Wie hat sich die Bad Wildbader Innenstadt im Lauf der Jahre verändert? In unserer Serie "BW von oben" stellen wir aktuelle Luftbilder denen aus dem Jahr 1968 gegenüber. Und die zeigen viele Veränderungen, gerade in Wildbad aber auch viel Vertrautes.
Bad Wildbad - Der Überfall "im Wildbad" auf den Grafen Eberhard im Jahr 1367 belegt, dass der Ort schon vor 655 Jahren zum heilenden Bade einlud. Durch Funde im Untergrund nahe des ab 1882 entstandenen König-Karls-Bades ist bekannt, dass das warme zwischen Granit und Rotliegendem aus der Tiefe hervordringende Thermalwasser dort am Urquell sogar schon ein Jahrhundert zuvor genutzt wurde.
Im Lauf der Zeiten hat sich das Bild der Stadt immer wieder verändert. Rasant war die Entwicklung der Innenstadt seit 1968, wie die vergleichenden Luftbilder zeigen.
Das Gesicht der Stadt verändert sich gleich durch mehrere Brände
In den alten Zeiten veränderten Großbrände das Gesicht der Stadt. Gleich sechs solche sind aus den Jahren 1367, 1464, 1509, 1525, 1645 und zuletzt 1742 dokumentiert. Der letzte vernichtete praktisch die ganze Innenstadt. 127 Häuser, 24 Scheunen, die Schickhardt’sche Kirche aus dem Jahr 1662 und die Bäder wurden ein Fraß der Flammen. Ein planmäßiger Neuaufbau nach den Bedürfnissen der damaligen Zeit folgte. Erneuerung, Modernisierung und Ausbau sind die Schlagworte, welche die Hintergründe der stetigen Veränderungen vor allem der Nachkriegszeit umreißen, die in diesem Rahmen nur gestreift werden können.
Viele trauern bis heute der alten, gusseisernen und verglasten Trinkhalle nach, die um 1960 rund 80 Jahre nach ihrer Errichtung abgerissen wurde. Sie stand dort, wo sich heute die Endhaltestelle der S-Bahn am Kurpark befindet. Während der lange Bau neben der Großen Enz auf den Luftbildern nicht mehr zu sehen ist, ist auf der anderen Flussseite 1968 noch das Katharinenstift zu finden. Das "Badhaus für Arme Landeskinder" hatte König Wilhelm I. per Dekret – in Erinnerung an seine wohltätige zweite Frau, Königin Katharina – 1825 in Auftrag gegeben. Daraus wurde 1870 das neue Katharinenstift. Dieses hatte nach seiner Fertigstellung zunächst als Lazarett für Verwundete des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 zu dienen.
Katharinenstift muss dem Neuen Eberhardsbad weichen
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus dem Katharinenstift das ab 1934 so benannte "Staatliche Rheumakrankenhaus". Als zwischen 1971 und 1977 bei und auf dessen Platz das Neue Eberhardsbad gebaut wurde, erfolgte der Umzug von der rechten auf die linke Seite der Großen Enz in einen Neubau hinter dem König-Karls-Bad. Daneben ist zum Entstehungszeitpunkt des Fotos von 1968 das Hotel Klumpp entlang der König-Karl-Straße offenbar frisch abgebrochen und das Baufeld für den Neubau des inzwischen wieder verschwundenen Verwaltungsgebäudes der Staatlichen Kurverwaltung mit Verkehrsbüro, Buchhandlung und Postamt geräumt.
Schon zu erkennen ist auf der Aufnahme von 1968 die "Chirurgische Privatklinik Dr. Bätzner" oberhalb der Olgastraße, die 1967 in Betrieb ging. Ab 1976 gehörte diese zur Sana-Klinikgruppe, die 2009 ihr Domizil in den Neubau neben und hinter dem Forum König-Karls-Bad verlegte und inzwischen geschlossen hat. Auf beiden Bildern erkennbar ist die das ehemalige "U-Bad" ersetzende Vital Therme mit ihrem Freibecken und den Schwimm- und Liegehallen sowie Büroräumen aus dem Jahr 1965. Das Kurhaus unterhalb vom Thermalbad wurde 1910 eingeweiht.
Aber die Aufnahmen zeigen nicht nur den Wandel, sondern teils auch Konstanz. So ist als ins Auge fallender, gefälliger historischer Bau aus den Jahren 1840 bis 1847 das nach Plänen von Nikolaus von Thouret entstandene "Große Badgebäude" als heute wichtiger Teil des Palais Thermal nicht zu übersehen. Mit den verbliebenen, überwiegend als Hotel Rossini genutzten Hotelbauten und der evangelischen Stadtkirche aus dem Jahr 1748 umrahmt dieses den Kurplatz. Im Kurpark stehen nah beieinander die katholische, 1877 eingeweihte Kirche St. Bonifatius, die von den Bürgern in Fördervereinen getragenen und mit der Stadt gemeinsam vor staatlicher Abbruchwut geretteten Bauten Königliches Kurtheater aus dem Jahr 1864 und Neue Trinkhalle von 1934. Die heutige Reha-Einrichtung Quellenhof entstand aus dem gleichnamigen Hotel, das zuvor unter dem Namen Bellevue betrieben und 1839/40 erbaut wurde.