Das Aus des französischen Cafés in Villingen schlägt hohe Wellen. Die geforderte Miete sorgt für Kritik – auch seitens des Citymanagements. Denn es droht ein Teufelskreis in der Innenstadt.
3500 Euro an Miete für ein kleines Café – wer soll sich das denn leisten können? Diese Frage drängt sich auf, nachdem Julien Gonzalez schonungslos mit den Verhältnissen in der Villinger Innenstadt abgerechnet hat. Der Betreiber des „Saveurs de France“ muss das französische Café angesichts der horrenden Kosten schließen.
Das liegt seinen Angaben zufolge auch an der Miete in besagter Höhe. „Und das für 30 Sitzplätze“, äußert er sein Unverständnis im Gespräch. Auch andere Gastronomen staunen angesichts der Zahlen, die Gonzalez offenlegt. Wucher und Abzocke heißt es gegenüber unserer Redaktion. Doch auch von offizieller Stelle wird Unverständnis über diesen Fall geäußert.
Thomas Herr, Citymanager von Villingen-Schwenningen, redet Tacheles. Denn seinen Angaben zufolge sind die Spitzenmieten beim Gewerbe rückläufig – 21 Prozent seit 2019. „Was die Frage aufwirft, warum einige Eigentümer weiterhin derartige Preise ansetzen“, so Herr. Für kleinere Betriebe seien solche Mieten „kaum zu stemmen“. Und im Fall des Cafés sei die Pacht sicherlich „sehr hoch“.
Vielfalt in Villingen geht verloren
Die Folgen sind für ihn klar: Gerade kleinere, inhabergeführte Läden und Gastronomiebetriebe hätten Schwierigkeiten, wirtschaftlich zu arbeiten. Es droht aus seiner Sicht eine Filialisierung – oder auch eine Schwemme durch Barbershops und Nagelstudios, die sich diese Preise offenbar noch leisten könnten. „Dadurch geht ein Stück Vielfalt und Individualität im Stadtbild verloren.“
Und Herr führt den Gedanken weiter aus: „Diese Monotonie im Branchenmix schmälert langfristig die Attraktivität der Innenstadt als Einkaufs- und Aufenthaltsort. Die fehlende Vielfalt sorgt dafür, dass weniger Kunden in die Innenstadt kommen, was wiederum den bestehenden Geschäften zusätzliche wirtschaftliche Schwierigkeiten bereitet. Es entsteht ein negativer Kreislauf, der die Vitalität und Lebendigkeit der Innenstadt zunehmend gefährdet.“
Teufelskreis in der Innenstadt droht
Aus der Sicht des Citymanagers droht dadurch auch in Villingen ein wahrer Teufelskreis. Denn tatsächlich sind den Verantwortlichen mehrere Beispiele von erhöhten Mietpreisen bekannt, die zu Leerstand führten. Herr: „Hohe Mieten führen zu Leerständen, und Leerstände mindern wiederum die Attraktivität der Einkaufsstraßen.“
Schnell wird – auch in den sozialen Medien – der Ruf nach einer Regulierung laut, am besten durch die Stadt. Herr wiegelt aber ab: „Die direkte Regulierung von Gewerbemieten ist der Stadt rechtlich nicht möglich.“ Denn Mietpreise werden zwischen Eigentümern und Mietern am freien Markt verhandelt, „die Entscheidungen darüber, zu welchem Preis vermietet wird und welche Mieter zum Zug kommen, liegen letztlich bei den Eigentümern selbst“.
Einflussnahme der Stadt begrenzt
In vielen Bereichen würde deshalb „die direkte Handlungsmöglichkeit fehlen“. Möglich sei oftmals lediglich die Einflussnahme bei der langfristigen Strukturentwicklung durch das Einwirken mithilfe von Bebauungsplänen oder Konzepten zur Innenstadtentwicklung.
Aus seiner Erfahrung weiß Herr auch, dass bei Gesprächen mit Eigentümern in der Regel Interessen aufeinanderprallen: „Oftmals sind es komplexe Verhandlungen, weil Eigentümer wirtschaftliche Interessen verfolgen, die nicht immer mit den städtischen Zielen übereinstimmen.“ Man sorge sich dennoch um eine enge Zusammenarbeit mit den Eigentümern und weiteren Akteuren, „um gezielt Impulse zu setzen“. Gefördert werden soll dabei ein ausgewogener Branchenmix, um die Attraktivität zu sichern und Leerstände zu vermeiden.
Innenstadt als Erlebnis- und Aufenthaltsort
Und hier versuchen Kommunen, Einfluss zu nehmen, um insbesondere die Rahmenbedingungen attraktiver zu gestalten. „Zum Beispiel durch gezielte Zwischennutzungen oder die Förderung bestimmter Branchen, um Leerstände zu vermeiden“, erklärt der VS-Citymanager. Die Förderung von Pop-Up-Stores hat die Stadt bereits umgesetzt, ebenso setzt man „auf Veranstaltungen und Events, um die Innenstadt als Erlebnis- und Aufenthaltsort zu stärken und mehr Frequenz zu schaffen“, so Herr.
Und der Citymanager betont: Es sei „eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten – von der Stadt über die Eigentümer bis hin zu den Gewerbetreibenden –, aktiv an einer lebendigen und vielfältigen Innenstadt zu arbeiten“.
Mietpreise
Datenlage
Es gibt laut Thomas Herr keine einheitliche Übersicht zu Vergleichsmieten für Gewerbeimmobilien in Villingen-Schwenningen, wie es sie etwa für Wohnraum gibt. Allerdings lasse sich aus den Erfahrungen von Maklern und Gewerbetreibenden ableiten, dass die Mieten – je nach Lage, Zustand und Größe der Immobilie – stark variieren.
Angaben
Aus den der Stadtverwaltung zur Verfügung stehenden Reporten von Drittanbietern liegen die Spitzenmieten für Einzelhandelsflächen in der 1a-Lage von Villingen-Schwenningen derzeit bei 26 Euro pro Quadratmeter, hierzu zählt auch das „Saveurs de France“. Die Durchschnittsmieten in diesen Lagen liegen bei 14,50 Euro pro Quadratmeter.