Jasmin Weimann führt seit einem Jahr das „Cafélino“ in der Balinger Innenstadt. Foto: Privat

Jasmin Weimann hat das „Cafélino“ inmitten der Eyachstadt vor genau einem Jahr übernommen. Was für sie ein gutes Café ausmacht und was sie dieses Jahr vorhat.

Die Geschichte ihrer Selbstständigkeit beginnt in der Pandemie. „Es war zu Corona-Zeiten, ich war zwei Wochen in Quarantäne“, erinnert sich Jasmin Weimann. Die studierte Sozialarbeiterin bestellte sich Bücher zum Thema Businessplan. Sich seinen Traum zu verwirklichen, ist oft ein Wagnis. Aber eines, das sich lohnt: Die Balingerin hat nie bereut, diesen Schritt gegangen zu sein.

 

Im Gegenteil: „Ich bin unglaublich froh, das hier machen zu können. Es macht mir so viel Spaß.“ Den Traum eines eigenen Cafés hatte die 37-Jährige schon als Jugendliche. Während ihres Abiturs sammelte sie in Haigerloch erste Gastronomieerfahrungen.

Einmalige Gelegenheit

2024 traf ihr Mut dann auf eine einmalige Gelegenheit. Die einstige Inhaberin des „Cafélino“ in der Ölbergstraße suchte eine Nachfolgerin. „Ich kannte das Café. Mir hat es schon damals sehr gefallen, auch vom Stil her“, sagt Weimann. „Ich dachte: Das ist meine Chance. Ich muss das jetzt umsetzen.“ Bereits im Februar 2024 stand das Konzept ihres eigenen Cafés. Eröffnet hat sie am 10. Januar vergangenen Jahres. Das einjährige Bestehen ihres Traumes feiert Weimann dieses Wochenende.

Gebacken und neue Rezepte ausprobiert habe sie schon immer, sagt die Inhaberin. Vor allem gesündere Alternativen zu Zucker, wie etwa Dattelsirup, und vegane Kreationen reizen sie. „Bewusste Ernährung hat in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt.“ Als ihr Vater seine Ernährung aus gesundheitlichen Gründen auf vegan umstellte, habe sie vieles über den Verzicht auf tierische Lebensmittel gelernt. Das Gelernte setzt sie heutzutage im „Cafélino“ um.

Vor der Eröffnung hat die Balingerin gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder einen Baristakurs bei Fabian Binder und Jannik Reiff von der Kaffeerösterei „Roastbears“ in Kirchentellinsfurt besucht. Von den beiden bezieht sie auch ihren Kaffee. „Wenn ich eine Frage habe, dann kann ich mich bis heute immer an sie wenden.“

Mittlerweile hat die Balingerin ein Team von zehn Mitarbeiterinnen

Weimann setzt auf Regionalität, Qualität und auf eine Mischung aus Klassikern und veganen Spezialitäten. Neben Donauwelle, Apfel- und Marmorkuchen bietet sie etwa vegane Tartes mit Nüssen und Datteln, Tiramisutorte und Herzhaftes wie belegte Brötchen sowie Dattel-Curry-Frischkäse an. Und seit Neuem steht „Zimtie-Matcha“ in schwungvollen Lettern auf der Tafel hinter der Theke. Geht dieses Konzept im eher konservativ geprägten Balingen auf? „Seit Tag eins“, bestätigt Weimann mit breitem Lächeln. „Und zwar querbeet. Von den jüngeren und älteren Gästen wird das super angenommen. Man merkt, dass viele Lust haben, Neues auszuprobieren.“

Mittlerweile hat die Balingerin ein Team von zehn Mitarbeiterinnen, in erster Linie Studentinnen. Das funktioniere gut und entlaste sie deutlich gegenüber den ersten Monaten. „Bis Ende Juni hatte ich noch meinen Job in Calw als Sozialarbeiterin.“ An den Wochenenden stand sie dann hinter der Theke in der Eyachstadt. Seit Herbst richtet sie ihren beruflichen Fokus uneingeschränkt auf das Café.

Zum Feier-Wochenende gibt es von Freitag bis Sonntag das beliebteste Cafélino-Gebäck: die Zimties von Jasmin Weimanns Mutter Beate. „Die sind immer super schnell weg.“ Die Einnahmen des Zimtgebäcks spendet die Inhaberin an die Palliativstation in Balingen. „Es ist wahnsinnig toll, was die Mitarbeitenden dort jeden Tag leisten.“ Als ihr an Krebs erkrankter Vater einige Tage auf der Station verbrachte, haben die Pflegekräfte die Familie in dieser schweren Zeit begleitet. Mit diesem Beitrag möchte sie ihre Wertschätzung ausdrücken.

Mehr Events geplant

Für dieses Jahr plant Weimann, mehr Events in der Ölbergstraße anzubieten. Etwa einen Nachmittag zu ätherischen Ölen und einen Makramee-Workshop.

Zum Schluss bleibt eine Frage: Was macht für Jasmin Weimann ein gutes Café aus? Die 37-Jährige überlegt einen Moment. Dann holt sie aus: „Herzlichkeit. Die Gäste sollen sich wohlfühlen. Eine kleine Auszeit vom Alltag genießen können.“ Und: „Guter Kaffee ist natürlich wichtig, eine gute Auswahl an Kuchen, natürliche Zutaten. Auch Menschen mit Unverträglichkeiten sollen genügend Auswahl haben. Und das Ganze ohne Schnickschnack.“ Getreu dem Credo des „Cafélino“ eben: „simply live“.