Hari kommt aus Indien und arbeitet seit Mai als Busfahrer in Hechingen. Foto: Martina Hoffmann

Von den vielen Herausforderungen als Busfahrer erzählt Geschäftsführer Jörg Schürmann. Er wünscht sich mehr Anerkennung für den Beruf und spricht außerdem über die Arbeitsbedingungen beim Hechinger Busunternehmen HVB Wiest + Schürmann.

Im monströsen Gefährt an parkenden Autos vorbeifahren müssen, das sei wohl das Schwerste an seinem Beruf. Hari ist seit Mai Busfahrer bei HVB Wiest + Schürmann in Hechingen. Der 39-Jährige stammt aus Indien, spricht bislang nur Englisch. Aber: Er lernt gerade Deutsch, auch seine Frau in Indien bereitet sich darauf vor, ihrem Mann nach Deutschland zu folgen. Wann es so weit sein wird? Vielleicht nächstes Jahr, meint Hari und erklärt, dass ihm sein Job sehr dabei helfe, dass seine Familie bald nachkommen kann. Und Spaß mache es, das natürlich auch.

 

270 Busfahrer beschäftigt das Hechinger Busunternehmen, davon elf aus dem Ausland. Ihnen bietet HVB Deutschkurse an und hilft außerdem bei der Wohnungssuche. „Wir freuen uns, weil wir wissen, dass sie dann bei uns bleiben“, sagt Geschäftsführer Jörg Schürmann über die zugewanderten Mitarbeiter. Trotzdem sei das Personal knapp, stets suche man nach weiteren Fahrern, insbesondere für die morgendlichen Fahrten.

Ein Busführerschein ist Voraussetzung

Mit einem „Tag des Busses“ am vergangenen Samstag, 21. September, hat das Hechinger Busunternehmen genau das versucht: Besucher durften sich in Begleitung eines Fahrlehrers einmal selbst hinters Steuer setzen und erfahren, wie schwer es ist, den Personentransporter aus einer Einfahrt zu bewegen – schließlich sitze man, anders als im Auto, hinter der Achse, so Schürmann. Der Tag sei vielversprechend gewesen, zwei Personen hätten bereits ihr Interesse bekundet, als Busfahrer bei HVB Wiest+Schürmann zu arbeiten.

Doch welche Voraussetzungen braucht es eigentlich, um diesen Beruf auszuüben? Jörg Schürmann klärt auf: „Die Hauptaufgabe vom Busfahrer ist, dass er die Linie fährt.“ Dafür benötige man einen Busführerschein; für das Fahren von Reisebussen ist zusätzlich ein Anhängerführerschein vonnöten. Da der Beruf des Busfahrers mittlerweile als Mangelberuf angesehen werde, würden die Kosten für den Führerschein sogar manchmal vom Arbeitsamt oder durch ein Arbeitgeberdarlehen bezahlt werden.

Busfahrer fahren auf mehreren Linien

Schürmann erklärt weiter, dass sich alle Busfahrer seines Unternehmens dann noch einer Einweisung unterziehen müssen: Wie funktioniert der Fahrscheindrucker, welche Tarifbestimmungen und „Bus-Regeln“ gelten und wo befinden sich die Tankdeckel am Bus? Zusammen mit einem erfahrenen Fahrer lernen die Anwärter schließlich die Linien kennen – in ihrem Berufsalltag fahren sie ständig verschiedene Strecken ab.

Fahrer mit einer „Riesenverantwortung“

In einem Schichtsystem fahren die Mitarbeiter dann mindestens 169 Stunden im Monat, andere Arbeitsmodelle wie Teilzeit oder Minijob seien ebenfalls möglich, so Schürmann. Und was verdient ein Busfahrer? 20,28 Euro pro Stunde, zuzüglich der Zuschläge, erklärt der Geschäftsführer.

Ihm sei es dabei besonders wichtig, dass die Fahrer stets mit Respekt behandelt werden, denn: „Sie haben eine Riesenverantwortung.“ Trotzdem müssten sich die Mitarbeiter immer wieder Beleidigungen anhören. Auch der Vorwurf der Unpünktlichkeit halte sich hartnäckig.

Jörg Schürmann hält dagegen: „Wenn man schon das Auto stehen lässt, weil es beispielsweise glatt ist, wie soll dann der Bus pünktlich sein?“ Auch für unvorhergesehene Baustellen könne der Fahrer nichts, immerhin „kann er nicht fliegen“.

Hinzu kämen der zunehmende Verkehr, die Gefahr durch E-Roller und natürlich das Geschrei im Bus selbst. Für Beschwerden von Fahrgästen habe Jörg Schürmann trotzdem Verständnis, aber er weiß auch, dass seine Busfahrer viel zu schultern haben. Das Interesse am Beruf zeigt ihm aber auch, wie viel Spaß das Busfahren macht.