Hausen ob Rottweil und Umgebung in der Gegenwart. Die Flurbereinigung Rottweil (B 14) ist längst Geschichte. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-15336

Wer glaubt, Umweltschutz sei eine Erfindung des 21. Jahrhunderts, der irrt. Bereits zu Zeiten der Flurbereinigung hat sich Johannes Haug um Biotope gekümmert.

Rottweil/Hausen ob Rottweil - Johannes Haug saß in den Jahren nach 1980 in gewisser Weise direkt an einer Schaltstelle: im damaligen Flurbereinigungsamt. Mit Luftbildern kennt sich der Rottweiler bestens aus, gehörten diese doch all die Jahre zu seinen Arbeitsgrundlagen. Und diese waren nicht wenige.

Mit der vereinfachten Flurbereinigung Rottweil (B14) ist er "sehr zufrieden". Dieses Verfahren habe gut 20 Jahre gedauert. Als wichtig beschreibt er den Umstand, mit den Menschen, die betroffen waren, zu sprechen. Positiv war, dass sich der Verwaltungsgerichtshof Mannheim, die höchste Instanz, nicht damit beschäftigen musste.

Im Rahmen des Möglichen

Zieht er einen Vergleich mit dem Damals und dem Heute, kommt er zu einem eindeutigen Ergebnis: "In den Flächen zwischen Hausen ob Rottweil und der neu gebauten Umgehungsstraße B 14/B 27 wurden im Rahmen der Flurneuordnung Rottweil (B 14) viele Bepflanzungen und Feuchtbiotope angelegt. Es gab dort vor der Flurbereinigung nur wenige Biotope."

Johannes Haug, der sich seit Jahren aktiv im AK Klimaschutz einbringt, erwähnt als Beispiel drei Feuchtbiotope, vernässte Flächen, die neben anderen Vorteilen hilfreich bei der Hochwasserentlastung seien. Umweltschutz sei damals in den 80er- und 90er-Jahren eines der Ziele gewesen, so Haug. Er habe der Ökologie im Rahmen des Möglichen Beachtung geschenkt.

Viele Landschaftselemente bereichern mittlerweile die Natur: Bachrandbepflanzungen und Büsche. Aber auch das Herausnehmen von Flächen aus der Bewirtschaftung lässt sich in diese Kategorie einordnen.

Obstbaumlehrpfad erfreut

Ein dicker Pluspunkt des Tuns vor allem "seines" Amtes war der Obstbaumlehrpfad Rottenmünster. Er wurde 1996 angelegt und schließt die Pflanz- und Biotopgestaltungsmaßnahmen in der Flurbereinigung Rottweil (B 14) ab. "In diesem Flurneuordnungsverfahren haben die Belange der Landschaftspflege eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Gepflanzt wurden 130 Laubbäume, 160 Obstbäume sowie zahlreiche Hecken und Gehölzgruppen mit rund 5000 Sträuchern", lautete das Ergebnis.

Wer mitgemacht hat

Beteiligt waren bis 1996 das Amt für Flurneuordnung und Landentwicklung Rottweil, das Landesamt für Flurneuordnung und Landentwicklung Baden-Württemberg, die Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Rottweil (B 14), die Verwaltung des Krankenhauses Rottenmünster, die Beratungsstelle für Gartenbau und Grünordnung beim Landratsamt Rottweil, die Stadt Rottweil und der Obst- und Gartenbauverein Rottweil. Der Lehrpfad startete mit 33 verschiedenen Sorten von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen.

Die Flurbereinigung Rottweil (B 14) hat mit den Feuchtflächen und den Pflanzungen ein Biotopband geschaffen, das sich entlang des Klosterbachtals von Hausen im Westen bis zum Obstbaumlehrpfad im Osten erstreckt.

Doch nicht nur der Bereich von Hausen bis zur Umgehungsstraße gehörte zu Haugs Revier. Da das Amt einst drei Landkreise betreut hatte (Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar) und auch Teile des Zollernalbkreises sind ihm weitere Flächen mit Besonderheiten gut in Erinnerung. Auf Leidringer Markung ist es das "Nemerds"- Ländle, eine kleine Fläche in der Mitte vierer Gewanne, die quasi übrig blieb und durch die Flurstruktur nicht mehr zu bewirtschaften war.

Auf Gemarkung Schura liefen damals zwölf Flurstücke auf einen Punkt zu. Ein pittoreskes Bild. Apropos Bild. Frederick Bunsen, verwandt mit dem bekannten Bunsen, inspirierte eine Besitzstandskarte von Weigheim-Schura zu einem Kunstwerk. Etwas, das Johannes Haug in Ehren hält.