Die Tänzerinnen Ann-Sophie und Marie-Christin Lissek tanzten ihre Choreographie zum "Murder Song".Foto: Hofmann Foto: Schwarzwälder Bote

Café of Arts: An drei Abenden bietet die junge Nagolder "Musik-Boheme" ein ambitioniertes und abwechslungsreiches Programm

Die Publikumsbegeisterung war riesig. Unter tobendem Applaus, Bravorufen und stehenden Ovationen ging das Konzert des "Café of Arts" zu Ende. Es war eines von dreien, im Programm großteils identischen Konzerten, die man in diesen Tagen erleben konnte. Bis in die dunkle Nacht hinein unterhielten die jungen Musiker ihre Zuhörer mit einem ambitionierten und abwechslungsreichen Programm.

Nagold/Mötzingen. Die Geburtsstunde des "Café of Arts" schlug zwischen zwei Pandemiewellen im vergangenen Sommer. Die restlos ausverkaufte Premiere im Garten der "Pfrondorfer Mühle" galt schon damals als eine lokale Sensation. Mit diesem Konzert fand die junge Nagolder "Musik-Boheme" zu einer eigenen künstlerischen Plattform, auf der sich die angestaute Musizierfreude frei entfaltet und das Publikum ins Staunen versetzt. Nun nutzte das "Café of Arts" wieder die Gunst der Stunde und hieß die Gäste diesmal im "Lindenhof" der Familie Bender bei Mötzingen willkommen.

Die ehemalige, frisch renovierte, geschmackvoll wie schnörkellos dekorierte Scheune fasste locker etwa 100 Zuhörer und erwies sich nicht nur als eine gastfreundliche Event-Stätte, sondern als ein Kammersaal mit ausgezeichneter Akustik. Durch das Programm führte am Mittwoch Volkmar Wissner und ergänzte seine geistreiche Moderation um "kleine literarische Einlagen".

Die Beiträge folgten keinem Schema und bildeten eine lockere Melange aus Klassik- und Unterhaltungsmusik in flexiblen Besetzungen. Nachdem Emilie Caupin (Mezzosopran) und David Rother (Bass) das Publikum im Nu mit einem Duett von Johannes Brahms eroberten, wechselte ihr Klavierbegleiter Johannes Gneiting zu einer Band mit Elias Steeb (Gitarre), Jeremias Viehweg (Schlagzeug) und Louisa Edel als Frontfrau. Ihre expressive Gesangsart unterstrich die Spannungen der Soulmusik von Lionel Richie und Amy Winehouse.

Aileen Hofmann setzte die Nuancen ihrer Stimme sehr innig und vielfarbig ein und genoss die Feinheiten der Eigenkomposition genauso stark wie die szenische Freiheit. Später illustrierten die zwei schier ungleichen Stimmen von Edel und Hofmann eine Ballettszene zu "Murder Song" im einheitlichen Zwiegesang. Dabei fügten die Tänzerinnen Ann-Sophie und Marie-Christin Lissek einige Elemente der klassischen und modernen Tanzkunst in ihre dynamische und zugleich graziöse Körpersprache ein und führten das epische Geschehen mit bewegender Leichtigkeit vor.

Federleicht und zugleich präzise

Passend zu diesem Beitrag bot der jüngste Konzert-Teilnehmer Johannes Pridzun (am Klavier Martin Kalmbach) dem Publikum die romantische "Ballettszene" von Charles de Bériot, wo der Geiger seine heranreifende Musikalität und fortgeschrittene Technik bewies.

Jeden Auftritt quittierten die Zuhörer mit heftigem Applaus, der auch dem Bassisten Rother und seinem Begleiter Gneiting für die schöne und reife Darbietung der Lieder von Robert Schumann und Richard Strauss galt. Die Dramatik der wohlklingenden und voluminösen Stimme von Emilie Caupin in Liedern von Schumann und Brahms sowie ihre souveräne und zugleich anmutige Bühnenpräsenz sprachen das Publikum besonders stark an.

Eine Chopinsche Etüde erklang melodisch und virtuos unter den Fingern von Stephan Sautter. Konrad Sautter gestaltete die "Sturmsonate" von Ludwig van Beethoven mit sicherem Anschlag und emotionaler Tiefe. Der vierhändige, bravourös gespielte Kopfsatz der beethovenschen "Fünften" brachte auch diesem Klavierduo die verdiente Publikumsanerkennung.

In zwei hochvirtuosen Stücken von Aleksey Igudesman präsentierte Barbara Lena Köbele ihr technisch-musikalisches Potenzial mit schalkhafter Sorglosigkeit. Federleicht und zugleich präzise wirkten unzählige Violin-Raffinessen, der Bogen sprühte Funken, und die Komik der stilistischen Kontraste ließ die Zuhörer schmunzeln, staunen und bewundern.

Eine berauschende Applauswelle drückte die Anerkennung und Dankbarkeit für die großartige Leistung aus. Das neue Konzertformat, an dem Familie Caupin besonders stark mitwirkte, fand regen Zuspruch – sowohl unter den "jungen Künstlern, die entweder ihre Kunst studieren oder als Hobby leben" (so steht es auf der Webseite von "Café of Arts") als auch unter ihren jetzigen und ehemaligen Lehrern am OHG und der Städtischen Musikschule. Sie freuten sich sehr über ihre musikalische Saat und reifende Früchte.

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