Wo 1968 noch eine freie Fläche war, ragt heute ein spektakulärer Holzbau empor: Das Besucherzentrum war nicht minder umstritten als der Nationalpark Schwarzwald selbst und schaffte es sogar ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds.
Baiersbronn/Ruhestein - Auf dem Ruhestein ragt ein großes Holzgebäude in den Schwarzwald. Eine Brücke führt von dem Bau ab, hinein in die Baumwipfel des Nationalparks. 1968 sah es hier noch ganz anders aus. Die Vegetation war nicht annähernd so üppig, die Bäume jung und weit weniger groß. Der spätere Standort des Holzbaus war aber schon gut zu erkennen.
Das Herz des Waldes
Seit 2014 hat der Nationalpark Schwarzwald, der erste und bislang einzige Nationalpark im Südwesten, Bestand. Das Herz bildet mittlerweile das Nationalparkzentrum auf dem Ruhestein, das man auf den aktuellen Satellitenbildern sehen kann. Auf rund 3000 Quadratmetern - verteilt über vier Stockwerke - finden sich hier Seminarräume, eine Gastronomie, ein Filmvorführraum und Ausstellungsräume mit genügend Fläche für eine Dauerausstellung und weitere wechselnde Ausstellungen.
2020 wurde das Gebäude feierlich in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an den Nationalpark übergeben. Kretschmann bezeichnete den Bau aus Holz, Stahl und Glas damals als „architektonisches Glanzstück“. Die Übergabe fand unter Corona-Bedingungen statt und wurde in einem Livestream übertragen.
Blick aus verschiedenen Perspektiven
Das Publikum musste sich jedoch noch gedulden. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Eröffnung mehrfach verschoben. Erst 2021 wurde das Nationalparkzentrum für den Publikumsverkehr geöffnet. Auf drei der vier Ebenen werfen Besucher einen Blick auf die Natur von der Luft und vom Boden aus, um dann hinabzusteigen ins dunkle Erdreich, um den Wald auch von unten kennenzulernen.
Ein Höhepunkt des Besucherzentrums ist die „Brücke der Wildnis“, ein Skywalk aus Holz und Stahl, der den Besuchern einen Blick in den Wald aus einer einzigartigen Perspektive ermöglicht: von oben. Die Brücke ist auf den Satellitenbildern gut zu erkennen, an ihrem Ende findet sich ein Turm mit Aussichtsplattform, die einen Ausblick auf den Nationalpark bietet.
Kritik am Bauprojekt
Bau und Planung des Baus hatten 2015 begonnen. In einem zweiphasigen Wettbewerb, ausgelobt vom Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Pforzheim, stimmte eine international besetzte Jury am Ende einstimmig für den Entwurf, der sich durch seine Holzbauweise harmonisch in den umgebenden Wald einfügen soll. Diese Harmonie begleitete den Bau allerdings nicht immer. Zwischenzeitlich stand im Raum, dass das Holz für den Bau nicht aus heimischen Wäldern stammen werde.
Das zog Kritik nach sich und führte schließlich zum Umdenken. Letztlich wurde das Besucherzentrum doch zum allergrößten Teil aus heimischen Hölzern, vor allem Fichte, gebaut.
Auch finanziell lief nicht alles nach Plan. Statt der ursprünglich geplanten 25,5 Millionen Euro lagen die Kosten letztendlich deutlich über 30 Millionen Euro. 2019 schaffte das Besucherzentrum es deswegen sogar ins Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler (BdSt).
Auch heute noch scheiden sich die Geister an dem Millionenprojekt. Visionäre Architektur oder Steuergeldverschwendung? Das muss jeder selbst entscheiden. Allemal bietet das Zentrum seinen Besuchern eine Einblick in ein einmaliges Ökosystem.