Neben Heckler & Koch ist 1968 noch Platz frei. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-16822

Kaum ein Stadtgebiet hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark verändert wie der Lindenhof. So auch im südlichen Bereich, wo sich bei den Unternehmen - heute Heckler & Koch, Mafell und Exeron - einiges getan hat.

Oberndorf - Leere Felder umgeben ein Fußballfeld. Unweit produziert die Firma Heckler & Koch auf einem vergleichsweise kleinen Gelände Waffen. Und nördlich davon warten freie Flächen auf ihre Erschließung. Ein Vergleich der Luftaufnahmen zeigt: Seit 1968 hat sich viel verändert.

Der Aufstieg von Heckler & Koch

Bereits 1952 errichtete Heckler & Koch das Fabrikgebäude auf dem Lindenhof. Als die Bundeswehr 1959 das von der Firma entwickelte Gewehr G3 einführte, begann der Aufstieg zum Weltunternehmen. Die Zahl der Beschäftigten betrug im Jahr 1970 bereits 1800. Zum Vergleich: 1960 waren es noch rund 1000 gewesen. Neben einigen Zweigstellen, die in den 50er- und 60er-Jahren in Betrieb gingen, wurde auch auf dem Lindenhof 1971 ein großer Fabrikneubau errichtet. 1975 zählte das Unternehmen 2000 Beschäftigte.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs mussten allerdings Stellen abgebaut werden. 2003 waren nur noch rund 700 Mitarbeiter beschäftigt. Doch sowohl davor als auch danach standen noch Veränderungen auf dem Werksgelände an. 1995 begann ein großer Umbau. Nach einer zweijährigen Bauzeit, präsentierte sich die Firma im Juli 1997 mit einem markanten Neubau. Im Jahr 2010 wurde ein Ausbildungszentrum fertiggestellt.

Kosmetikunternehmen wird neuer Nachbar

Neuer Nachbar ist seit 1990 die Firma Mafell. Doch bevor Elektrosägen und Bohrmaschinen produziert wurden, verließen zunächst Puder, Salben, Deodorants oder Fußpflegemittel das Werksgelände. Denn zunächst hatte dort ein Kosmetikunternehmen seine Produktionsstätte.

Seit 1948 hatten die Vasenol-Werke ihren Sitz in Oberndorf. Heinrich Köpp, Sohn des Firmengründers, war zuvor mit einigen Fachkräften aus Leipzig gekommen, da das dortige Werk von der sowjetischen Besatzungsmacht übernommen wurde.

1950 erwarb die Firma den Schwedenbau und verlagerte die Produktion dorthin. Die Vasenol-Werke wurden 1962 schließlich vom US-Kosmetik-Unternehmen "Pond’s" übernommen. Rund 200 Beschäftigte zählte man im Jahr 1970. In den Jahren davor wurde die Produktpalette deutlich vergrößert. Während Anfang der 50er-Jahre rund 30 Präparate hergestellt wurden, waren es in den 60er-Jahren bereits 200. In dieser Zeit wurden im Oberndorfer Labor auch die Qualitätsprüfungen für alle europäischen Pond’s-Firmen durchgeführt. Der Schwedenbau wurde zu klein.

Sportplatz muss weichen

Man beschloss daher, die Produktion auf den Lindenhof zu verlegen. Im April 1970 war der Baubeginn des zehn Millionen-Mark-Projekts. Der 1954 vom SC Lindenhof errichtete Sportplatz musste dafür weichen. Im Januar 1971 konnte man schließlich umziehen. Von da an wurden auf dem neuen Werkgelände Kosmetikprodukte, Wattestäbchen, Deodorants oder Baby- und Fußpflegemittel produziert.

Doch die Hoffnungen auf eine weitere Expansion erfüllten sich nicht. Zwischenzeitlich sank die Zahl der Beschäftigten. Lange Verhandlungen über eine Übernahme durch andere Kosmetik-Firmen scheiterten. Im Juni 1988 wurde das Werk geschlossen.

Das Fabrikgelände sollte nicht lange ungenutzt bleiben. Die Firma Mafell, deren Name ursprünglich für "Maschinenfabrik Fellbach" stand, hatte seit 1933 ihren Hauptsitz in Aistaig. Die Firma überdauerte den Krieg und konnte ab Mitte der 50er immer weiter expandieren.

Mafell übernimmt Exeron

Mafell gab schließlich im Februar 1989 bekannt, ihre bisherige Produktionsstätte in Aistaig aufzugeben und das ehemalige Gebäude der Firma "Pond’s" zu kaufen. Im Oktober 1990 weihte man das neue Werksgelände ein. Im August 1999 wurde dort eine weitere Produktionshalle fertiggestellt. Der Anbau hat eine Fläche von etwa 2000 Quadratmetern. Im September 1995 übernahm Mafell die Firma Exeron in Fluorn-Winzeln. 2008 bezog Exeron ein neues Firmengebäude auf dem Lindenhof.

Auch die Wohnbebauung machte große Fortschritte. Bereits 1934 wurde auf dem Berg oberhalb der Stadt ein Baugebiet mit dem Namen "Adolf-Hitler-Siedlung" gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet für eine Weile allerdings namenlos. Ende 1947 sprach man noch von der "Siedlung auf dem Berg". Schließlich setzte sich mit dem Namen "Lindenhof" die alte Gewannbezeichnung durch.

Ausbau der Wohngebiete beginnt

Mitte der 1950er-Jahre nahm die Wohnbebauung im südlichen Teil des Lindenhofs Fahrt auf. Häuser schossen aus dem Boden. Bereits 1961 hieß es im Schwarzwälder Boten: "Im Oberndorfer Stadtteil Lindenhof-Süd sind die Baulücken geschlossen." Doch ein Vergleich der Luftbilder zeigt: Das Potenzial war noch nicht ausgeschöpft. Das Gebiet wurde in den folgenden Jahrzehnten verdichtet. In den 1960er-Jahren begann auch der Ausbau der Wohngebiete im Norden des Stadtteils. Der nördliche Lindenhof sollte zum größten Wachstumsgebiet der Stadt werden.