Vor 50 Jahren fand das erste „Frauerächt“ der Wiler Rätschgosche im Schwanensaal in Alt-Weil statt. Heute gehört diese Veranstaltung ganz selbstverständlich in den Reigen der buurefasnächtlichen Veranstaltungen.
Das war nicht immer so. 1971 hatte Ellen Kontowski die Idee, mit Gleichgesinnten eine Frauen-Clique zu gründen. Franzi Lang, Trudi Schöne und Erna Weiß, drei gestandene Frauen, um nur einige zu nennen, waren sofort von dieser Idee begeistert.
Aber – heute undenkbar – die Damen mussten sich zuerst die Erlaubnis der Zunftmeister erbitten. Erst, nachdem diese zugestimmt hatten, konnte mit „viel Frauenpower“ Fasnacht gefeiert werden.
Frauen mussten „schwergewichtig“ sein
Allerdings, die Frauen hatten damals ein wichtiges Aufnahmekriterium: Die Damen mussten „schwergewichtig“ sein, um mitmachen zu dürfen.
Rot-Weiß und Blau-Weiß kariert, ein Kleid mit einem langen Rock, dazu eine Larve, die ein neugieriges, geschwätziges Frauengesicht zeigte, graue Haare und ein geschmückter Hut, so sah das Kostüm aus.
Zwischenzeitlich sind die Rätschgosche in einem Rock in dunkel glänzendem Rot und einem zartblauen Cape darüber unterwegs. Die Larve wirkt, trotz ihres großen Mundes, der schließlich zum „Rätschen“ gebraucht wird, edel.
Aus einem grauen wurde ein schwarz-roter Haarschopf
Auch die Haarfarbe hat sich verändert. Ein schwarz-roter Wuschelkopf mit einem kleinen Hütchen ziert die Larve. Ja, und noch etwas hat sich verändert. Heute sind die zehn aktiven Rätschgosche rank und schlank.
Beim Jubiläumsball am Mittwoch füllte sich der Saal im Alten Rathaus schnell mit vielen närrisch verkleideten Besuchern. Oberrätsche Birgit Hinze-Rauchfuß stellte fest, Frauen und Männer im Alter bis zu 80 Jahren seien unter den Gästen. Überhaupt: „Fasnacht ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung“.
Stolz auf die lange Geschichte
Unter den Besuchern befanden sich auch einige der ehemaligen Rätschgosche. Trotz Änderungen und Auflagen habe das Frauenrecht weiter Bestand, darauf sei man stolz.
Freuen konnten sich die Rätsche über einen Geburtstagskuchen. Kaum spielte die Band JBC auf, füllte sich die Tanzfläche, was auch den ganzen Abend lang so blieb. Mit einem Gedicht über, wie könnte es anders sein, die „Fehlkonstruktion Mann“, eröffnete Katja Mattern, eine ehemalige Rätsche, das Programm.
Wie das Paarleben so spielt
Dass dies den anwesenden Frauen gefiel, war klar. Auch der Sketch von Mattern und Harald Novotny, in dem sie ein Paar spielten, das sich vor einer wichtigen Rede erst einmal Mut antrinkt, kam sehr gut beim Publikum an.
Ein Ehepaar, das sich darum streitet, wer auf der linken Seite des Bettes liegen darf, spielten Mattern und Novotny überzeugend. Irgendwann trat dann aber der Verkäufer auf den Plan und wollte wissen, ob das Paar nun das Bett kaufen wolle.
Männer gehören heute dazu
Das bunte Narrenvolk, unter dem sich auch als Frauen verkleidete Männer befanden, feierte zünftig. Auch das war in den Anfängen nicht so.
Die Frauen waren damals unter sich, tanzten, sangen, führten Sketche auf und wehe, ein Mann verirrte sich in den Schwanensaal: Dem erging es schlecht. Er musste bezahlen und seine Krawatte wurde ihm demonstrativ abgeschnitten. Heute gehören Männer ganz selbstverständlich als Besucher zum Frauenrächt.
Rhy Pirate unterhalten mit Schnitzelbank
Leider fiel der traditionelle Tanz der Alti Fabriknäscht Clique aus. Dafür entschädigten die Rhy Pirate mit ihrem Schnitzelbankvortrag das erwartungsvolle Publikum. „Was haben Frauen und das Frühstück gemeinsam?“ fragte Rhy Pirat Stefan Arndt. Für die charmante Antwort gab es viel Beifall, denn die lautete: „Ohne Speck geht es nicht“. Schließlich brachte die Guggemusik Notehobler die Wände im Gewölbekeller des Alten Rathaus mit super Guggemusik zum wackeln. Die närrischen Besucher feierten noch lange im Saal und an der Bar und genossen das bunte Frauenrächt.