Rund 120 SWEG-Beschäftigte waren am Dienstagmorgen dem Verdi-Aufruf gefolgt und nahmen bei einer Streikversammlung auf dem Betriebsgelände in Lahr teil. Foto: Verdi

Pendler, Schüler und ihre Eltern schauten am Dienstag in die Röhre – der Warnstreik bei der SWEG hat in der Ortenau für ordentlich Wirbel gesorgt. Die Landesverkehrsgesellschaft gibt sich gefasst, Verdi zieht ein durchweg positives Fazit.

Nur n och im Schneckentempo ging es für Pendler am Dienstagmorgen rund ums Offenburger Ei vorwärts. Der Verkehr zur Autobahn staute sich am Morgen bis weit auf die B 3 und den Südring. Offenbar waren viele Ortenauer aufgrund der Streikankündigung aufs eigene Auto umgestiegen.

 

Zudem sorgte eine große Baustelle am „Stadtbuckel“ für weiteres Verkehrschaos – in der Konsequenz waren die Straßen zwischen Innenstadt und A 5 voll.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte für Dienstag zu einem ganztägigen Warnstreik bei der Landesverkehrsgesellschaft SWEG mit Sitz in Lahr aufgerufen. Diese gab sich am Dienstagnachmittag eher unbeeindruckt von den Folgen.

Busse bleiben in Lahr, Offenburg und Kehl im Depot

„Wir hatten mit erheblichen Auswirkungen gerechnet, so kam es dann auch“, konstatierte SWEG-Sprecher Christoph Meichsner im Gespräch mit unserer Redaktion. Konkret bedeutet das: Am Dienstag fuhren in Lahr, Offenburg und Kehl gar keine SWEG-Busse im Stadtverkehr. Auf der Achertalbahn (Achern-Ottenhöfen) und der Harmersbachtalbahn (Biberach-Oberharmersbach) kam der Zugverkehr gänzlich zum erliegen. Bei den SWEG-Zügen, die auf Strecken der Bahn-Tochter Infra Go verkehren, konnte in der Regel ein Notbetrieb angeboten werden. Das betraf im Ortenaukreis die Europabahn (Offenburg-Straßburg) und die Kinzigtalbahn (Offenburg-Hornberg/Hausach-Freudenstadt).  „Ab morgen wird der Verkehr wieder nach Fahrplan laufen“, zeigte sich SWEG-Sprecher Meichsner am Dienstagnachmittag überzeugt.

Von den ausgefallenen Bussen waren am Dienstagmorgen vor allem die Schüler und deren Eltern betroffen. Das ganz große Chaos schien dabei jedoch ausgeblieben zu sein. „Beim Staatlichen Schulamt Offenburg gingen keinerlei Meldungen ein“, erklärte dessen stellvertretende Leiterin Barbara Kempf. „Die Schulen waren vorab informiert worden und konnten so bereits gestern das Notwendigste organisieren.“ Wobei mutmaßlich den größeren Organisationsaufwand die Eltern der Schüler hatten, die kurzfristig Fahrgemeinschaften bilden mussten.

Ab Mittwoch rollen Busse und Züge wieder normal

Das Fazit bei den Organisatoren des Warnstreiks in der Ortenau fiel derweil sehr positiv aus: „Wir hatten eine gute Beteiligung am Streik“, erklärte etwa Verdi-Gewerkschaftsekretärin Melanie Kühn am Dienstagnachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie selbst war in Offenburg beim Streik der Beschäftigten bei der Ortenau-S-Bahn mit dabei. „Grob geschätzt“ zwischen 30 und 50 Beschäftigte hätten sich dort an der Arbeitsniederlegung beteiligt. „Ich gehe von rund 60 Prozent Ausfällen aus“, konstatierte sie im Nachgang – am Nachmittag eher noch mehr.

Streikführer Franz Faißt berichtete von rund 120 Teilnehmern einer Streikversammlung auf dem SWEG-Betriebsgelände in Lahr. „Die Beschäftigten kamen von den Standorten Lahr, Kehl und Schutterwald – die Stimmung war gut“, erläuterte er im Nachgang. Die Enttäuschung sei jedoch spürbar groß, dass die erste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband Deutsche Eisenbahnen nicht erfolgreich verlief (siehe Info).

Auch Gewerkschaftssekretärin Melanie Kühn berichtete vom Frust der SWEG-Beschäftigten. Ihnen sei beim zurückliegenden Tarifabschluss für die jetzt noch zu erzielende Einigung eine Inflationsausgleichszahlung in Höhe von 1300 Euro zugesichert worden. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber sehe jedoch nur 600 Euro vor. „Das finden die Kollegen nicht in Ordnung“, so Kühn. Darum seien die Beschäftigten auch bereit, sich weiter für ihre Forderungen stark zu machen.

Die Forderungen

Hintergrund des Warnstreiks ist der seit Ende September abgelaufene Eisenbahn-Tarifvertrag. Darüber befindet sich Verdi derzeit in Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Deutsche Eisenbahnen. Das Angebot in der ersten Verhandlungsrunde, das tabellenwirksam eine Erhöhung um drei Prozent im April 2025 vorsieht bei einer Laufzeit von 24 Monaten, bezeichnet Verdi als „völlig unzureichend“. Die Gewerkschaft fordert ab sofort 350 Euro mehr pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Inflationsprämie in Höhe von 1300 Euro. Die Verhandlungen werden am 11. November fortgesetzt.