Auf der Schwarzwaldbahn zwischen Offenburg und Konstanz ist der Wurm drin. Schon wieder wird dort die Geduld der Bahnreisenden strapaziert.
Schwarzwald-Baar-Kreis - Seit dem Wochenende verkehrt die Schwarzwaldbahn nur noch im Zwei-Stunden-Takt.
Schon wieder neuer Ungemach
Gerade erst haben die Reisenden diese immer wiederkehrende Hiobsbotschaft verdaut, Ende Mai erst war die Bahn davor zum Stundentakt zurückgekehrt um nun doch wieder nur zweistündlich zu fahren – und schon wartet wieder neuer Ungemach: Zugausfälle und Ersatzverkehr ab Donnerstag, 30. Juni, zwischen Hausach und St. Georgen im Schwarzwald.
Die Sprecherin der Deutschen Bahn in Stuttgart, weiß um die Zumutung für die Fahrgäste. "Wir können uns nur für die Unannehmlichkeiten entschuldigen", sagt sie, um Verständnis werbend.
Trostpflaster am frühen Morgen
Immerhin hat sie ein "kleines Trostpflaster" für die von einer solchen Beeinträchtigung am schlimmsten tangierten Gruppen parat: zwei Züge, die durchfahren. "Für Pendler und Schüler" gebe es eine Verbindung, die um 4.51 Uhr in Konstanz startet und um 7.21 in Offenburg ankommt, sowie eine Verbindung in anderer Richtung, um 5.23 Uhr in Offenburg startend und um 8.10 Uhr in Konstanz eintreffend. Beide Züge fahren ebenso in dem jetzt gesperrten Streckenabschnitt und bedienen dort auch alle Haltestellen. Bei allen übrigen Fahrten heißt es: In Hausach, beziehungsweise St. Georgen aus dem Zug aus- und in den Bus einsteigen – die bis zu 60 Fahrminuten mehr, die dieser Schienenersatzverkehr bedeutet, sind dann natürlich hinzunehmen.
Was ist eigentlich los?
Doch was ist eigentlich los, auf der Schwarzwaldbahn, die eine der ältesten ist und deutschlandweit für ihre idyllische Streckenführung durch den Schwarzwald gelobt wird? Genau dort, in den Kurven, liegt der Hund offenbar begraben.
Die Pressesprecherin schildert das Problem eindrücklich: Es geht um den Abrieb der Zugräder, der ist zu stark – und woran das liegt, lässt sich aktuell nur mutmaßen. Die einen gehen von Materialfehlern aus, die anderen vermuten einen Defekt an der Infrastruktur, sprich: den Gleisen zwischen Hausach und St. Georgen.
Fest steht für die Fachleute jedoch in jedem Fall: Egal, ob nun die Gleise das Problem sind oder die Stahlräder der Züge – die kurvenreiche Fahrt zwischen Hausach und St. Georgen würde das Problem nur noch verschlimmern und kann den Zügen deshalb nicht mehr zugemutet werden, bis das Problem behoben ist. Und das gilt auch für Züge, an welchen bislang der Radsatzabrieb noch gar nicht zum Problem geworden ist – sind der Schwachpunkt nämlich die Gleise, träte der Defekt über kurz oder lang auch an diesen Rädern auf, und dann wäre das Bahn-Chaos perfekt: noch weniger Züge für den laufenden Betrieb, noch mehr kaputte Züge, noch größere Warteschlangen in den ohnehin schon sehr überlasteten Werkstätten.
Werkstätten sind der Knackpunkt
Letztere nämlich sind aktuell der Ausschlag gebende Punkt, stellt die Bahn klar: "Wir haben ein Kapazitätsproblem in den Werkstätten, das kriegen wir momentan nicht geändert." Zu viele Fahrzeuge gleichzeitig müssten dort gerade repariert werden. Dass die mit Stahl ummantelten Radscheiben, die für die Schwarzwaldbahn benötigt werden, aus der Ukraine stammen und deshalb immer wieder Lieferprobleme auftreten, verschärft die Problematik zusätzlich, sei aber nicht das Kernproblem, räumt die Presseverantwortliche im Gespräch mit unserer Redaktion ein.
Wie lange die Geduld der Schwarzwaldbahnfahrer noch strapaziert werden muss? "Ich weiß es leider nicht", sagt die Bahnsprecherin, selbst hörbar genervt. "Wir haben schon viel ausprobiert in der Vergangenheit" – man sei langsamer gefahren, habe geschmiert, die Werkstatt-Intervalle für die Fahrzeuge verkürzt, "das alles hat offenbar nicht geholfen". Deshalb werden nun auch Maßnahmen an der Infrastruktur geprüft, um den Abrieb möglichst zu reduzieren. Bis des Rätsels Lösung gefunden ist, heißt es für die Fahrgäste aber zwischen St. Georgen und Hausach ab dem 30. Juni und "bis auf Weiteres" erstmal: Raus aus dem Zug, rein in den Bus – "jede Zugfahrt dort wird durch Busse ersetzt", die Züge selbst fahren von Karlsruhe bis Hausach, beziehungsweise Konstanz bis St. Georgen, um dann wieder umzudrehen.