In den 80er- und 90er-Jahren wurde die B27 bei Hechingen ausgebaut. 1968 ist aus der Luft nur eine schmale Straße zu sehen.
Hechingen - Vier Spuren, Abfahrten, Auffahrten, Kreisverkehre: Wer heute zur Ausfahrt Hechingen-Mitte schaut, erkennt auf einen Blick, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Tankstellen und Einkaufszentren finden sich dort, wo früher Felder waren. Die alte, schmale B27 wurde Mitte der 90er-Jahre von der neuen Bundesstraße abgelöst, die noch heute eine gute Anbindung in Richtung Landeshauptstadt, A8 oder auch Richtung Süden garantiert.
Das endgültige Ja zum B27-Ausbau kommt 1968
Doch bis es so weit war, brauchten die Hechinger vor allem eines: Geduld. Die Pläne für den Neubau der B27 zwischen Schömberg, Balingen und Hechingen reichen weit zurück, ins Jahr 1959. Mehr als 20 Jahre wurden draufgepackt, bis der Beschluss erging: Am 28. Dezember 1982 wurde endgültig festgelegt, dass der Abschnitt Balingen/Engstlatt bis Hechingen ausgebaut wird.
Die alte B27 war dem schnell ansteigenden Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen. Nur acht Meter breite Fahrbahnen, unübersichtliche Kurven und starke Steigungen sollten verändert werden, wird in der Projektbroschüre von damals über die Baumaßnahmen berichtet. Die Unfallzahlen stiegen durch immer mehr Staus.
Neuer Abschnitt der B27 in der Wessinger Senke
Der gesamte Abschnitt wurde über 15 Jahre erneuert, die neue B27 wurde fast ausschließlich auf der Trasse der bereits bestehenden gebaut. Neu war im Abschnitt Bisingen-Hechingen der Bereich der Wessinger Senke, wo die neue Richtungsfahrbahn in Richtung Tübingen von der alten B27 abrückt, wie es in einer damaligen Veröffentlichung zur Freigabe heißt.
Zahlreiche Behelfsfahrbahnen waren nötig, die provisorische Verkehrsführung wurde immer wieder geändert. Und dann noch die Fundstücke: In der Erde wurden während des Baus zahlreiche Fossilien entdeckt, die Neubaustrecke verläuft im Bereich von Schwarzjura und Braunjura, der sich südwestlich des Brielhofs finden lässt.
"B 27 endlich fertig!"
Mitte der 90er-Jahre war Schluss mit der Baustelle. "B27 endlich fertig!", schrieb selbst Heinrich Haasis, damals Landrat a. D., über den vierspurigen Ausbau, der 1995 zu Ende ging.
Landesverkehrsminister Hermann Schaufler (CDU) betonte seinerzeit, der fertiggestellte Bauabschnitt zwischen Hechingen und Balingen werde dazu beitragen, die alten Handelsbeziehungen wiederzubeleben – die B27 sei schließlich einst als sogenannte Schweizer Straße von Stuttgart über Waldenbuch, Tübingen, Hechingen, Balingen und Tuttlingen in die Schweiz bekannt gewesen.
Wissmann: bessere Verkehrsverhältnisse auch durch Bundesstraße 27
Der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) betonte, die Verkehrsverhältnisse in Städten und Gemeinden sollten durch Umfahrungen verbessert werden. "Hierzu zählt insbesondere auch die Bundesstraße 27 als Hauptverkehrsachse der Region Neckar-Alb." Sie diene der Anbindung der an ihr gelegenen Orte, ans Autobahnnetz und ans Landeszentrum Richtung Stuttgart.
2019, im Jahr vor der Corona-Pandemie, wurden bei Hechingen im Schnitt täglich etwa 27 200 Kraftfahrzeuge erfasst. Dazu kommen laut Landratsamt rund 1675 Fahrzeuge, die zum Schwerlastverkehr zählen. 1980 waren auf dem später neu gebauten Abschnitt der B27 nur 17 000 Kraftfahrzeuge unterwegs. Das zeigt: Der Ausbau kam zur rechten Zeit, heute rollt der Verkehr – meistens.
Dieser Artikel erschien erstmals am 22. Mai 2022 und wurde aufgrund des großen Leserinteresses nochmals veröffentlicht.