Die nach wie vor hohen Preise für Kraftstoff sind auch für die Busunternehmen im Zollernalbkreis eine Herausforderung. Unser Foto zeigt einen Bus am Obertorplatz in Hechingen. Foto: Alexander Kauffmann

Die Kraftstoffpreise sind kräftig gestiegen. Und das merken auch die Busunternehmen im Zollernalbkreis.

Der Dieselpreis eilt von Höchststand zu Höchststand. Seit dem Ausbruch des Irankriegs kennen die Preise nur noch eine Richtung – und die geht kontinuierlich nach oben.

 

Wie sich der Mittwochnacht errungene Waffenstillstand samt vorübergehender Öffnung der Straße von Hormus auf die Preise an den Tankstellen auswirkt, ist noch offen. Autofahrer können ein Klagelied darüber singen, wenn sie die Anzeige an der Zapfsäule nach oben schnellen sehen. Aber nicht nur sie. Auch die Bus-Unternehmen im Zollernalbkreis sind betroffen.

Jörg Schürmann vom gleichnamigen Bus-Unternehmen „Wiest und Schürmann“ mit Sitz in Hechingen sagt über die hohen Spritpreise: „Ganz klar ist das eine Belastung für uns“, schließlich sind die Preise pro Liter „exorbitant gestiegen.“

Ähnlich äußert sich Stefan Komma, Geschäftsführer von Eissler Reisen mit Sitz in Albstadt-Pfeffingen: „Nach den Personalkosten sind die Ausgaben für Diesel der zweitgrößte Kostenanteil in unserem Betrieb“, erläutert Komma auf Anfrage unserer Redaktion.

Für Eissler Reisen bedeute das seit der Eskalation im Nahen Osten circa 40 Prozent mehr an Spritkosten pro Monat, die vom Staat nicht ausgeglichen werden. Auf Dauer könne ein Betrieb diese Mehrkosten nicht aus eigener Kraft kompensieren.

Steuerliche Entlastung gewünscht

Auf die Frage, wie Busunternehmen entlastet werden können, bringt Stefan Komma den vorübergehenden Wegfall der CO2-Abgabe sowie die Senkung der Energiesteuer ins Spiel. „Eine Befristung auf ein paar Monate würde hier mit Sicherheit eine enorme Entlastung für die Unternehmen bringen.“ Auch Speditionen und andere Transportunternehmen, die auf Kraftstoff angewiesen sind, könnten von diesem politischen Hebel profitieren, ist sich der Geschäftsführer von Eissler Reisen sicher.

Das Pfeffinger Unternehmen bietet unter anderem Busreisen als Pauschalreisen an, bedient zugleich aber auch Teile des Linienverkehrs in der Stadt. Bei bereits gebuchten Reisen habe Eissler bisher davon abgesehen, die gestiegenen Kraftstoffpreise an die Kunden weiterzugeben. Das wäre bei Pauschalreisen um bis zu acht Prozent möglich, sofern dies in den AGB eines Veranstalters angegeben sei, informiert Komma.

Doch er gibt auch zu bedenken: „Die Kalkulationen für das Jahr 2027 müssen bei anhaltend hohen Spritkosten selbstverständlich angepasst werden.“

Bezüglich des Linienverkehrs hatte vergangene Woche bereits der Verband baden-württembergischer Omnibusunternehmen davor gewarnt, dass es bei anhaltend hohen Spritpreisen zu Einschnitten insbesondere im ländlichen Raum kommen könne. Diese Einschätzung teilt auch Stefan Komma: „Tatsächlich kann es nicht ausbleiben, dass bestimmte Linienverkehre, welche hauptsächlich in Eigenwirtschaft erbracht werden, gekürzt oder gar gestrichen werden müssen.“ Dies sei aber natürlich davon abhängig, wie lange dieser Nahost-Konflikt mit all den daraus resultierenden Folgen anhalte.

Kalkulation anpassen

Die hohen Preise an den Zapfsäulen belasten auch Gerth Touristik mit Sitz in Bitz. Inhaber Andreas Gerth, der das Unternehmen im Nebenerwerb führt, betont, dass er die aktuellen Entwicklungen bei der Kalkulation der Preise für das kommende Jahr berücksichtigen müsse. Für bereits gebuchte Reisen erhöhe er den Preis aktuell jedoch nicht.

In der derzeit für Busunternehmen schweren Zeit verzichtet Gerth jedoch bewusst auf Forderungen an die Politik: „Den Schrei nach staatlichen Unterstützungen finde ich unangebracht“, erklärt Gerth und begründet dies damit, dass der Staat Busunternehmen in der Vergangenheit in verschiedenen Bereichen stark subventioniert habe.

Appell an Kollegen

Der Bitzer Unternehmer appelliert an seine Kollegen, sich der schwierigen Situation zu stellen. Perspektivisch könnten solche Krisen auch Einfluss auf unternehmerische Grundsatzentscheidungen haben.

Für den Linienverkehr biete sich beispielsweise verstärkt der Einsatz von E-Bussen an. Kombiniert mit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Fahrzeughallen könnte dies eine nachhaltige und derzeit günstigere Alternative darstellen. Im Zollernalbkreis hinke man diesbezüglich jedoch hinterher, betont Andreas Gerth weiter. Das familiengeführte Busunternehmen Maas Reisen in Balingen deckt nicht nur den Linienverkehr in der Eyachstadt ab, sondern bietet auch Busreisen in die verschiedensten Gegenden Europas an.

Zur derzeit angespannten Spritpreislage hält sich Geschäftsführer Thomas Maas aktuell bedeckt. Er betont aber: „Wir werden unsere Fahrten im Linien- und Reiseverkehr trotz der aktuellen Situation wie geplant durchführen.“

Von den hohen Preisen ist auch die Hohenzollerische Landesbahn betroffen, deren Züge ebenfalls mit Diesel fahren. Der Betreiber, die SWEG, teilt auf Anfrage mit: „Die aktuellen Marktpreise wirken sich in beiden Fällen unmittelbar auf unsere Kosten aus.“ Das Unternehmen setze derzeit verstärkt auf energiesparendes Fahren, um den Kraftstoffverbrauch zu optimieren.