Die Gemeinde Ringsheim – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2018 – hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in alle Richtungen weiterentwickelt. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

Bis 1969 wurde in Ringsheim Eisenerz abgebaut. Bis in die 1960er-Jahre bauten viele Landwirte Tabak an. Heute ist der Tourismus ein wichtiges Standbein der Gemeinde. Im vergangenen Juli zählte Ringsheim erstmals mehr als 2500 Einwohner.

Ringsheim - Die Entwicklung der Gemeinde Ringsheim hängt zu einem wesentlichen Teil mit dem Erzbergbau der Grube Kahlenberg zusammen. Schon die Kelten bauten dort Eisenerz ab. Der intensive Abbau der Lagerstätten erfolgte jedoch erst im letzten Jahrhundert. Zwischen 1937 und 1969 wurden insgesamt 15 Millionen Tonnen Eisenerz Über- und Untertage gewonnen. Noch heute weist eine bräunlich rote Erde auf den westlich gelegenen Ackerflächen am Fuße des Berges auf den Erzabbau hin. Wegen geringem Eisengehalt wurde 1969 der Bergbau in Ringsheim eingestellt.

Grube sollte mit Abfall verfüllt werden

Auf die Schließung der Erzgrube folgte der Beschluss, die ehemalige Grube mit Müll aus den Landkreisen Lahr, heute Ortenau und Emmendingen, zu verfüllen. Ludwig Greber, von 1969 bis 1985 Bürgermeister von Ringsheim, leistete zusammen mit Bürgern erheblichen verbalen Widerstand, am Ende erfolglos, die Deponie nahm im Jahre 1973 den Betrieb auf.

Heute betreibt der Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK) eine der modernsten Abfallbehandlungsanlagen (MBA). Inzwischen profitieren viele Ringsheimer von der Fernwärme aus der Deponie.

Für die Ringsheimer Landwirte steht der Berg schon immer zu großen Teilen Winzern im Haupt- und Nebenerwerb als Weinanbaufläche zur Verfügung. Noch in den 1960er-Jahren war der Tabakanbau ein weiteres Standbein für Landwirte. Zwei Tabakschöpfe erinnern noch an die Tabakkultur in Ringsheim mit einstmals mehreren Zigarrenfabriken.

Erhalt der Selbstständigkeit wurde hart erkämpft

In der 16-jährigen Amtszeit von Ludwig Greber wurde die Infrastruktur von Ringsheim weiterentwickelt. Die Erhaltung der Selbstständigkeit von Ringsheim zu Zeiten der Gemeindereform in den 1970er-Jahren wurde erkämpft, man wollte unabhängig bleiben. In der 32-jährigen Amtszeit von Bürgermeister Heinrich Dixa wurden die Wohn- und Gewerbegebiete Unterfeld, Limbach und Leimenfeld ausgewiesen. In seiner Amtszeit wurde die Kahlenberghalle, für den Ringsheimer Hallensport gebaut. Die alte Turnhalle wurde zum Bürgerhaus umgebaut.

Altbürgermeister Heinrich Dixa erinnert sich: "Der Ort selbst war geprägt durch betonierte Straßen und Plätze, aber kaum Grünflächen." Nach und nach seien jedoch Grünflächen im Ort entstanden. Frühzeitig habe man erkannt, dass der Europa-Park enorme Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Inzwischen ist Ringsheim ein touristisches Ziel geworden und die Weitsicht im Bereich der Wasserversorgung werde auch kommenden Generationen zu Gute kommen, sagte Dixa rückblickend.

Seit 2017 ist Pascal Weber Bürgermeister von Ringsheim und er hat in seiner rund fünfjährigen Amtszeit bereits wichtige Projekte in Angriff genommen. Mit dem neuen Wohnbaugebiet Europafeld I nördlich von Ringsheim wird bezahlbarer Wohnraum besonders für junge Familien geschaffen.

Gemeinde liegt verkehrsgünstig an der Autobahn

Die Ansiedlung von mittelständischen Betrieben in der Gemeinde war erklärtes Ziel von Weber. Derzeit ist die Nachfrage nach zusätzlichen Gewerbeflächen im Leimenfeld III, südlich der Gemeinde, groß. Viele Baukräne im Süden und Norden zeigen, dass sich Ringsheim in viele Richtungen positiv entwickelt.

Es gibt genügend Gründe, um in Ringsheim von einem Standortvorteil zu sprechen. Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig direkt an der Autobahn A 5. Mit dem Bau der neuen Anschlussstelle Rust/Ringsheim im Jahre 2002 und der Erweiterung 2020, wurde den hohen Besucherzahlen im Europa-Park Rechnung getragen, wovon auch Ringsheim profitiert. Nur fünf Kilometer von der Tourismusmetropole Rust entfernt, hat sich auch Ringsheim im Schatten von Rust zu einer Tourismusgemeinde entwickelt. Davon zeugen inzwischen eine große Zahl von Hotels im Westen von Ringsheim, weitere sind in Planung.

Mit dem geplanten Ausbau der Rheintalstrecke auf vier Gleise, einhergehend mit der Verlegung der Güterzuggleise an die Autobahn, erhofft sich Weber eine enorme Aufwertung, nicht nur für den Bahnhof Ringsheim, sondern für die ganze Gemeinde. In Ringsheim sollen einmal Parkbesucher aus dem ICE aussteigen können, so das Ziel von Weber.

Ringsheim hat heute 2553 Einwohner

In die 32-jährige Amtszeit von Dixa fiel der Bau der B 3-Ortsumfahrung westlich der Bahnlinie, die die Ortsdurchfahrt stark entlastete. In seiner noch jungen Amtszeit hat auch Pascal Weber bereits größere Projekte angestoßen und umgesetzt. Ein neuer Bauhof ist gerade im Bau und das Großprojekt Feuerwehrhaus kann nun südlich der Kahlenberghalle entstehen.

Schon immer wird in Ringsheim das Ehrenamt großgeschrieben. Die Vereinsstruktur ist intakt, was sich seit vielen Jahren beim jährlichen Wein- und Gassenfest zeigt. Weber ist für neue Ideen und Entwicklungen offen. So hat er bei einem Jugendhearing die Wünsche der Jugend außerhalb des Vereinsgeschehens erfragt. Heute zählt die Gemeinde Ringsheim mehr als 2500 Einwohner.