Das heutige Ortenau-Klinikum Wolfach ist ein wichtiger Standort fürs Kinzigtal. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-16796

Das Krankenhaus Wolfach besteht seit 1917 – zuerst war es in städtischer Hand. Seitdem hat es zwei Mal den Besitzer gewechselt. In Rekordjahren kamen in dem Altkreis 325 Kinder zur Welt, inzwischen ist die Geburtenstation aufgelöst worden.

Wolfach - "Das Jahr 1917 steht für den Beginn der modernen öffentlichen Gesundheitsversorgung der Menschen in Wolfach und Umgebung, schreibt Landrat Frank Scherer in seinem Grußwort des Buches "100 Jahre Krankenhaus Wolfach"­, in dem Cornelius Gorka die Geschichte des einstigen Stadtkrankenhauses mit Geburtenstation erzählt. Auch im Jahr 1968 hat sich das Wolfacher Krankenhaus noch in städtischer Trägerschaft befunden. Bis zum Jahr 1967 hatte die Stadt Wolfach fast acht Millionen Mark in die Sanierung und Erweiterung des Krankenhauses gesteckt.

Für die erste Sanierung des inzwischen in die Jahre gekommenen Krankenhauses musste die Stadt hart kämpfen für Fördergelder des Kreistags und Landes. Im Jahr 1964 entschied sich der Gemeinderat für die erste Sanierung und einen kleinen Erweiterungsbau.

Lange Zeit gab es nur weibliche Krankenpfleger

Nahezu bis zur Einweihungsfeier am 1. Februar 1969 mussten alle nicht gehfähigen Patienten vom Krankenhauspersonal die Treppen hoch- und runtergetragen werden. "Da es noch keine männlichen Krankenpfleger gab, mussten gelegentlich auch der Krankenfahrer und die Ärzte mit anpacken", schreibt Gorka in seinem Buch. Im Jahr 1971 erkennt das Land die Wolfacher Klinik als Schwerpunktpraxis im Landkreis an, danach folgte die zweite Erweiterung des Nordflügels – mit einer Inneren Abteilung und neuen OP-Räumen.

Am 1. Januar 1976 wechselt das Krankenhaus zum ersten Mal seinen Besitzer: "Im Zuge der Kreisgebietsreform 1975 musste die Stadt einsehen, dass sie die Klinik nicht mehr alleine tragen konnte", erzählt der heutige Bürgermeister Thomas Geppert. So wurde aus der bisherigen städtischen Klinik das Kreiskrankenhaus Wolfach.

Der Landkreis verpflichtete sich, die Versorgungsstufe zu erhalten beziehungsweise weiter auszubauen. Als im Jahr 1983 das Krankenhaus Hausach und 1984 das Krankenhaus Haslach geschlossen wurden, nahm die Wolfacher Klinik in der Gesundheitsversorgung einen noch höheren Stellenwert ein. "Bis heute sind wir im Bereich Kinzig- Wolf- und Gutachtal zentraler Anlaufpunkt für die Patienten aus der Region", befindet auch Geppert.

Zusammenschluss erfolgt im Jahr 2007

Inzwischen wird das Ortenau-Klinikum Wolfach seit 1996 als Eigenbetrieb geführt. Im Jahr 1997 hat das Klinikum insgesamt 3466 Patienten behandelt und diese Zahl kontinuierlich gesteigert. Im Jahr 2000 feierte die Geburtshilfeabteilung ihren 25. Geburtstag. Rund 6000 Kinder waren in dieser Zeit von Dietrich Göbel auf die Welt gebracht worden. Als er 2006 die Klinik nach 31 Jahren verließ, gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger so schwierig, dass die Geburtshilfestation im Jahr 2009 geschlossen und trotz mehrerer Versuche nicht mehr wiederbelebt.

Wegen der steigenden Lohn- und Sachkosten entschied der Kreistag, auch im Ortenaukreis mehrere Kliniken zusammenzuschließen. So entstand 2007 der Eigenbetrieb Ortenau-Klinikum. Vor fünf Jahren feierte das einstige Wolfacher Stadtkrankenhaus dann unter diesem Namen hundert Jahre Klinikum Wolfach.

Um das Krankenhaus auch weiterhin zu erhalten und auf den neuesten technischen Stand zu bringen, haben 25 Personen im September 2008 den "Förderverein Ortenau-Klinikum" gegründet, der bereits zwei Jahre später auf 246 Mitglieder angewachsen war. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, denn alle anderen Kliniken im Kreis haben einen gemeinsamen Förderverbund, Wolfach ist da herausragend", so Geppert.

In all dieser Zeit wurden die Klinikgebäude immer wieder saniert, der letzte Spatenstich erfolgte im Jahr 2010, die komplette Sanierung war im Februar 2017 abgeschlossen. Seit Juli 2013 ist das Ortenau-Klinikum Wolfach nun auch zentrale Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und löst damit die bisherige dezentrale Wochenendgemeinschaft der niedergelassenen Ärzte ab und zeichnet einen weiteren Meilenstein.

BW von oben

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