Sein Vater war CDU-Politiker: SAP-Chef Christian Klein, 46 Foto: dpa

Christian Klein unterstützt ein Unternehmerbündnis um den CDU-Spitzenkandidaten. Dabei hat sein Konzern strenge Regeln für politisches Engagement. Wie passt das zusammen?

Es sollte wohl nach einem überparteilichen Bündnis klingen, als Manuel Hagel neulich die „BW-Wachstumsallianz“ präsentierte. Gemeinsam wollten Politik und Wirtschaft dafür sorgen, dass das Land wieder spitze werde. Die Plattform bündele dafür erstmals „alle relevanten Kräfte“, betonte der CDU-Spitzenkandidat und gelobte, er werde das „Comeback“ des Wirtschaftsstandorts als Ministerpräsident „zur absoluten Chefsache machen“.

 

Auf der Bühne im Haus der CDU-Landesgeschäftsstelle standen freilich alleine CDU-Fans: neben Hagel die Wirtschaftsministerinnen Katharina Reiche (Bund) und Nicole Hoffmeister-Kraut (Land). Die einzige Unternehmerin, Bonita Grupp, outete sich ebenfalls als Anhängerin des CDU-Vormanns: „Auch ich gebe Manuel Hagel meine Stimme.“ Die weiteren 13 „Erstunterzeichner“ waren auf der an die Journalisten verteilten Erklärung aufgeführt – darunter der Bohrmaschinenbauer Martin Herrenknecht, der Dübel-Unternehmer Klaus Fischer oder der Gründer des Vorzeige-Startups Flip, Benedikt Brand.

Der SAP-Chef firmiert als „Unternehmer“ – ist er das?

Ein Name aber stach hervor aus der Liste: „Christian Klein, Unternehmer“. Handelte es sich da um eine Namensgleichheit oder tatsächlich um den Chef des Walldorfer Softwarekonzerns SAP? Der 46-jährige Topmanager braucht in seinem Job fraglos unternehmerische Qualitäten. Doch er ist eigentlich kein Unternehmer, sondern ein vertraglich angestellter Vorstand; erst vor einem knappen Jahr erhielt er eine Verlängerung bis 2030. Als eigenes Unternehmen könnte er die Klein Vermögensverwaltung KG vorweisen, die angesichts der Rekordvergütung von SAP nicht unerhebliche Beträge bewegen dürfte. Gut 16 Millionen Euro erhielt er dank hoher Boni für 2025, im Jahr davor waren es sogar rund 19 Millionen Euro. In der Firma ist Klein persönlich haftender Gesellschafter, seine fünf- und achtjährigen Kinder sind neuerdings Kommanditisten.

Doch, wurde auf Nachfrage versichert, es handele sich wirklich um den SAP-Chef. In dieser Funktion wollte Klein aber wohl nicht aufscheinen, denn politische Bekenntnisse sind für Vorstandschefs heikel – zumal bei dem neben Siemens wertvollsten deutschen Konzern. Erst kürzlich hatte sich Klein in einem Podcast zur AfD geäußert. Für ausländische Fachkräfte, die man auch in Zukunft brauche, wären deren Positionen zur Migration ein „fatales Zeichen“. Zugleich zeigte er sich „frustriert“ über die Bürokratie und die schleppende Digitalisierung. Da müssten sich die etablierten Parteien zusammenraufen, auch mal das Trennende vergessen und Deutschland gemeinsam voranbringen.

SAP-Kodex erlaubt politische Aktivitäten nur privat

Etwas Anderes ist freilich die indirekte Wahlkampf-Unterstützung für Manuel Hagel und die Südwest-CDU. Im Compliance-Kodex von SAP finden sich für solche Fälle eigentlich klare Vorgaben. „Du musst sicherstellen“, heißt es da, „dass deine politischen Aktivitäten ausschließlich deine persönlichen Ansichten widerspiegeln und nicht den Eindruck erwecken, dass sie in irgendeiner Weise mit SAP in Verbindung stehen.“ Mit der Bezeichnung „Unternehmer“ wollte Klein offenkundig deutlich machen, dass er sich als Privatmann äußere. Doch das dürfte bei einem derart wichtigen Wirtschaftsführer schwierig sein: Wann immer sich Klein öffentlich zu Wort meldet, wird er auch als SAP-Chef wahrgenommen.

Eine gewisse Nähe zur CDU gibt es bei dem SAP-Vormann schon familiär: Sein Vater Karl Klein (70) war nicht nur lange Bürgermeister der Kraichgau-Gemeinde Mühlhausen, wo heute der Sohn mit seiner Familie wohnt, sondern saß von 2006 bis 2021 für die CDU auch im Stuttgarter Landtag. Dort war er zeitweise Vorsitzender des wichtigen Finanz- und Wirtschaftsausschusses und wurde über Parteigrenzen hinweg hoch geschätzt, als kundiger und zugewandter Pragmatiker. Auch deshalb war Klein junior in CDU-Kreisen stets willkommen – und trat dort immer wieder auf, schon vor seiner Beförderung an die SAP-Spitze.

Bei der CDU ist Klein ein gern gesehener Gast

Als der CDU-Bundesvorstand 2024 in Heidelberg tagte, war als Externer auch Christian Klein dort zu Gast. Ein Foto zeigt ihn mit Parteichef Friedrich Merz als aufmerksamem Zuhörer, daneben Generalsekretär Carsten Linnemann. Laut Parteibericht votierte er unter anderem eindringlich für ein eigenständiges Digitalministerium – ein Wunsch, den Merz als Kanzler inzwischen erhört hat. „SAP-CEO Christian Klein ist im Linnemann-Team ,Einfach mal machen!‘“, meldete die CDU stolz.

Andere von ihm referierte Forderungen gehen in die gleiche Richtung wie jene der „BW-Wachstumsallianz“: mehr Tempo, weniger Bedenken. Aber auch zu Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat der SAP-Chef einen direkten Gesprächskontakt. Die Landespolitik dürfte für den Weltkonzern indes nur begrenzte Relevanz haben.

Von SAP gibt es auf die Fragen nach Kleins Verhältnis zur CDU und seinem Einsatz für die Hagel-Initiative nur eine allgemeine Erklärung. Der Vorstandschef habe sich „in der Vergangenheit wiederholt grundsätzlich zu den Rahmenbedingungen geäußert, die aus seiner Sicht für wirtschaftliches Wachstum, Innovationsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig sind“. „Solche Beiträge verstehen wir als Teil eines öffentlichen Diskurses über Standort- und Zukunftsfragen.“ Und weiter wörtlich: „Zur privaten Einordnung einzelner Initiativen, Veranstaltungen oder persönlicher politischer Präferenzen äußert sich SAP grundsätzlich nicht.“