Von vielen hundert Metern an Akten und noch nicht gesichteten Ordnern, Archiv-Papieren und historischen Fotos berichtete Kreisarchivar Uwe Folwarczny dem Burladinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Foto: Rapthel-Kieser

Kreisarchivar Uwe Folwarczny hatte in der jüngsten Burladinger Gemeinderatssitzung einiges zu erzählen. Denn er und seine Kollegen werden sich jetzt der Burladinger Historie annehmen.

Warum, das hatte Amtsleiter Martin Paulus zuvor dem Burladinger Gemeinderat noch einmal ausführlich erläutert. Laut Landesarchivgesetz seien Landkreise, Städte und Kommunen dazu verpflichtet, alle Unterlagen von bleibendem Wert in eigenen Archiven zu verwahren und zu erhalten. Außerdem muss es für die Bevölkerung nutzbar werden.

 

Die Krux dabei: „Da fehlt es uns aber an fachlicher Expertise“, so Martin Paulus. Umso besser, dass die im Kreisarchiv des Zollernalbkreises schon reichlich vorhanden ist. Tatsächlich so bestätigte Uwe Folwarczny in seinem Fachvortrag, würden sich gar Nachbarlandkreise an das Zollernalbkreis-Archiv wenden und um Ratschläge und Hilfe bitten.

Das Burladinger Archiv und seine Schätze

Und, was mancher der Kommunalpolitiker bisher vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatte: In den Burladinger Archiven ruhen wahre, historische Schätze. So zum Beispiel der Fronbrief von 1592 zwischen Graf Eitel Friedrich und dem Örtchen Burladingen, oder der Briefwechsel von 1710 zwischen Burladingen und dem Fürsten von Hohenzollern über die Erlaubnis, ein Gemeindesiegel tragen zu dürfen.

Und nicht zuletzt das Gemälde des bekannten Münchner Malers Franz von Lenbach, der den im 19. Jahrhundert berühmtesten Sohn der Stadt, Alois Hauser, mehrfach porträtiert hatte. „Eines dieser Bilder aus der Kunstsammlung des Kreises hängt ja als Leihgabe bei ihnen“, erinnerte Folwarczny.

Und tatsächlich hatten die Burladinger Maler rund um das Bild und seine Geschichte und um den Lebenslauf des Malers, Restaurators und Leiters der Alten Pinakothek in München erst jüngst eine umfassende Ausstellung präsentiert. Damit wurde der Burladinger Öffentlichkeit einer dieser bedeutenden Historienschätze zugänglich gemacht und erklärt.

Alfons Koch und seine Nachfolgerin gemeinsam im Einsatz

Bisher, so erklärte Kreisarchivar Folwarczny im Burladinger Gemeinderat, sei es sein Kollege, der Diplom-Archivar Alfons Koch gewesen, der sich um die Archive der Städten und Gemeinden des Zollernalbkreises gekümmert habe. In Meßstetten zum Beispiel, aber auch in Haigerloch, wo er erst unlängst fertig geworden ist. Dazu gehörten die Registratur, die Entscheidung über Vernichtung und Sortierung, das Anlegen eines Findbuches, dass auch Online zugänglich ist um sich die Registratur schnell und einfach erschließen zu können, aber auch die Notfallplanung. Etwa wenn ein Archiv von Schimmel befallen sei. Auch nach getaner Sortier-Arbeit schauen die Profis vom Kreisarchiv regelmäßig in den Stadtteilen und Kommunen in denen sie schon tätig waren vorbei, sehen nach dem Rechten und helfen weiter.

Alfons Koch will aber spätestens 2028 in den Ruhestand gehen. Damit es einen nahtlosen Übergang gibt, wurde seine Nachfolgerin jetzt bereits eingestellt. Und davon könne nun die Stadt Burladingen samt ihrer Stadtteile profitieren. Denn nun könne sich das Duo viel früher als geplant, auch den Burladinger Historien-Schätzen in ordentlicher Manier widmen. Die Archivsoftware werde dabei vom Kreis zur Verfügung gestellt. Die Personalkosten für Kochs Nachfolgerin müsse Burladingen, wenn sie für die Stadt tätig ist, aber übernehmen. Angefangen werden soll im kommenden Jahr mit den Beständen in Stetten oder Ringingen, darüber wollte der Gemeinderat das Los entscheiden lassen.