Die Luftbilder zeigen im Vergleich, dass die Felder im Jahr 1968 kleinteiliger gewesen sind. Die Domäne Waldhof von oben einst... Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-16469 & 16470

Walter Konzelmann aus Truchtelfingen ist heute 81 Jahre alt. Mitte der 1950er-Jahre war er Lehrling auf dem Häsenbühlhof, in unmittelbarer Nähe zur Staatsdomäne Waldhof, deren künftige Verwendung viele Menschen im Zollernalbkreis bewegt.

Geislingen/Rosenfeld - Walter Konzelmann hat den Waldhof bei Geislingen in einer wichtigen Zeit erlebt: In den 1950er-Jahren war die Landwirtschaft kleinteiliger als heute und hatte einen hohen Stellenwert für die Ernährung der deutschen Bevölkerung.

Lehre zum Landwirtschaftsmeister

Konzelmann leistete seinen Beitrag dazu: Vom 1. Mai 1956 bis zum 30. April 1957 absolvierte er das dritte Lehrjahr seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister auf dem Häsenbühlhof (Gemeinde Isingen). Dessen Äcker, die damals von Wilhelm Frommer bewirtschaftet wurden (heute von Tobias Rumpel), grenzen unmittelbar an die Flächen des Waldhofs.

"Wir hatten Kost und Wohnung auf dem Hof, somit waren wir fast die ganze Zeit anwesend. Es war eine schöne Zeit", erinnert sich der Truchtelfinger.

So sah der Waldhof 1968 aus - zwei Jahre vor der Übernahme durch den Sohn des Pächters:

Geografische Daten im Berichtsheft der Lehrlinge

In ihrer knappen Freizeit erkundeten er und ein zweiter Lehrling zu Fuß die nähere Umgebung: "Wir mussten auch in unserem Berichtsheft die geografische Lage unseres Lehrbetriebs genau dokumentieren. Die Aufschriebe habe ich heute noch." Und daher kann er genau belegen, wie es damals auf dem nahen Waldhof aussah.

Dieser war zu der Zeit noch eine fürstliche Domäne. "Eigentümer war die Familie von Stauffenberg mit Sitz im Schloss in Geislingen", erinnert sich Konzelmann. Das, findet er, sehe man auch heute noch dem Wohnhaus gleich neben dem Tor zur Straße an, das herrschaftlich wirke.

Familie Gindele hatte den Waldhof gepachtet

Pächter des Waldhofs war in den 1950er-Jahren die Familie von Alfons Gindele, der damals drei Lehrlinge hatte. 1970 hat dessen Sohn Hartmut den Betrieb übernommen und die Schweinezucht bis 2018 fortgeführt. Der Plan, dass nach ihm seine Tochter Nicola den Waldhof übernehmen sollte, scheiterte – wie man heute weiß daran, dass das Land Baden-Württemberg die Domäne als Verfügungsmasse in der Hinterhand behalten wollte.

Seither stehen die Gebäude leer und sind mit Vorhängeschlössern gesichert. Die Felder drum herum werden jeweils für ein Jahr verpachtet, derzeit an den Dormettinger Lindenhof von Ulrich Steimle.

Abends kam oft nur Luft aus der Wasserleitung

Auch zum Wasserturm an der Straße zwischen Waldhof und Häsenbühl weiß der Zeitzeuge etwas zu berichten: Dieser wurde Ende der 1950er-Jahre gebaut, um auf der Hochfläche die Wasserversorgung von Mensch und Vieh sicherzustellen. "Wir haben genügend Wasser vom Brunnen in den Kuhstall geschleppt, wenn am frühen Abend aus der Leitung nur Luft gekommen ist, weil die Bürger von Geislingen ihre Wasserhähne aufgedreht haben", erinnert Konzelmann sich.

Kurioserweise war zuviel Wasser aber ebenfalls ein Problem für die Landwirte: "Da sich unter der Ackerkrume wasserundurchlässiger Schwarzschiefer befindet, wurden die Flächen drainiert, um sie vor Staunässe zu bewahren." Angesichts dessen sorgt sich Konzelmann: Wenn für die geplante Start- und Landebahn des KSK Erdbewegungen notwendig werden, könnten Sammelleitungen zerstört werden, sodass das Wasser nicht mehr abfließe und sich auf den Feldern staue.

Fluggeräusche bis nach Balingen und Geislingen zu hören

Walter Konzelmann ist vom landwirtschaftlichen Fach und sieht das Versprechen skeptisch, dass von dem Absetzgelände betroffene Landwirte Ausgleichsflächen erhalten sollen: "Wo sollen diese Flächen denn herkommen?"

Die Lage der mindestens 14, auch heute noch bewirtschafteten Bauernhöfe rings um den Waldhof kennt der Zeitzeuge gut. Er weiß, dass auf den Feldern am Häsenbühl meist Westwind herrscht – und was das bedeuten würde, falls durchschnittlich jeden dritten Tag Flugbetrieb auf dem Übungsgelände wäre: "Dann werden die Geislinger und Balinger Bürger vom ›leisen, beständigen Brummen‹ etwas abbekommen!"

"Erhalten Sie dieses Kleinod!"

Auch deshalb appelliert er dafür, den Waldhof für den Ackerbau nicht aufzugeben: "Jetzt sind alle gewählten Vertreter im Bund, im Land, in den Städten und Gemeinden mit den Ortschaftsräten und Bürgern gefordert, dafür zu kämpfen, dieses Kleinod zu erhalten."