Mit etwas mehr als 800 Einwohnern ist Brigach heute der drittgrößte Stadtteil St. Georgens. Doch eine Aufnahme aus dem Jahr 1968 zeigt, dass die damals eigenständige Gemeinde bis vor ein paar Jahrzehnten noch ein ganz anderes Bild abgab.
St. Georgen-Brigach - Deutlicher könnte die Veränderung kaum sein: Wo auf dem Luftbild von 1968 nur eine überschaubare Zahl von Häusern im Umfeld der heutigen Landesstraße 175 stehen, zeigt die aktuelle Aufnahme Brigach so, wie man den St. Georgener Stadtteil mittlerweile bereits seit einiger Zeit kennt: Gebäude säumen nicht nur die L 175, sondern auch die Straßen der beiden Baugebiete – "Im Nest" nördlich und "Im Kloster" südlich der Durchgangsstraße. Wie diese aus der Vogelperspektive augenfällige Entwicklung zustande kam, zeigt ein Blick in die jüngere Ortsgeschichte.
Bebauungsplan "Im Kloster" entsteht früh
Den Grundstein für das Wachstum legte die damals noch eigenständige Gemeinde Brigach bereits in den 1960er-Jahren, als sich die Gelegenheit bot, mehrere Bebauungspläne aufzustellen. Einer betraf einen Teil des Bereichs, in dem man heute das Baugebiet "Im Kloster" findet. Der andere betraf einen Teil der heutigen Mattenstraße.
Auf der Luftaufnahme von 1968 ist zu erkennen, dass der Bebauungsplan für den südwestlichen Teil der Mattenstraße recht schnell nach seiner Aufstellung in die Tat umgesetzt wurde. Als das Bild entstand, war hier schon eine Reihe von Häusern entstanden – nahezu die einzige zusammenhängende und recht dichte Bebauung, die es zu dieser Zeit in Brigach gab. Noch ganz neu sind auf der Luftaufnahme von 1968 auch das örtliche Lehrer- und Feuerwehrgerätehaus. Beide wurden in den Jahren 1966 bis 1968 erbaut.
Rege Bautätigkeit "Im Nest"
Auch in den Folgejahren brach die Bautätigkeit im Bereich der Mattenstraße nicht ab: In den Jahren 1968 und 1969 wurde der Bebauungsplan erweitert, ein Grundstückskauf vollzogen und die Bebauung des nordöstlichen Teils der Mattenstraße in Angriff genommen. Hier entstand auch ein kleines Gewerbegebiet.
Der Bebauungsplan für den Bereich, den man heute als "Im Kloster" kennt, ruhte derweil – und das sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben, denn zunächst breitete Brigach sich weiter nördlich der L 175 aus. 1970 wurde der Bebauungsplanentwurf für das Gebiet "Im Nest", das durch den Ginsterweg erschlossen ist, in Auftrag gegeben.
Brigach wird zum St. Georgener Stadtteil
Einen Einschnitt in die Brigacher Ortsgeschichte stellte der 1. Januar 1972 dar, als die vormals eigenständige Gemeinde, die mittlerweile auf rund 700 Einwohner angewachsen war, ein Stadtteil von St. Georgen wurde. Brigach hatte sich als erster der heutigen St. Georgener Stadtteile für die Eingemeindung und gegen den Erhalt der Selbstständigkeit entschieden – eine Wahl, die vielen nicht leicht fiel, sich in den folgenden Jahren allerdings durch einige größere bauliche Projekte positiv bemerkbar machte. Denn die Stadt St. Georgen hatte sich in einem Vertrag verpflichtet, in den auf die Eingemeindung folgenden neun Jahren 1,6 Millionen Deutsche Mark in Brigach zu investieren.
Die Folge war in den kommenden Jahren ein umfangreiches Wegebauprogramm. Darüber hinaus wurde in Brigach ein eigener Kindergarten eingerichtet. Und das Baugebiet "Im Nest" wurde um einen zweiten Abschnitt erweitert. Bis 1985 war die Bebauung in diesem Bereich abgeschlossen. Den Schlusspunkt bildete die Einweihung des Brigachhauses, das in den Jahren 1984 und 1985 am südwestlichen Ende des Gebiets "Im Nest" errichtet wurde.
Nach 30 Jahren wird der Plan realisiert
Einige Jahre lang fanden in Brigach keine größeren Bebauungs- und Erschließungsmaßnahmen mehr statt. Doch das änderte sich recht schnell wieder: Anfang der 1990er-Jahre richteten sich die Augen der Verantwortlichen wieder auf den bereits 1961 aufgestellten, bis dato aber noch nicht verwirklichten Bebauungsplan "Im Kloster".
Der Plan wurde noch einmal abgeändert und im Juni 1991 vom St. Georgener Gemeinderat beschlossen. 1992 wurden die Erschließungsarbeiten durchgeführt, sodass man noch im Herbst desselben Jahres mit der Bebauung des ersten Abschnitts beginnen konnte. Ab 1993 herrschte in dem Gebiet rege Bautätigkeit. Mehr als 30 Jahre nach seiner Erstellung wurde der Bebauungsplan "Im Kloster" damit endlich in die Tat umgesetzt – und Brigach erlebte seinen zweiten Wachstumsschub.
Einige Jahre später folgte "Im Kloster" dann der zweite Bauabschnitt: Die nötigen Flächen hatte die Stadt im Jahr 1995 erworben, wegen der hohen Nachfrage nach Bauplätzen stellte man 1997 19 Stück im Gebiet zwischen der Straße "Im Kloster" und der Oberkirnacher Straße zur Verfügung. Die Bauplätze in diesem Bereich sind längst vergriffen; der Stadtteil hat seine maximale Ausdehnung in diese Richtung erreicht. Dass es hier noch vor wenigen Jahrzehnten kaum ein Haus gab – daran erinnert heute nichts mehr.