Aiolos liegt seit Januar lahm. Große Kräne und Spezialwerkzeug müssen ran. Foto: Rapthel-Kieser

Die Windmühlen auf dem Himmelberg in Burladingen-Melchingen heißen in Anlehnung an die Götterwelt der Griechen Eos, Aiolos und Helios und beliefern seit 29 Jahren rund 800 Haushalte in Melchingen mit nachhaltigem Strom. Wann Aiolos kaputt ging, was dem weißen Riesen fehlt und warum das Reparaturteam einen zweiten Anlauf nehmen muss.

Es gibt wohl in Burladingen keinen Arbeitsplatz, bei dem man höher hinaus muss und an dem die Aussicht dann besser ist. Im allerersten Windpark Württembergs auf dem Himmelberg in Melchingen ist das Getriebe einer Windmühle kaputt.

 

Der Windpark Himmelberg, 1995 von der heimischen, Sonnenbühler Firma Sowitec der Gebrüder Frank und Gerd Hummel in Betrieb genommen, befindet sich auf dem 820 m hohen Himmelberg bei Burladingen-Melchingen. Die Nabenhöhe der drei weißen Riesen liegt dann noch einmal 46 Meter höher.

Zehn Tonnen wollen gestemmt sein

Wer da hinauf will, muss nicht nur schwindelfrei sein, sondern braucht auch hohe und starke Kräne. Denn allein der Triebstrang des Getriebes, der da in luftiger Höhe nach rund 29 Jahren unermüdlicher Drehmomente den Geist aufgegeben hat, wiegt zehn Tonnen, sagt Mark Sucker von der Firma Xervon. Die Xervon Wind GmbH ist von Sowitec mit der Reparatur beauftragt.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Sowitec-Geschäftsführer Frank Hummel, warum das Reparaturteam im ersten Anlauf scheiterte. Die Bolzen, die den Rotor halten, waren nach fast 30 Jahren in luftiger Höhe bei Wetter, Wind und Schneesturm so fest, dass sie mit dem üblichen Werkzeug nicht mehr aufzukriegen waren.

Jetzt muss Spezialwerkzeug her und Xervon samt der Kranfirma Brielmann werden bald einen zweiten Anlauf machen.

Württemberg kam die ganze Welt

„Die Anlage steht schon so lange“, sinniert Frank Hummel bei dem Gespräch mit der Redaktion über das erste Projekt, das den Erfolg seiner Firma begründete. Sowitec ist längst international, baut Windräder auf der ganzen Welt und die sind inzwischen dank technischen Fortschrittes höher, größer und viel leistungsstärker.

Mag sein, dass der weltweit erfolgreiche Sowitec-Chef Frank Hummel an diesem ersten Projekt besonders hängt. „Die sollen sich noch länger drehen“, sagt er über seine drei Windmühlen auf dem Himmelberg.

Und auch wenn Experten bei Windrädern von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 30 Jahren ausgehen, Hummel will lieber reparieren und eben nicht abbauen und verschrotten.

Der Lindenhof und die weißen Riesen

Aus dem Melchinger Landschafts- und Kulturbild sind die drei weißen Riesen, wie die Melchinger sie längst bewundernd nennen, ohnehin nicht mehr wegzudenken.

Nach anfänglicher Skepsis galten sie bald als Symbol des Fortschritts und der Innovation – als ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Dorfes.

 

Das Theater Lindenhof hat den Platz unter den Windmühlen schon ganz früh als Spielstätte entdeckt, Theaterspaziergänge darunter aufgeführt, Schultheatertage da abgehalten und Abendvorstellungen vor traumhafter Kulisse geboten.

Früh aufstehen muss, wer dem Windrad zu Leibe rücken will. Foto: Brielmann

Ein urkomisches Theaterstück in dem die Schauspieler-Urgesteine Berthold Biesinger und Franz Xaver Ott brillierten, befasste sich mit genau diesem Problem. Was tun, wenn ein Windrad mal kaputt geht? Aber Gruber und Stöckle, die die beiden verkörpern, sind lausige Mechaniker, beide nicht vom Fach, einer hat gar Höhenangst und so scheitern sie schon in der Gondel auf dem Weg nach oben. Gut, dass es im realen Leben auf dem Himmelberg anders läuft und die Mitarbeiter allesamt vom Fach sind.

Vor rund 30 Jahren wurden die drei Windmühlen in Rekordzeit genehmigt

Nachhaltig
Eos, Aiolos und Helios versorgen seit ihrer Inbetriebnahme 1995 etwa 800 Haushalte mit Strom aus Windkraft. Rund 600 Kilowatt beträgt die Nennleistung jedes einzelnen der drei weißen Riesen mit einer Nabenhöhe von 46 Metern und einem Rotordurchmesser von 43 Meter. Genehmigt und gebaut wurden sie vor drei Jahrzehnten in Rekordzeit, wie einst eine Anfrage unserer Redaktion beim Landratsamt ergab: „Die damalige Verfahrensdauer für das Baugenehmigungsverfahren betrug insgesamt 216 Tage.

Die Baugenehmigung wurde am 4. August 1995 erteilt, und der Baubeginn erfolgte am 11. September 1995. Im Vorfeld des Verfahrens kam man zur Erkenntnis, dass ein Bebauungsplanverfahren durchzuführen ist. Der Aufstellungsbeschluss erging am 1. Dezember 1994. Die Genehmigung der Satzung erfolgte am 24. Oktober 1995 und trat am 9. November 1995 in Kraft“. Bis heute sind Aiolos, Eos und Helios die einzigen Windräder Burladingens. Das Verfahren für die neue Anlagen der ENBW zieht sich seit mehr als einem Jahrzehnt.