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Burladingen Zukunftsangst ist das Einfallstor

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Volles Haus bei der ersten öffentlichen Veranstaltung von "Burladingen ist bunt". Diskutiert wurde im Anschluss an den Vortrag rege aber sachlich. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Es ging um Jugendliche, ihre Einstellungen, Werte und politische Willensbildung, und der Abend selber war ein Paradebeispiel für demokratische Diskussionskultur. Ein voller Erfolg für das Burladinger Bündnis, das zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung eingeladen hatte.

Burladingen. Und das nicht nur, weil der Gemeindesaal von St. Fidelis voll besetzt, die Ausstellung über Flüchtlingsschicksale informativ und der Referent, Erziehungswissenschaftler Josef Held aus Tübingen, hochkarätig war. Die Menschen, die der Einladung gefolgt waren, unter ihnen auch Jugendliche, diskutierten mit jenen, die auf dem Podium saßen engagiert und rege übers Jung sein und das Revoltieren wie einst in den 68ern, über Wertefindung, Gruppenbildung und gesellschaftliches Engagement und darüber, was man in Burladingen für Jugendliche ganz konkret verbessern könnte.

Zuvor hatte Held die neuesten Ergebnisse einer Befragung von Berufsschülern und Betriebsräten aus dem Zollernalbkreis erläutert. Die Studie ist in den vergangenen zwei Jahren entstanden und eine der jüngsten der Forschungsgruppe rund um den Tübinger Professor. Der fragt seit 20 Jahren junge Leute aus und lässt sie Fragebogen ausfüllen. Immer wieder und immer wieder andere. "Weil sich immer etwas ändert." Und die Fluchtbewegungen und die Ankunft von Menschen aus Nordafrika und dem Nahen Osten in Deutschland haben – so scheint es – viel verändert.

Zwar distanzieren sich die meisten der befragten jungen Berufsschüler von der rechtspopulistischen AfD, wollen mit ihr nichts zu tun haben, aber in ihrer Gedankenwelt und ihren Ideen ist das "die da oben" und "die anderen" tief verwurzelt. Es zeugt, so wagte Held eine Interpretation, von einem Ohnmachtsgefühl gegenüber dem gängigen Politikbetrieb, in den Jugendliche sich zu wenig einmischen und von dem sie das Gefühl haben, dass er sie nicht wahrnimmt. Und es spreche von einer Abgrenzung vor dem, was junge Menschen als fremd und nicht dazugehörig empfinden.

Dass die Informationen der jungen Berufsschüler dabei oft auf Gerüchte, Hörensagen und nicht auf Fakten beruhen, ist für Held ebenfalls auffällig. Anders bewertete er die Aussagen und Verortung junger Betriebsräte. Die hätten teilweise sogar eine ausgeprägtere Heimatverbundenheit und Bezug zur eigenen Gegend, den aber ohne Ansichten, die ins völkische, rassistische und nationalistische abdriften.

"Zukunftsangst ist das Einfallstor für Rechtspopulismus" warnte Held und riet den Zuhörern, vor allem den Jugendlichen, zur politischen Partizipation.

Einer, der sich eingeschaltet hat, ist der Wahl-Burladinger Manfred Knobloch. Der Informatiker kam 2011 nach Burladingen und habe es, wie er sagte, "wie selbstverständlich" wahrgenommen, dass es verschiedenen Religionen, Kulturen und Nationalitäten in der Fehlastadt gibt. Jetzt sah er sich aber veranlasst, aktiv zu werden und trat Burladingen ist bunt bei, dem Bündnis für Offenheit und Menschlichkeit. Im Gemeindesaal hatte er die Diskussionsleitung übernommen und fragte den Lehrer Chris Bartels und den Schulsozialarbeiter und Soziologen Cord Dette nach ihren Erfahrungen. Bartels, Ethik-Beauftragter des Progymnasiums, berichtete vom Ethikunterricht in der Weltethos-Schule und dass es durchaus gelänge, Jugendlichen, etwa mit Planspielen, nach und nach beizubringen, wie kontrovers und auf der Grundlage von Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität diskutiert werden könne.

Dette, Fachbereichsleiter für Jugendarbeit in Mariaberg, sprach sich dafür aus, Jugendliche ernst zu nehmen, ihnen Freiräume zu geben und berichtete davon, wie unerlässlich die sogenannte aufsuchende Jugendarbeit dabei ist, die in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgedrängt wurde. Dass Jugendliche aufgrund voller Stundenpläne und gestiegenem Leistungsdruck kaum mehr Zeit für Diskussionen und Streitgespräche oder gar eigenes politisches Engagement hätten, sei ein weiteres Problem.

Viel Beifall erhielt der Vorsitzende des Burladinger Jugendparlamentes Thomas Hochländer, der den Bericht eines Anwesenden von den wenig einladenden Zuständen im Burladinger Jugendhaus bestätigte und deshalb die Stadt gern in die Pflicht nehmen würde. Für Michael Eisele, Fraktionssprecher der CDU und Rosi Steinberg, Frontfrau der Freien Wähler im Burladinger Gemeinderat eine Hausaufgabe, die sie mit ins kommunalpolitische Gremium nehmen werden, wie sie versprachen.

 
 

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