Geprägt von landwirtschaftlich genutzten Flächen: Der Wolfsberg im Jahr 1968. Foto: Landesarchiv/StAL/EL68IX-409

Rund 120 Unternehmen haben heute auf dem Wolfsberg ihren Sitz. Davon ist auf der Luftaufnahme des Nagolder Gewerbegebiets aus dem Jahr 1968 aber noch nichts zu sehen.

Nagold - Das "Who is Who" der Nagolder Unternehmen ist heute zu einem überwiegenden Teil auf dem Wolfsberg zu Hause. Der Herrenausstatter Digel zum Beispiel, der Automobilzulieferer Wagon Automotive, das Unternehmen Aldinger, die Spedition Stickel, das Innovationszentrum BIN von Boysen, dann ist da noch Nicolay, Berner – und natürlich Häfele.

 

Häfele zieht es zuerst auf die Höhe

Dem Familienunternehmen Häfele kommt die Ehre zu, als erste Firma, den Schritt auf den Wolfsberg gewagt zu haben. 1972 beginnt Nagolds Beschlägespezialist mit dem Bau seines Vertriebszentrums auf der Höhe. 1974 ist das Versandzentrum betriebsbereit und bildet seitdem die Basis der Logistikleistungen des Nagolder Weltunternehmens. Begleitet wird der Neubau des heute größten Arbeitgebers in der Stadt natürlich von Erschließungsarbeiten. Teil 1 des neuen Nagolder Industriegebiets wird ab 1973 erschlossen: Dabei handelt es sich um 23 Hektar. Neu gebaut werden von der Stadt Nagold die Ferdinand-Porsche-Straße bis zur bereits bestehenden Gottlieb-Daimler-Straße, die Rudolf-Diesel-Straße, wo heute der Tennisclub seine Anlage betreibt und natürlich ganz am nördlichen Rand die Robert-Bosch-Straße, wo auch heute noch Häfele sein modernes Logistikzentrum mitsamt Hochregallager betreibt.

Für Jahrzehnte steht der Wolfsberg für Entwicklungsflächen, die Nagold seinen Unternehmen anbieten kann. Es folgen Erweiterungen, bereits 1978 kommen 15 Hektar im Süden dazu, 1992 erfolgt die Erschließung des dritten Teils. Weitere Teile folgen. Mit etwa 80 Hektar ist der Wolfsberg heute das größte Gewerbegebiet Nagolds. Flächen für weitere Ansiedlungen gibt es aber kaum noch.

Wirtschaftsstandort Nummer eins

Die Entwicklungsgeschichte des größten Nagolder Gewerbegebiets ist auch eng mit der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte der Stadt verbunden. Rund 120 Unternehmen sind mittlerweile auf dem Wolfsberg beheimatet. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze allein auf dem Wolfsberg liegt bei 3500. Nagold mit seinen insgesamt 11 000 Arbeitsplätzen und damit einem deutlichen Einpendler-Überschuss wäre heute kaum der Wirtschaftsstandort Nummer eins in der Region, wenn Anfang der 1970er Jahre nicht der Schritt auf die Gäu-Höhe gemacht worden wäre.

"Die Entwicklung des Gewerbegebiets Wolfsberg vor über 40 Jahren war der Türöffner für den prosperierenden Wirtschaftsstandort Nagold", bekräftigt Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann. Heute stehe das Gebiet mit seinen äußerst erfolgreichen Unternehmen als "Sinnbild für einen breitgefächerten Branchenmix" – von der Automobilzulieferung über Bekleidung bis hin zu Elektronikbauteilen und Möbelbeschlagstechnik. Und weiter sagt das Nagolder Stadtoberhaupt: "Der Wolfsberg ist die Herzkammer des Wirtschaftsstandorts Nagold. Die bedeutsamen Vorhaben von Häfele und die Neuansiedlung von BIN Boysen zeigen unter anderem, dass das Wachstum dieses Herzmuskels noch nicht abgeschlossen ist."

Häfele plant weitsichtig

Damit geht das Stadtoberhaupt auch darauf ein, dass es wohl wieder das Unternehmen Häfele sein wird, das in den nächsten Jahren für den nächsten Meilenstein sorgen wird. Häfeles Planungen sind eigentlich immer weitsichtig, oft über Jahrzehnte. Und so sicherte sich das Unternehmen früh die umliegenden und benachbarten Gewerbeflächen. Kontinuierlich erweiterte Häfele sein Versandzentrum. Erst in diesen Tagen nimmt ein weiteres Hochregallager den Betrieb auf. Und vor etwa einem halben Jahr kündigte das Unternehmen den Schritt auf die andere Seite der Robert-Bosch-Straße an. Auf den bis dahin noch vermieteten Gewerbeanlagen plant man ein neues Großprojekt. Einen hochtechnologisierten Gebäudekomplex kündigte Häfele an – der neue Logistik- und Produktionskapazitäten schaffen soll. Es sollen zudem auch Einrichtungen geschaffen werden, die auch Mitarbeitern anderer Firmen auf dem Wolfsberg zugute kommen sollen. Das als "Häfele Dynamik Zentrum" bezeichnete Gebäude soll ab Ende dieses Jahres entstehen. Derzeit geht man von einer Bauzeit von fünf Jahren aus. Über die genauen Kosten ist noch nichts bekannt, doch ist die Rede von einem "zweistelligen Millionenbetrag im oberen Bereich".

Erweiterungsflächen

Und nicht nur Häfele kann sich auf dem Wolfsberg weiterentwickeln. Es gibt noch freie Flächen. "Zum Großteil sind das Erweiterungsflächen, die sich im Besitz dort angesiedelter Unternehmen befinden", teilt die Stadt Nagold mit. So entsteht derzeit auch der "vorläufig letzte Erweiterungsabschnitt" im nordöstlichen Teil des Industriegebietes. Auch hier gilt, dass diese Flächenreserven für bereits angesiedelte Unternehmen vorgehalten werden.

Ein weitere wichtiger Schritt für die Entwicklung des Gewerbestandorts ist ebenfalls in der alten Luftaufnahme von 1968 noch nicht zu sehen. Nach langwierigen Planungen, zähen Verhandlungen, Prozessen und Protesten wird im Oktober 2003 mit dem Bau des Nagolder Autobahnzubringers begonnen. Diese Landesstraße begrenzt heute das Industriegebiet Wolfsberg und dient auch für Mötzingen als Umfahrung. Zudem bildet sie die Grenze des Nagolder und des Mötzinger Gewerbe-Areals.