Auch nach der Schließung von Volz Busreisen zum 31. August werden die Schüler eine Anbindung zur Schule haben wir hier nach Althengstett zum dortigen Schulzentrum. Foto: Thomas Fritsch

Nach der Schließung von Volz Reisen zum 31. Juli gibt es Neuerungen. Das Landratsamt erklärt, was sich nun ändert.

Strukturen werden im ÖPNV aufgebrochen, wenn sich die Fahrgastzahlen ändern, wenn auf neue Anforderungen wie den Betriebsstart der Hermann-Hesse-Bahn reagiert werden muss oder die Tatsache, dass ein Busunternehmen schließt.

 

Unlängst hatte Gisela Volz, Geschäftsführerin von Volz Reisen in Hirsau, die Schließung des Betriebs zum 31. Juli angekündigt.

„Das ändert unsere Geschäftsgrundlage“

Dass die seit 1. Februar zwischen Calw und Weil der Stadt verkehrende Hermann-Hesse-Bahn (HHB) nach und nach den Kern des Liniengeschäfts von Volz übernehmen würde, war freilich keine Überraschung.

„Das ändert unsere Geschäftsgrundlage. Für mich war schon vor Jahren klar, dass ich mit dem Start der Hesse-Bahn raus bin“, hatte die Geschäftsführerin sich nach Bekanntwerden der Schließung ihres Betriebs gegenüber unserer Redaktion geäußert.

Linie 670 Calw – Weil der Stadt

Die Linie 670 von Calw nach Weil der Stadt wird von Volz Reisen täglich von 4.30 bis 0.30 Uhr im Halbstunden-, ab 20 Uhr im Stundentakt bedient. Volz transportiert Fahrgäste auch von Bad Liebenzell nach Weil der Stadt und Schüler des Maria-von-Linden-Gymnasiums, der Seeäckerschule sowie des Schulzentrums Althengstett.

„Im Zuge der Hermann-Hesse-Bahn wird der Busverkehr im Korridor neu strukturiert. Hier gilt es zum einen, Simmozheim weiterhin an den ÖPNV und die S-Bahn in Weil der Stadt anzubinden, zum anderen, mögliche Zubringerverkehre zur Hermann-Hesse-Bahn zu schaffen. Derzeit läuft hierzu ein formales Verfahren, um Verkehrsunternehmen mit den Verkehren beauftragen zu können. Dies ist noch nicht abgeschlossen“, teilt Mara Müssle, Pressesprecherin des Calwer Landratsamts, auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Linien 663 und 664 (Schülerbusse)

Was wird künftig aus den Linien 663 und 664, also den bisherigen Volz-Fahrten zum Maria-von-Linden-Gymnasiums und zur Seeäckerschule in Stammheim? Und aus denen zum Schulzentrum in Althengstett, die bisher von Volz bedient wurden?

Von der angekündigten Schließung des Hirsauer Unternehmens sind die Fahrpläne von Hirsau – Bad Liebenzell – Monakam – Unterhaugstett – Möttlingen und Ernstmühl zum Schulzentrum Althengstett, von Holzbronn – Gechingen – Stammheim – Heumaden sowie von Neuhengstett und Ottenbronn, ebenso von Simmozheim zur Althengstetter Bildungseinrichtung betroffen.

„Selbstverständlich bleiben die Schullinien bestehen, so dass die Schülerinnen und Schüler weiterhin eine Anbindung zu den Schulen haben. Auch hier wurde die Planung überarbeitet: Die Linie in Richtung Althengstett wird künftig als Linie 662 geführt. Die Linie zwischen Gechingen und Stammheim bleibt weiterhin als Linie 672 erhalten und bietet künftig mehr Fahrten als bisher, um auch unter der Woche den Jedermann-Verkehr an die Hermann-Hesse-Bahn anzuschließen“, äußert sich Müssle weiter.

Linie 880 Bad Liebenzell – Weil der Stadt

Auch die Linie 880 Bad Liebenzell – Möttlingen – Weil der Stadt wird noch bis Ende Juli von Volz bedient. Müssen Fahrgäste aus diesem Bereich künftig aber erst mit dem Bus nach Calw gefahren werden, um dort die Hesse-Bahn nach Weil der Stadt erreichen zu können?

„Diese Linie bleibt weiterhin in ihrer heutigen Form bestehen. Sie dient nicht der Anbindung an die Hermann-Hesse-Bahn, sondern der Anbindung von Bad Liebenzell an Weil der Stadt“, gibt Müssle an. Die Bedienzeiten würden ausgeweitet, „so dass die Linie künftig zwischen 5 und 22 Uhr eine Verbindung gemäß unserem aktuell vorliegenden Nahverkehrsplan schafft“.

Was wurde aus dem „Calwer Weg“?

Vor rund 15 Jahren war im Kreis Calw damit begonnen worden, flächendeckend auf ein stündliches ÖPNV-Angebot hinzuarbeiten – mit dem von regionalen Busunternehmen aus der Taufe gehobenen Kooperationsmodell „Calwer Weg“ – das nicht auf Wettbewerb, sondern auf die Zusammenarbeit der vor Ort agierenden Busunternehmen setzte.

Der Busverkehr sollte fortan besser werden und, wenn möglich, auch noch weniger kosten – mehr Effizienz bei konstantem Einsatz öffentlicher Mittel das Angebot aufrecht zu erhalten, möglichst noch zu verbessern, hieß damals das Ziel der Kreisverwaltung.

Dazu erklärt Müssle: „Das Kooperationsmodell wurde flächendeckend in den fünf Planungsräumen ab dem Jahr 2011 umgesetzt. Alle Räume wurden gemeinsam mit und durch die Busunternehmen beplant. Aufgrund der Veränderungen im Unternehmensmarkt im Landkreis wurde mit Ablauf der Genehmigungslaufzeiten und vor dem Hintergrund des Nahverkehrsplan 2016 schrittweise begonnen, die Verkehre in den Planungsräume im wettbewerblichen Weg zu vergeben. Hintergrund dessen war die Zielsetzung des Kreistags, flächendeckend ein stündliches ÖPNV-Angebot zur Verfügung zu stellen, was unter den vorliegenden Rahmenbedingungen nicht mehr im Wege sogenannter eigenwirtschaftlicher Verkehre möglich ist.“

Der „Calwer Weg“ habe sozusagen mit den ersten Vergaben, deren Umsetzung seit 2021 erfolge, geendet.