Tante M auf dem Lande. Dass die Läden zur Nahversorgung in Burladingen ohne Personal sind, wird immer mal wieder schamlos ausgenutzt. Wir sprachen mit dem neuen Betreiber.
Christian Gebert hat im Herbst des vergangenen Jahres die Tante-M-Geschäfte von Christian Maresch übernommen. Nun betreibt er die Läden in den Burladinger Ortsteilen Gauselfingen, Stetten und Killer sowie den in Trochtelfingen zusammen mit seiner Familie. Die Eröffnung der Geschäfte war in den kleine Dörfern jeweils ein Ereignis mit kleinem Fest und große Bahnhof.
Dorfläden: Vor allem für Senioren wichtig
Das Konzept der kleinen Nahversorger, die nacheinander zuerst im Ortsteil Gauselfingen von Burladingen und danach in Stetten u. H. und schließlich in Killer eröffnet wurden, ist so wichtig wie simpel. Gerade ältere, oft nicht mehr so mobile Menschen, können sich so ortsnah mit dem Nötigsten versorgen, ohne ins Auto oder den Bus steigen und ins nächste Mittelzentrum fahren zu müssen.
Die kleinen Geschäfte funktionieren nach dem Muster der einstigen Tante-Emma-Läden auf dem Dorf. Nur eben ohne die Tante M. Die ist an der Selbstscanner-Kasse nur noch digital präsent. Und doch hat die Tante M per Kamera ein Auge auf ihre Kunden. Und das wissen eigentlich all jene Burladinger Bürger, die oftmals mit viel Eigenarbeit und Vorfreude bei der Renovierung und Einrichtung des Ladens halfen. Umso erstaunlicher, dass Langfinger sich von den installierten Kameras nicht von ihren Beutezügen abhalten lassen. Erst im Januar standen sechs Ukrainer, allesamt Flüchtlinge, darunter ein Pärchen mit einem Kleinkind, vor den Schranken des Hechinger Amtsgerichtes. Sie hatten auf sechs Beutezügen in den Tante-M-Geschäften der Region, darunter auch in Stetten, Waren im Wert von 4500 Euro zusammengerafft.
Zum Schluss brachten sie gar eigene Plastiktüten mit. Damit die, die es im Laden gibt, nicht noch mal reißen. Der Haupttäter landete dafür zwei Jahre im Knast. Seine Freunde bekamen hohe Bewährungsstrafen.
„Es wird uns niemals gelingen, alle Diebstähle zu verhindern“, sagt Gebert
Die Bürger haben ein Auge auf ihren Laden
Dazu sagt Geschäftsführer Christian Gebert: „Wir nehmen Diebstähle hauptsächlich wahr, indem wir unsere Kameras überwachen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Natürlich fällt es uns auch auf, wenn eine größere Lücke in den Regalen ist und die Verkaufsmenge nicht zu dem, was wir bestellt haben passt“. Bei der Polizei wurde gar eine Ermittlungstruppe eingerichtet unter der Leitung einer Beamtin aus Burladingen. Die hatte in Stetten u. H. so ihre Beobachtungen gemacht.
Diese Aufmerksamkeit von Bürgern ist auch Gebert wichtig. Er sagt: „Auch Hinweise aus der Bevölkerung sind uns äußerst hilfreich, da sich viele Bürger dankenswerterweise um dieses Thema kümmern. Besonders wichtig ist dies, da viel Eigeninitiative in den Erhalt und die Etablierung eines Nahversorgers in die Gemeinde geflossen ist. Von Seiten der Gemeinden so wie auch von unserer Seite“.
Gebert kennt den Fall, der da im Januar verhandelt wurde genau und kommentiert die Fakten so: „Die Bande, die vor Gericht stand, hat in mehreren Filialen einen großen Rundumschlag gemacht. Solche Vorfälle sind jedoch die Ausnahme und nicht mehr alltäglich. Es gibt zwar immer wieder einzelne Fälle von Diebstahl, die in ihrer Dreistigkeit kaum zu übertreffen sind. Dank aufmerksamer Kunden und Anwohner können wir jedoch einen kleinen Teil dieser Taten aufdecken und der Polizei melden. Dennoch wird es uns niemals gelingen, alle Diebstähle zu verhindern. Leider.“