Mehr als 2100 Menschen leben heute in Nagold im Wohngebiet "Mittlerer Steinberg". Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1968 ist davon noch nichts zu erahnen.
Nagold - Möglichst viel Wohnraum auf vergleichsweis enger Fläche zu schaffen, das war eines der Ziele im Mittleren Steinberg. Dabei gehört der Mittlere Steinberg zu den eher späten Wohngebieten Nagolds. Der Kernen und der Lemberg waren bereits zu großen Teilen bebaut, als sich die Nagolder Stadtplanung dem Mittleren Steinberg widmete.
Wobei der Blick auf die alte Luftfotografie von 1968 dann schon deutlich macht, dass es letztlich um eine konsequente Fortentwicklung ging. Denn unterhalb der Bahnlinie entlang der Friedrichstraße und der Steinbergstraße wird bereits gewohnt. Hier handelt es sich um das Wohngebiet "Unterer Steinberg" – ein Baugebiet, das ab 1956 erschlossen und Anfang der 1970er Jahre in Richtung Süden mit der Karlstraße fortgeführt wurde. Und auch im Iselhauser Tal haben sich längst Unternehmen angesiedelt, wenngleich es dort noch nicht so eng zuging wie heute.
Am unteren Wolfsberg
Und dann sind da ja auch noch der Vollmaringer Weg, die Schönblickstraße und der Birkenweg – auch hier am unteren Wolfsberg sind in direkter Nachbarschaft ab 1953 schon einige Einfamilienhäuser entstanden. Der Birkenweg und die Schönblickstraße entstanden übrigens erst in dieser Zeit.
Doch an jenem Ort, den man heute gemeinhin als Steinberg bezeichnet, herrscht auf dem Foto von 1968 noch gähnende Leere. Noch – wie gesagt, denn wenige Jahre nach der Luftaufnahme wird sich das ändern. Eine relativ lange Planungsphase soll dem Neubaugebiet Mittlerer Steinberg vorausgegangen sein. Unter anderem arbeitete Nagold an einem schlüssigen Stadtentwicklungskonzept. In den Jahren 1970 und 1971 wurde in dem Gebiet dann eine Baulandumlegung durchgeführt. Das Umlegungsgebiet umfasste 18 Hektar, wie Erwin Niethammer in einer Schrift des Heimatgeschichtsvereins aus dem Jahr 1994 festhielt. Nach dieser Umlegung jedenfalls war die Grundlage für die Erschließung des Baugebiets endlich geschaffen.
Druck auf dem Wohnungsmarkt
Man muss wissen, Anfang der 1970er Jahre war der Boom in Nagold ungebrochen. Der Druck auf den Wohnungsmarkt war groß. Und so rückte der Mittlere Steinberg auch schnell ins Visier der Stadtplaner. 1973 startete die Bebauung – übrigens parallel auch zum Start der Bebauung im neuen Industriegebiet Wolfsberg. Die Besonderheit an diesem neuen Nagolder Wohngebiet: Die Planer entwickelten für den Steinberg einen Bebauungsplan, der es ermöglichte, auf knapper werdenden Baulandflächen eine größere Verdichtung als bis dahin in Nagold üblich zu erreichen. Auch heute noch ein brandaktuelles Thema in der Stadtpolitik. Dabei ging es auch darum, die wegen der Hanglage recht hohen Erschließungskosten pro Wohneinheit möglichst zu reduzieren. Die für den Steinberg so typischen Terrassenhäuser dürften das Ergebnis dieser Überlegungen sein.
Und Nagold baute auch weiter in die Höhe. Nach den Hochhäusern auf dem Lemberg, entstehen auch am und auf dem Steinberg Hochhäuser. Die Hochhäuser im unteren Bereich an der Steinbergstraße bekommen bereits im Sommer 1971 eine Baugenehmigung erteilt – also noch deutlich vor dem Baubeginn im Wohngebiet Mittlerer Steinberg. Zuvor befand sich auf dem Gelände eine Lederkohlenfabrik. Doch auch zur Abrundung des neuen modernen Wohngebiets "Mittlerer Steinberg" werden auf der Höhe weitere Hochhäuser verwirklicht. Die Heckengäustraße 17 und 19 bekommen im November 1978 ihre Baugenehmigung, ab 1982 entstehen die Hochhäuser in der Steinriegelstraße.
Kindergarten ab 1978
Auch auf dem Steinberg wird an die Infrastruktur gedacht. Räume für Einzelhandel, eine Bankfiliale, eine Gaststätte und auch ein Kirchentreff entstehen in einem Gebäude. Und dann baute die Stadt 1978 auch noch einen Kindergarten auf dem Steinberg. Zu einer Schule aber reichte es nicht – obwohl der Steinberg heute mit seinen mehr als 2100 Einwohnern in der Stadt nach dem Lemberg das Wohngebiet mit der zweithöchsten Einwohnerzahl ist.