Das heutige Klärwerk aus der Vogelperspektive Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-17006

Seit fast 50 Jahren bereitet das Klärwerk Aistaig Wasser auf, welches in den Neckar geleitet wird. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Wasserreinigung war schon immer eine teure Angelegenheit.

Oberndorf-Aistaig - Auf den Luftaufnahmen von 1968 ist noch keine Spur zu sehen. Die Bauarbeiten für das Klärwerk in Aistaig begannen erst am 21. März 1970. Doch erste Pläne gab es bereit 1961. Die damals noch eigenständigen Gemeinden Aistaig, Hochmössingen, Marschalkenzimmern und Weiden zogen bereits in Erwägung, eine gemeinschaftliche Kläranlage zu bauen.

 

Ein "historischer Augenblick"

Die Idee fand auch bei anderen Gemeinden Anklang. 1965 schlossen sich Oberndorf, Altoberndorf, Beffendorf und Boll den Plänen an. Drei Jahre später gründete man zusammen den "Abwasserverband Aistaig". Die Voraussetzungen zum Bau des Klärwerks waren damit geschaffen. Richard Mayer, damaliger Bürgermeister von Aistaig, bezeichnete dies als einen "historischen Augenblick".

Etwa 5,3 Millionen Deutsche Mark sollte das neue Klärwerk ursprünglich kosten. Das entspricht, unter Berücksichtigung der Inflation, einem Betrag von etwa 10,3 Millionen Euro (2021). Um Zuschüsse für das Projekt zu erhalten, musste unter anderem eine Gebühr von 30 Pfennig, heute wären das knapp 60 Cent, pro verbrauchtem Kubikmeter Frischwasser beschlossen werden.

Bau beginnt 1970

Als mit dem Bau im Jahr 1970 begonnen wurde, lagen die geplanten Kosten bereits bei 8,4 Millionen Mark, umgerechnet etwa 15,5 Millionen Euro. Doch "als wichtiger Beitrag zur Einhaltung der Gewässer", so wurde das Bauvorhaben angepriesen, war man bereit, diese Summe zu investieren. Am 8. Oktober 1973 wurde das Klärwerk erstmals in Betrieb genommen.

Im Zuge der Gemeindereform Anfang 1975 wurde Aistaig, wie auch die anderen heutigen Ortsteile, eingemeindet. Im selben Jahr wurde daher der "Abwasserverband Aistaig" aufgelöst. Dessen Aufgaben übernahm Stadt Oberndorf.

Vier Millionen Euro im Jahr 2009

In den folgenden Jahrzehnten wurden noch weitere Gemeinden an das Klärwerk angeschlossen. Heute reinigt es die Abwässer der gesamten Stadt Oberndorf, einschließlich deren Ortsteile. Dornhan, Epfendorf mitsamt Trichtingen und Harthausen gehören inzwischen ebenfalls dazu.

Immer strengere Abwasservorgaben zwangen auch immer wieder zur Modernisierung der Anlage. Die letzte größere Erweiterung fand im Jahr 2009 statt, als die beiden großen runden Nachklärbecken für etwa vier Millionen Euro im Nordosten des Werks errichtet wurden.

Weitere Maßnahmen geplant

Weitere Maßnahmen sind bereits in Planung. Insbesondere die Phosphor-Belastung im Wasser stellt für das Werk derzeit noch eine besondere Herausforderung dar. Um dieses aus dem Wasser herauszulösen, sollen weitere Dosierstellen, an denen die entsprechenden Fällmittel zugegeben werden, errichtet werden.

Der Ausbau von Solarenergie befindet sich derzeit ebenfalls in Planung. Das Besondere: Über den nordöstlichen rechteckigen Klärbecken soll eine Solar-Faltdach-Anlage entstehen, die bei Bedarf ein- oder ausgefahren werden kann. Zusammen mit weiteren PV-Flächen auf dem Dach sowie dem hauseigenen Blockheizkraftwerk könnte so nahezu der gesamte Strombedarf des Klärwerks gedeckt werden.