Da staunen die Burladinger nicht schlecht. Nach dem Abbruch der alten Fabrik in der Josengasse sieht man erst, wie riesig das Gelände ist. Wie geht es jetzt weiter?
Dass das Burladinger Gelände zwischen Josengasse und Schäfergasse auf dem die einst prosperierende Medard-Heim-Fabrik stand so riesig ist – die Burladinger und selbst Bürgermeister Davide Licht, sehen das zum ersten Mal.
In der Hochblüte der Textilzeit waren in dieser Fabrik nicht nur viele Burladinger beschäftigt. Die Textilindustrie in der Fehlastadt bot, so wie die in der größeren Schwesterstadt Albstadt, vielen Auswärtigen, Männer und Frauen, Arbeitsplätze. Und Medard Heim war ein Vorreiter. Er gründete 1884 die erste Textilfabrik und veränderte den Ort an der Fehla nachhaltig. Denn andere machten es ihm nach, die Textilindustrie versprach goldenen Boden. Damals wurde Burladingens Pendlerbilanz positiv. Das heißt, es kamen mehr Menschen zum Arbeiten in die Stadt als eigentlich in ihr wohnen.
Die Pendlerbilanz ist längst negativ
Das hat sich mit dem Niedergang dieser Industrie freilich längst geändert. Burladingen und auch die Stadtteile, in denen es einst viele Fabriken rund um Stoffproduktion, Zuschnitt und Textilfertigung und um Nadel und Faden gab, haben längst eine negative Pendlerbilanz. Um Arbeitsplätze zu finden, müssen die meisten Burladinger ihre Wohnstadt verlassen und in die Nachbarstädte gehen. Das stellt nicht nur die Bereitschaften der Feuerwehr-Abteilungen vor Nöte wenn es um die Tagesbereitschaft geht, es wirkt sich auch auf die Gewerbesteuer aus.
Auf der Suche nach einem neuen Medard Heim
Mit dem Abriss dieser alten Brache in der Josengasse, in der viele Jahre ein großer Second-Hand-Laden und auch die islamische Gemeinde untergebracht war, die jetzt im oberen Stock des Postgebäudes in der Bahnhofstraße residiert, könnte aber ein erster Schritt hin zu weiteren Arbeitsplätzen gemacht werden.
So jedenfalls sieht es der Chef der Stadtverwaltung Davide Licht und auch sein Gemeinderat. Ihnen schweben angesichts des bundesweiten Wohnraummangels und auch angesichts der Burladinger Bevölkerungsstatistik ganz Konkretes vor. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum für junge Familien und es fehlt den Senioren an behindertengerechten Wohnraum, in dem Barrierefreiheit ihnen eine unbeschwerte Alltagsroutine garantiert. Warum also nicht für Mehrgenerationenprojekte planen und ein Vorzeigeviertel entstehen lassen? Dafür wäre die Josengasse ideal. Nicht nur, dass es an der Ecke schon eine Metzgerei und fußläufig erreichbar auch eine Bäckerei gibt und die Rathaus-Gebäude in unmittelbarer Nähe sind. Nein, in der Josengasse selber gibt es ein nettes Eiscafé, eine Bushaltestelle und direkt gegenüber des Geländes die Sozialstation St. Franziskus. Und die will expandieren, hat schon bei der Einweihung des neuen Anbaus Interesse an weiteren Räumen angemeldet.
Einige Investoren, so hat es Bürgermeister Davide Licht erst im März dieses Jahres unserer Redaktion in einem Interview bestätigt, hätten schon bei der Stadt angeklopft. Jetzt hoffen die Burladinger, dass wieder einer vom Schlage eines Medard Heim darunter ist.