Unterkirnach verzeichnet eine lange Geschichte – ein unscheinbares Dorf wurde zum Ferienort. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-14525

Wenn man die Luftaufnahme von Unterkirnach im Jahre 1968 und heute vergleicht fällt auf, welche großen Veränderungen es in Unterkirnach in diesen 54 Jahren gab.

Unterkirnach - Außer der Firma Moser, die Kuno Moser 1946 in Unterkirnach gegründet hatte, gab es noch Firmen im Abendgrund und andere kleine Betriebe, der prächtige Stadthof stand jedoch heute schon. Maria Tann hat eine lange Geschichte, von der Tuchfabrik 1851 bis heute zum Wohnraum von rund 220 Menschen und einem herrlichen Park, in dem immer wieder Events über die Bühne gehen.

 

Ein Glücksfall für Unterkirnach war es, dass Siegfried Baumann im Jahr 1968 zum Bürgermeister von Unterkirnach gewählt wurde. Kein Bürgermeister hat Unterkirnach so geprägt wie Baumann, der aus einem unscheinbaren Dorf einen Ferienort mit glänzendem Tourismus und einer Infrastruktur, die in einer kleinen Gemeinde wie Unterkirnach seinesgleichen sucht, gemacht hat. Im Alter von 29 Jahren wurde er auf Anhieb mit 87 Prozent zum Bürgermeister gewählt.

Schlossberghalle und Sporthalle entstanden

Die Roggenbachschule stand schon 1968, aber der Sommerberg war noch nicht bebaut, und Bauplätze waren auch nicht im Ort vorhanden. Das Gelände des Wurstbauernhofs, den Baumann kaufte und der später abbrannte, zog sich bis zum heutigen Sommerberg II, und wurde erschlossen und bebaut. Die Stromversorgung von Unterkirnach war mehr als mäßig, und Baumann ließ Trafostationen bauen, ein Stausee mit Turbinen, ein Blockheizkraftwerk, ein Hallenbad, die Schlossberghalle und die Sporthalle entstanden.

Unterkirnach war Vorreiter mit einer biologischen Kläranlage und einem Schilfbecken, das für die Vererdung des Klärschlamms sorgte. Das nächste Versuchsprojekt war die Verkabelung der gesamten Gemeinde, womit Unterkirnach die erste verkabelte Gemeinde in Deutschland war. Der Mühlenplatz wurde von Baumann initiiert, ebenso der Mühlentreff und die Original Schwarzwaldmühle, die in Todtmoos abgebaut wurde. Der Schlossberg mit Vogelpark und Freilichtbühne wurde angelegt, auch gab Baumann den Anstoß für den ersten Kunstrasen-Sportplatz in der gesamten Region, zuletzt brachet er noch die Spielscheune auf den Weg. Vier Mal wurde Baumann wiedergewählt, dann trat er in den Ruhestand, und Gerold Löffler wurde sein Nachfolger.

Hapimag Ferienresort am Standort gehalten

Löffler sorgte dafür, dass das Hapimag Ferienresort, das 1968 noch nicht existierte, und das seinen Standort verlegen wollte, in Unterkirnach blieb. In seiner Amtszeit entstanden das neue Rathaus und das Betreute Wohnen unterhalb des Alten Rathauses. Als Löffler gesundheitsbedingt in den Ruhestand treten musste, wurde Andreas Braun zu seinem Nachfolger und im vergangenen November wiedergewählt.

Braun setzte sich dafür ein, dass der Supermarkt in Unterkirnach blieb, er führte ihn einige Monate selbst, bevor er zum heutigen Nahkauf wurde. 1968 existierte das Neubaugebiet Marbental oberhalb der Sporthalle noch nicht, ebenso wenig der Abendgrund als Neubaugebiet, die Streuobstwiese und der Talsee. Unter Braun wurden im Marbental weitere neue Bauplätze geschaffen, ebenso am Sommerberg II, nachdem sowohl Baumann wie auch Löffler keine Investoren für Ferienhäuser dort gefunden hatten.

Sanierung und Umbau des Stadthofs geplant

Die Firma Moser, später Wahl GmbH, hat sich bis heute dermaßen entwickelt, dass sie momentan die gesamte Firma nach Peterzell verlegt hat, ein Schlag für Unterkirnach. Auch die Umgehungsstraße in Richtung Vöhrenbach wurde unter Baumann gebaut, und den historischen Stadthof verkaufte Josef Hug im vergangenen Sommer an Immobilien Benzing. Der Stadthof soll saniert und etwas umgebaut werden, rechts und links des Stadthofs sollen zwei moderne Wohntürme für Betreutes Wohnen entstehen, bis jetzt hat sich jedoch noch nichts getan.