Das Café Peter in der Calmbacher Ortsmitte steht seit vielen Jahren leer. Foto: Bernd Mutschler

Ein „Trauerspiel“ und ein „jämmerlicher Anblick“ ist das ehemalige Café Peter in Calmbach nicht nur für Jochen Borg. Es könnte vielleicht eine überraschende Lösung geben.

Das ehemalige Café Peter im Bad Wildbader Stadtteil Calmbach steht seit vielen Jahren leer. CDU-Stadtrat Jochen Borg fragte in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach, wie es denn um den „Peterbeck“ stehe.

 

„Der Zustand des ganzen Anwesens wird immer schlimmer, immer jämmerlicher“, sagt Borg und fügte an: „Es ist ein Trauerspiel, grad an dieser Stelle.“ Vielleicht sei der neue Besitzer ja „auch bereit, es wieder herzugeben“. Es gebe bestimmt Interessenten für das Gelände.

Eigentlich soll bezahlbarer Wohnraum entstehen

Dieser „neue Besitzer“, wie Borg es nannte, ist so neu gar nicht. Bereits Ende 2020 kaufte die Erlacher Höhe das Grundstück, mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Damals sagte die SPD-Gemeinderätin Ursula Jahn-Zöhrens: „Was die SPD-Fraktion ausdrücklich begrüßt, ist, dass es eine gute Lösung für eine Bebauung an der Ecke Hauptstraße/Kriegsstraße beim ehemaligen Gebäude ‚Café Peter‘ gibt. Menschen in besonderer Lebenssituation in die Mitte der Gesellschaft zu holen, gelingt somit im wahrsten Sinne des Wortes, wenn hoffentlich in Bälde hier Wohnungen für Menschen mit Einschränkungen errichtet werden.“

Auch in Bad Wildbad im Landkreis Calw habe der Zuzugsdruck und die damit verbundene hohe Nachfrage nach Wohnraum dazu geführt, dass die Mieten steigen, teilte das diakonische Sozialunternehmen Erlacher Höhe mit Hauptsitz in Großerlach im Rems-Murr-Kreis damals mit. Andreas Reichstein, Leiter der Abteilung Calw-Nagold der Erlacher Höhe, sagte: „Aus unserer Beratungspraxis vor Ort in Calmbach, aber auch in anderen Kommunen im Landkreis Calw, wissen wir um die Nöte der Menschen im Enztal und sind ständig damit konfrontiert, dass Menschen auf Wohnungssuche sind.“

Erster Anlauf für Fördermittel scheitert früh

Die Erlacher Höhe, die sich an insgesamt 16 Standorten in Baden-Württemberg für Menschen in sozialen Notlagen einsetze, habe sich aus diesem Grund dazu entschlossen, selbst weiteren Wohnraum zu erschließen und in den geförderten Sozialwohnungsbau einzusteigen.

Die Stadt sieht das Grundstück des Café Peter mittlerweile als großen Schlüssel für das Sanierungsgebiet. Foto: Bernd Mutschler

Ein erster Anlauf für Fördermittel scheiterte allerdings bereits früh. Das Unternehmen wollte sich erneut um Förderungen bemühen, damit die Planungen für das Bauvorhaben aufgenommen werden können. Deshalb sei vorläufig eine konkrete Zeitplanung für das Vorhaben noch nicht möglich, hieß es damals.

Ursprünglich war auf diesem Gebiet eine große Sozialeinrichtung geplant. Diese massive Bebauung mit zu wenigen Parkplätzen für die Mitarbeiter hatten die Stadträte aber bereits früher abgelehnt.

Grundstück gehört „noch nicht der Stadt“

Passiert ist seither – nichts. Das bedauert auch Bürgermeister Marco Gauger. „Das ist keine Visitenkarte für den Ort“, antwortete er auf Borgs Frage. Der Eigentümer sei seit 2018 unterwegs, dort etwas zu entwickeln und zu investieren. Aufhorchen ließ er dann mit dem nächsten Satz: „Wir sind in Gesprächen, es gehört noch nicht der Stadt.“

„Die Erlacher Höhe hatte eine sehr gute Idee“, so Gauger weiter. Mittlerweile sei das Grundstück aber „für uns ein großer Schlüssel“ für die Kreuzungssituation an der Ankerkreuzung und des gesamten Sanierungsgebiets. Gauger bestätigte, dass man mit dem Eigentümer „im Gespräch für Tausch oder Erwerb“ sei.

Borg ergänzte, dass ein großer Wunsch in Calmbach immer noch der Bau eines Seniorenheimes sei: „Das wäre eine wirklich gute Sache.“