Das ortstypische Bild erhalten – das ist den Einwohnern von Mühlhausen von jeher ein Anliegen. Dennoch hat sich auch in dem kleinen Ort seit 1968 einiges verändert.
VS-Mühlhausen - Mit einem großen Wandel brüsten? Das passt nicht zu Mühlhausen. Wilfried Leibold vom Freundeskreis Dorf Mühlhausen ist ein Verfechter des Erhalts des historischen Dorfkerns: "Dort hat sich nicht viel getan – eine grüne Lunge mit einem großen Baumbestand, das sieht sehr romantisch aus." Dennoch: Im Vergleich von 1968 bis heute gab es einige Entwicklungen.
Eine davon streift zumindest den Kern der mit 770 Einwohner zweitkleinsten VS-Ortschaft. Denn während es damals, wie auf den Luftbildern ersichtlich, über den Pfarrer-Mesle-Weg in Richtung Weigheim ging, hat sich die Verkehrsführung seither geändert. Der Bau der Weigheimer Straße in der jetzigen Form wurde 1975 in Angriff genommen. "Für die Straße wurde ein großes Ökonomiegebäude abgerissen", erklärt Leibold. Die Fertigstellung konnte 1977 vollzogen werden.
Die Bundesstraße 27 fehlte noch
Ein Jahr zuvor war auch die obere Tuninger Straße großzügig ausgebaut worden, "als Schleichweg von der B 523 zur B 27", so der ehemalige Vorsitzende des Freundeskreises. Apropos B 27: Der Abschnitt zwischen Schwenningen und Bad Dürrheim auf Mühlhauser Gemarkung war zum Zeitpunkt des historischen Luftbilds noch nicht gebaut. Die Umfahrung Schwenningens war ab dem Jahr 1969 realisiert worden.
Doch nochmals der Blick zurück auf den Kern Mühlhausens: Bereits 1959 hatte der Bau der Schule in den Mühlwiesen begonnen, im Jahr 1961 erfolgte der Einzug – auf den historischen Bildern ist sie deshalb gut zu erkennen. Heute ist dort die städtische Kindertagesstätte untergebracht. Die Kinder werden mittlerweile in der gemeinsamen Grundschule Weigheim-Mühlhausen unterrichtet.
Rund um das Göpelhaus viele Veränderungen
Direkt gegenüber hat sich das Bild über die Jahre ebenfalls verändert. "Der Mühlenbach war damals offen, da hat sich viel getan", erzählt Leibold. 1971 ist der Bach vertunnelt worden, zudem wurde der Mühlenweiher angelegt. Doch nicht nur das: Zwischen der Weigheimer Straße und der Straße "Am Schloßbühl" entstand in den 80er-Jahren dank des Freundeskreises Dorf Mühlhausen ein historisch anmutendes Zentrum. Wo einst Gips- und Ölmühle war, stehen heute Backhaus und Moschte, hinzu kommt eine historische Schmiede und das Göpelhaus. Zuvor war 1975 bereits das Bauernmuseum eröffnet worden.
Doch nicht nur historisches Handwerk zum Erhalt des typisches Kulturguts gibt es in Mühlhausen seit Jahrzehnten – auch Wirtschaftsunternehmen haben sich angesiedelt. Leibold erinnert sich: Bedeutend waren die Hommelwerke mit 200 Beschäftigten, die Jenoptik im Juni 2000 übernommen hatte. Mittlerweile befindet sich der Standort im Zentralbereich von VS. 1968 bezog zudem Messmaschinen-Gerhardt eine Fabrik im Ort.
Industriegebiet im Außenbereich
Für Außenstehende nicht ersichtlich, aber ebenfalls zur Gemarkung Mühlhausen gehörend: Das Industriegebiet Lache-Graben, welches im Jahr 1985 in direkter Umgebung zur Bundesstraße erschlossen wurde. Hier haben sich mittlerweile zahlreiche Betriebe angesiedelt. Dahingegen schloss bereits 1976 der letzte Dorfladen in der Richard-Müller-Straße – auch die Gasthäuser Lamm (Richard-Müller-Straße) und als letztes im Jahr 1993 die Traube (Mühlbachstraße), wie sich Leibold erinnert.
Das änderte jedoch nichts daran, dass sich Mühlhausen mit Blick auf die Einwohner weiter entwickelte. "Rund um die Richard-Müller-Straße ging es schon in den 1930er-Jahren los", so das Mitglied des Freundeskreises. Die Wohngebiet Brotkörble (1974) mit mehreren Abschnitten, Am Schloßbühl-Ost (1977) und Hintere Wiesen (rund um die Straße Am Guckenbühl, 1995) folgte. Leibold: "Man hat aber über Jahre versucht, das Ortstypische zu erhalten – Hochhäuser sucht man hier vergebens." Das macht auch den Charme des liebenswerten Örtchens aus.