Wolfgang Grupp bei seiner Spulenfest-Rede am Mikrofon Foto: Rapthel-Kieser

Am zweiten und dritten Tag des großen Burladinger Stadtfestes, feierte der Wettergott fast immer mit. Stadt, Vereine, Unternehmer und Händler zeigten sich von ihrer besten Seite. Die Festrede hielt Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Im Mittelpunkt des Sonntages stand die Festrede von Trigema-Seniorchef Wolfgang Grupp. Der war bei bester Laune und begann seinen Rück- und Ausblick mit der ernüchternden Feststellung, dass er gar keine Festrede halten werde. Er wolle eigentlich nur ein wenig erzählen, was in den vergangenen 55 Jahren mit der Burladinger Textilindustrie passiert sei.

 

Er sei damals der jüngste im Reigen der über 20 Burladinger Textil-Fabrikanten gewesen – und nun sei er der einzige, der noch lebe.

„Es war ja also logisch, dass die Wahl für einen Redebeitrag heute auf dem Spulenfest auf mich fiel. Außer mir ist ja von den ehemaligen Fabrikanten keiner mehr da“, stellte Wolfgang Grupp fest. Er erntete nicht nur reichlich Lacher, sondern auch viel Beifall.

Wolfgang Grupp: scharf, kritisch und konsequent

Der Erfolgsunternehmer, der die Trigema-Führung schon an die jüngere Generation, an seine Frau Elisabeth und Sohn Wolfgang mit der Tochter Bonita übergeben hat, formulierte scharf wie eh und je. So, wie man es aus den Talkshows, Fernsehinterviews und anderen großen Auftritten des Grandseigneurs der Burladinger Textilindustrie her kennt.

Er erzählte von den Großkunden wie Karstadt, Aldi und Quelle, deren Preisdrückerei er nicht nachgeben wollte. „Die billigeren Preise, da habe ich gesagt, dass kann ich mir nicht erlauben, dann kann ich meine Mitarbeiter und deren Löhne nicht mehr bezahlen“, berichtete Grupp.

Er habe an die Qualität seiner Produkte geglaubt und rechtzeitig Nein gesagt. Seine Burladinger Fabrikanten-Kollegen, die sich teilweise gefreut hätten, ihn aus dem Discounter, Kaufhaus und Katalogkundengeschäft rausgedrückt zu haben, gaben nach – und gingen mit den Großkunden unter. Die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland habe auch nicht geholfen, letztendlich seien sie pleite gegangen.

Kaufleute und Unternehmer, die Burladingen würdig vertreten

Grupp entschloss sich, eigene Testgeschäfte zu eröffnen. „Jetzt musste ich in einer bedarfsgedeckten Wirtschaft endgültig einen Teil der Handelsfunktion selber übernehmen.“

Der Ausnahmeunternehmer lobte am Ende seiner Rede nicht nur seine Mitarbeiter, ohne die der Trigema-Erfolg nicht möglich gewesen wäre, er zählte auch gute Burladinger Unternehmen auf, die ehrliche und gute Kaufleute seien. Grupp nannte unter anderem seine Kollegen Dolinschek, die Firma Gewefa-Pfister, den Bauunternehmer Mauz oder BeneVit-Chef Pfister.

Allesamt, so scheint es, sind sie, Wolfgang Grupp allen voran, Burladinger Superhelden. Menschen, die ihrer Heimat treu geblieben sind, gestandene Unternehmer, die ihre Nischen fanden und die Heimat würdig vertreten.