Am Ende des Raumes finde ich einen Bereich, dem stillen Arbeiten gewidmet ist. Dieser versprüht eine wohlbekannte charmelose Büro-Atmosphäre, stellt dafür aber Steckdosen und einen Zugang zum städtischen W-Lan bereit.
Was ich super finde, ist, dass ich in meinen Pausen etwas umhergehen, im Bücherbestand stöbern und etwas für die Arbeit nachschlagen kann.
Die Bibliothek als idealer Arbeitsort - zu schön um wahr zu sein? Naja, ein bisschen zumindest.
Etwas einschränkend ist zum einen die Toilette, die sich im Keller des Einkaufszentrums befindet. Zum anderen gilt hierein generelles Verbot von Speisen und Getränken. Auch auf die Lautstärke sollte man achten, gerade wenn man mit anderen zusammenarbeitet und an Ideen feilt.
Fazit
Auch wenn ich an allen getesteten Orten willkommen war, hatte ich doch meist das Gefühl, meinen Aufenthalt in den gastronomischen Betrieben durch den Konsum der angebotenen Lebensmittel legitimieren zu müssen und die Räume zu deren Nachteil zu zweckentfremden. In der Bibliothek war dies nicht der Fall, und da auch die Infrastruktur hier am ehesten den Ansprüchen an mobiles Arbeiten gerecht wird, wird man mich zukünftig am ehesten hier wiederfinden.