Das Landesverkehrsministerium hat die Stimmung im Nahverkehr in Baden-Württemberg abgefragt. Einige Ergebnisse sind überraschend – und einige ein bisschen skurril.
Wie fühlen sich die Fahrgäste im Land in Bus und Bahn? Zur Beantwortung dieser Frage hat das Landesverkehrsministerium in eine Online-Umfrage für seine Landesmarke bwegt investiert, die differenziert nach Landkreisen und kreisfreien Städten nach teils so ungewöhnlichen Dingen gefragt hat wie: „Hat Ihnen ein anderer Fahrgast schon einmal ein Kompliment gemacht?“
Die Ergebnisse sind an manchen Stellen erhellend, gelegentlich wirken sie beim Vergleich der Regionen im Land fast ein bisschen skurril. Manchmal scheinen eher lokale Mentalitäten als harte Fakten eine Rolle spielen.
Welche Rolle spielt die örtliche Mentalität?
Es gibt beispielsweise keine Verbindung zwischen der Tatsache, ob in städtischen Gebieten der öffentliche Nahverkehr ausgebaut ist, oder ob man auf dem flachen Land lange auf den Bus warten muss. So erreichen die großen Städte erwartungsgemäß Bestnoten. In Karlsruhe sind 87 Prozent mit Bus und Bahn sehr zufrieden oder eher zufrieden, in Stuttgart 85,4 Prozent und in Heidelberg und Mannheim 78,5 beziehungsweise 74,9 Prozent.
Zufriedene Calwer
Warum aber Menschen im Landkreis Calw zu 94,3 Prozent zufrieden sind, im Landkreis Tuttlingen nur zu 5,2 Prozent bleibt das Geheimnis der Meinungsforscher von Civey. Auch die Tatsache dass im Zollernalbkreis angeblich nur 9,9 Prozent das Verhalten des Fahrpersonals positiv bewerten, im direkt benachbarten Kreis Tübingen aber 87,2 Prozent, wirft Fragen auf.
Menschen mit mehr Geld sind weniger zufrieden mit dem ÖPNV
Vielleicht liegt das daran, dass man für die Untersuchung 2500 Antworten auf 44 Kreise aufteilen musste und bei einem Durchschnitt von 57 Befragten je Kreis die Ergebnisse eine schmale Grundlage haben. Die landesweiten Antworten bieten aber einige erhellende Erkenntnisse.
So gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und dem Urteil über den Nahverkehr: Je niedriger das Einkommen, umso zufriedener, je wohlhabender, umso kritischer. So sind 78,1 Prozent der Menschen mit sehr niedrigem Einkommen mit Bus und Bahn zufrieden, aber nur 47,1 Prozent mit sehr hohem Einkommen.
Nachhaltigkeit wichtig bei ÖPNV-Fahrgästen
Einen klaren Zusammenhang mit dem Alter gibt es bei der Frage, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit bei der Wahl des Verkehrsmittels ist. Die Altersgruppen über 40 Jahre bejahen dies mehrheitlich, am meisten 40- bis 49-Jährige mit 65,6 Prozent. Je jünger die Gruppe, umso mehr lässt dieser Aspekt die Fahrgäste gleichgültig. Nur 31,3 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nennen dies als Grund, dass sie Bus und Bahn benutzen.
Das Bild besonders großer Unsicherheitsgefühle in Großstädten wird nicht bestätigt. So halten 68,2 Prozent der Stuttgarter oder 63,6 Prozent in Karlsruhe die Sicherheit für gut, im Landkreis Biberach sind es hingegen nur 12,9 Prozent. Dass aber der direkte Nachbarkreis Sigmaringen auf einen Wert von 85,7 Prozent kommt, erstaunt dann doch.
Pünktlichkeit wichtiger
Pünktlichkeit im Nahverkehr wichtiger als Schnelligkeit
Den Fahrgästen ist Pünktlichkeit wichtiger als Schnelligkeit. 85,5 Prozent finden es wichtig, dass der Fahrplan eingehalten wird. Nur für 54,2 Prozent ist wichtig, wie zügig sie ankommen.
Positiv für das Klima im Nahverkehr ist demnach der Umgang der Fahrgäste untereinander. Fast die Hälfte der Befragten (44,6 Prozent) hatte schon einmal ein nettes Gespräch mit einem anderen Fahrgast. Ein knappes Drittel (31,5 Prozent) berichtet davon, dass ihnen jemand einen Sitz angeboten hat.
Lörracher sind besonders nett im ÖPNV
In Stuttgart haben übrigens mehr Menschen schon einmal ein Kompliment von einem anderen Fahrgast erhalten als etwa im als lebensfroh geltenden Oberschwaben. In der Landeshauptstadt berichten 8,9 Prozent von einem solchen Erlebnis, im Kreis Sigmaringen sind es nur 1,1 Prozent. Am charmantesten zeigt sich der Kreis Lörrach, wo 18,2 Prozent der Menschen schon einmal diese Erfahrung gemacht haben.