Nichts als Wald, Wiesen und Felder gab es 1968, wie das Luftbild des Landesarchivs zeigt. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-15720

Im Jahr 1968 ist da einfach nichts. Nur Wiesen und Felder. Zehn Jahre später führt die nagelneue Autobahn 81 durch den Kreis – und der Anschluss Rottweil wird wichtiger Dreh- und Angelpunkt.

Kreis Rottweil - Der Landkreis Rottweil ohne die Autobahn? Wie käme man denn da sonst nach Stuttgart? Wie an den Bodensee? Für die jüngeren Generationen ist die wichtige Verkehrsachse selbstverständlich. Ganz anders vor 50 Jahren. Die Älteren wissen noch genau, welch wichtigen Meilenstein die Fertigstellung der Autobahn mit ihren Anschlussstellen in Rottweil, Oberndorf und Sulz für die ganze Region markierte.

 

Jubel bei der Fertigstellung

Und nicht nur für die Region. Die Abschnitte zwischen Rottenburg und Rottweil waren die letzten, die beim Bau der A 81 realisiert wurden. Entsprechend groß war der Jubel 1978 bei deren Fertigstellung. "Es ist soweit! Frei ist der Weg von der Landeshauptstadt über Neckar und Baar zum Bodensee. Vergessen das mühevolle Suchen nach der geeignetsten Route, das Klettern auf schmalen Serpentinen über Alb und Donautal", heißt in es einer 56-seitigen Broschüre, die das Bundesverkehrsministerium 1978 anlässlich der Fertigstellung veröffentlichte. "Nun steht die Bundesautobahn 81 Stuttgart – Singen durchgehend für den Verkehr zur Verfügung. Die neue Autobahn wird auch starke Impulse auf die Entwicklung von Wirtschaft und Fremdenverkehr ausüben", erklärt der damalige Verkehrsminister Kurt Gscheidle.

Untergrund wie Hefeteig

Der Abschnitt zwischen Oberndorf und Rottweil bildet einen der längsten der A 81. Und wohl einen der herausforderndsten. Erst während der Bauausführung ergibt sich ein "besonderes Problem in den Schichten des Gipskeupers bei Rottweil". Die Planer können schier nicht fassen, worauf sie hier im Untergrund stoßen: "Quellvorgänge, wie sie seither im Erdbau noch nicht bekannt geworden sind, treiben ein etwa zehn Meter mächtiges Schichtpaket wie einen Hefeteig auseinander", ist in der Baubeschreibung zu lesen. Aufgrund des "nicht absehbaren weiteren Verlaufs" könnten nur Zwischenausbaumaßnahmen erfolgen.

Probleme bis heute

Das "Hefeteig-Problem" macht von da an auch in den nächsten Jahrzehnten Straßenbauern zu schaffen. Immer wieder gibt es massive Hebungen, die Strecke muss mehrfach gesperrt werden. 2015 werden die Autofahrer auf eine besonders harte Probe gestellt. Monatelang wird in beiden Fahrtrichtungen eine 150 Meter lange und 40 Zentimeter dicke Betonplatte eingebaut, um den Untergrund zu stabilisieren. Im Bereich "Tälchen" war die Fahrbahn der A 81 an mehreren Stellen abgesackt. 2017 gibt es weiter südlich erneut Probleme. Der Gips hebt die Fahrbahndecke an – wieder muss saniert werden.

Größte Bogenbetonbrücke in Deutschland

Und dann sind da noch die Brücken: Im Zuge des Autobahnbaus gehören die "Talbrücke Neckarburg" und die Eschachtalbrücke zu den teuersten und aufwendigsten Bauwerken. Die Brücke an der Neckarburg ist seinerzeit mit einer rechnerischen Spannweite von 154,4 Metern und einer Pfeilhöhe von 49,85 Metern das "in der Bundesrepublik Deutschland weitestgespannte Bogentragwerk in Beton". Kosten: 15,7 Millionen Mark. Der Untergrund im Talbereich aus Mittlerem Muschelkalk hatte sich für Gründungen als ungeeignet erwiesen.

Noch teuerer kommt die Eschachtalbrücke mit 22,3 Millionen Mark. Sie überquert mit einer Länge von rund 440 Metern das bis zu 90 Meter tiefe Eschachtal südlich von Rottweil. Wegen schwieriger Baugrundverhältnisse ergeben sich dort verhältnismäßig große Stützweiten.

Im Ministerium wird geschwärmt

1978 ist es geschafft und die Autobahn Stuttgart – Singen geht in Betrieb. Der Anschlussstelle Rottweil kommt mit der Verbindung zur B 462 und zur B 14 besondere Bedeutung zu. Und was die Reize des "bislang vom Autobahnnetz abgelegenen Gebiete" angeht, kommt man in der Broschüre des Ministeriums 1978 geradezu ins Schwärmen: "Nahe Zimmern gibt die Anschlussstelle den Weg westwärts in die reizvoll gelegene Stadt Schramberg, nach Osten in die alte Reichsstadt Rottweil frei". Die Fünf-Täler-Stadt Schramberg habe sich "irgendwie den Charme der Sommerfrische von einst bewahrt", heißt es. In Rottweil mit seiner reichen Geschichte sei das Schwarze Tor noch immer "Hauptverkehrsader der Stadt" und ein Besuch im Stadtmuseum Pflicht. Auch eine Visite zur Fasnet wird empfohlen. Und das Eschachtal könne man sich "romantischer nicht vorstellen".

Die Region entscheidend geprägt

Allzu romantisch wird den Autofahrern heute kaum zumute sein. Die Autobahn 81 samt ihren drei Anschlüssen im Kreis Rottweil jedenfalls hat die Entwicklung der Region entscheidend geprägt und ist nicht mehr wegzudenken. Und an der Anschlussstelle Rottweil/Zimmern bietet sich jeden Morgen die Gelegenheit, im langen Rückstau auf der B 462 in Erinnerungen zu schwelgen – und über Ampeltaktungen nachzudenken.

Lesen Sie auch: Umgehung B 462 – Millionen-Projekt wird zur Unfallstrecke

Zahlen und Fakten

Gesamtkosten der A 81 von Herrenberg bis Singen: 917 Millionen Mark

Länge: 119,1 km

Kosten für Grunderwerb: 70 Millionen Mark

Flurbereinigungsverfahren entlang der Strecke: 31

Bewegte Erde: 22,3 Millionen Kubikmeter

Kosten der Talbrücke Neckarburg: 15,7 Millionen Mark

Kosten der Eschachtalbrücke: 22,3 Millionen Mark

Zum Thema A 81: Was hat es mit diesen Fahrbahn-Rillen auf sich?