Die Situation um den Busverkehr in Wildberg spitzt sich zu. Nicht nur fahren die Busse zu spät oder gar nicht: Eltern sehen ihre Kinder auf dem Schulweg mittlerweile als gefährdet. Grundschüler stehen 40 Minuten unbeaufsichtigt an einer Großbaustelle, es wird von Ohnmachtsanfällen im überfüllten Bus berichtet. Der Betreiber ignoriert unterdessen die Beschwerden.
Der Ärger um die Busse in Wildberg reißt nicht ab. Zu spät, kommt gar nicht, viel zu voll sind nur drei Dinge, die Eltern von Schülern an den Bussen bemängeln. Mittlerweile häufen sich Sorgen um die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg.
Stur weiter fuhr auch ein Busfahrer der Linie 540 von Wildberg nach Nagold, als im Bus eine Zehnjährige zusammenbrach. Er hielt nicht an, der Rettungsdienst wurde nicht gerufen. Um das Mädchen kümmerte sich schließlich ein anderer Schüler. Ein Einzelfall sei dieser Ohnmachtsanfall im übervollen Bus am Morgen nicht, berichten Schüler.
Etwa eine Woche später blieb ein Mädchen mit dem Fuß in der Tür hängen, so dass dieser herausragte, wird berichtet. Der Busfahrer hielt erst an, als Schüler ihn dazu aufforderten.
Grundschüler unbeaufsichtigt an Großbaustelle
Sorge macht auch die Baustelle am Bahnhof. Um 11.50 ist Schulschluss nach der 5. Stunde. Um 11.48 fährt der Bus 775 leer am Bahnhof ab. Der nächste kommt erst 40 Minuten später. Da die Grundschüler somit an einer Großbaustelle unbeaufsichtigt sind, holen die Eltern sie ab. Über die vielen Autos ärgern sich dann die Busfahrer. Sie selbst sei deshalb schon von einem Busfahrer angeschrien worden. erzählt Mutter Nadine Liedemann.
Genauso ungünstig ist die Verbindung für die Neubulacher Schüler. Der Anschluss am Bildungszentrum fährt genau dann, wenn sie pünktlich dort ankommen. Für Sulzer Schüler bedeutet das nach der Mittagsschule 90 Minuten Reise, erzählt eine weitere Mutter.
Beschwerden gibt es auch über die 759. Eigentlich war diese Linie als Entlastung für die zu vollen Busse gedacht, die über den Wächtersberg fahren und aus Platzmangel auch mal Schüler stehen ließen. Nur: Wann und ob sie tatsächlich über den Wächtersberg fährt, scheint eher Glücksspiel.
Nadine Liedemann erzählt, dass ihre Tochter tränenüberströmt zurückkam, da es wieder Probleme mit der 775 gab. Das Mädchen rannte dann von zuhause zurück, um die 759 zu erreichen. Die kam gar nicht. Als Liedemann ihre Tochter zur Schule brachte, entdeckte sie dort den Bus. Der Fahrer erklärte demnach: Er fahre nie über den Wächtersberg. Ungeklärt ist dabei der Versicherungsschutz. Kinder, die nach Hause zurücklaufen, verlassen den direkten Schulweg und begeben sich damit versicherungsrechtlich in einen Graubereich.
Der Wächtersberg ist mit dem Haltestellen-Glücksspiel kein Einzelfall. Andrea Aye berichtet, dass Haltestellen, zum Beispiel die Calwer Straße in Nagold, nicht angefahren und ausgelassen würden, obwohl dort Schüler warteten.
Da die Busse in der Regel zu spät kommen, fahren die Eltern ihre Kinder fast täglich. Wie die Eltern den Grund ihrer Verspätung bei ihrer Arbeitstelle belegen können, ist bislang ungeklärt.
Liedemann und Aye sehen in den ständig ausfallenden und unzuverlässigen Bussen außerdem eine „nichterbrachte Leistung.“ Das Ticket kostet die Eltern im Monat 30 Euro. Fahren sie ihre Kinder gezwungenermaßen, kommen die Eltern zusätzlich allein für die Tankkosten auf.
Aye erzählt von der Belastung, die die Unsicherheit mit sich bringt. „Ich stehe morgens auf und hoffe, dass niemand anruft“. Jeden Morgen sei sie angespannt, bis sie wisse, dass sie keines ihrer drei Kinder fahren muss.
Landratsamt verweist auf Baustellen
Das Landratsamt erklärt dazu auf Anfrage: „Auslöser sind die Baumaßnahmen in Wildberg, die derzeit einen ordentlichen Fahrplan nicht zulassen, da die Umleitungsstrecke 20 Minuten je Richtung in Anspruch nimmt. Mit Abschluss der Baumaßnahme werden die vorherigen Fahrpläne, mit denen die Schülerbeförderung funktioniert hat, wieder umgesetzt.“ Dem widersprechen Liedemann und Aye entschieden. Probleme gab es schon lange vorher, seit zwei Jahren würden sie um ordentliche Verbindungen kämpfen.
Beschwerden bei der RAB, einer Tochter der deutschen Bahn, verlaufen im Sand. Es gibt keine Rückmeldungen auf die Beschwerden der Eltern. Auch für unsere Redaktion ist die Kontaktaufnahme schwierig. Eine offizielle Pressestelle ist nicht auszumachen. Unsere Anfrage landet schließlich bei einem Pressesprecher der Deutschen Bahn in Berlin. Dieser stellt eine Rückfrage, lässt unsere Anfrage dann aber unbeantwortet.