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Burladingen Weibchen für Luchs Tello? Eher nicht

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Dass Luchs-Weibchen einwandern, hält Micha Herdtfelder für unwahrscheinlich. Foto: Hollemann/dpa

Burladingen - Unser satirischer Beitrag über den einsamen Luchs Tello und seine mögliche Suche nach einer besseren Hälfte hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Wir sprachen, diesmal ganz ernsthaft, mit Micha Herdtfelder, Wildtierökologe an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg und Mitglied der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf des Landes.

Herr Herdtfelder, Sie sind der Mann, der Tellos einsame Streifzüge hautnah mitverfolgt, denn bei Ihnen geht das Funksignal seines Senders ein. Kann sich das Luchs-Männchen denn Hoffnung machen, einem Weibchen zu begegnen?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass wir in der Region von allen Seiten sehr wertvolle Unterstützung für unsere Arbeit erhalten. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an der FVA sind wir seit dem Jahr 2004 mit dem Luchsmonitoring im Land beauftragt. Dabei arbeiten wir eng mit den Jägerinnen und Jägern zusammen, da diese in der Regel die ersten sind, die zugewanderte Luchse oder deren Spuren zu sehen bekommen. In diesem Zeitraum sind sichere Nachweise von sieben verschiedenen Luchsen gelungen, bei fünf konnten wir das Geschlecht bestimmen – alles waren Männchen. Vermutlich sind uns auch einige Luchse durch die Lappen gegangen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für Luchs Tello sehr gering, hier einem zugewanderten Weibchen zu begegnen.

Warum ist es nicht wahrscheinlich, dass ein weiblicher Luchs, so wie einst Tello, aus der Schweiz zu uns herüberwandert?

Ein Blick auf die Karte macht schnell deutlich, dass es für Wildtiere kein Spaziergang ist, vom Schweizer Jura beziehungsweise den Alpen nach Baden-Württemberg zu gelangen. Hierbei spielt weniger der Rhein eine Rolle, da alle größeren Säugetiere gut schwimmen können. Problematisch sind vielmehr das dichte Straßen- und Schienennetz sowie deckungsarme und vom Menschen intensiv genutzte Landschaften oder lange Siedlungsgürtel. In der Schweiz wurden in den letzten Jahrzehnten sehr viele Luchse mit einem Halsbandsender ausgestattet und lange beobachtet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Weibchen bei der Querung von weniger geeigneten Flächen oder große Barrieren sehr zurückhaltend sind. Die Männchen sind hier deutlich unerschrockener. Somit ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass es zur Zuwanderung eines Weibchens kommt.

Warum ist das Thema aktive Wildtieransiedlung noch so sensibel?

Die aktive Ansiedlung von Luchsen, also das Einfangen von Tieren beispielsweise im Schweizer Jura und die Freilassung in Baden-Württemberg, wird von manchen Gruppierungen gefordert, von manchen abgelehnt. Hier stehen sich die Hoffnungen auf eine faszinierende Tierart mit möglicherweise positivem Effekt auf das Ökosystem den Sorgen vor unangenehmen Konsequenzen wie vereinzelte Verluste bei Nutztieren oder die Umstellung der Jagd gegenüber. Realistisch betrachtet ist die Chance auf eine Zuwanderung von weiblichen Tieren sehr gering. Dennoch gibt es gute Gründe, einer aktiven Wiederansiedlung skeptisch gegenüber zu stehen. Denn in jedem Fall gilt: Erfolgreich und daher sinnvoll ist eine Wiederansiedlung nur, wenn die tatsächlich betroffenen Gruppen der aktiven Ansiedlung zustimmen. Es ist sehr davon abzuraten, eine Ansiedlung gegen den Willen der Jägerschaft oder der Landeigentümer durchzuführen. In der AG Luchs und Wolf setzen wir daher sehr auf den Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen, um langfristig die Akzeptanz gegenüber dem Luchs zu verbessern. Ebenso spielt die Verbesserung der Lebensraumvernetzung am Hochrhein eine wichtige Rolle, um die Chancen auf Zuwanderungen zu erhöhen.

Wie würde es ablaufen, wenn Tello oder Friedl doch mal eine bessere Hälfte finden? Katzen sind doch Einzelgänger?

Tatsächlich ist es nicht so, dass Tello oder Friedl dann mit einem Weibchen an der Seite durch die Wälder ziehen würden. Luchsmännchen sind die meiste Zeit des Jahres nicht sonderlich an weiblichen Luchsen interessiert. Und erwachsene Männchen im eigenen Revier werden gar nicht erst geduldet. Auch Weibchen tolerieren keine erwachsenen Luchsweibchen in ihrem Streifgebiet. Alles in allem leben auf einer Fläche von über 100 Quadratkilometer somit ein erwachsenes Männchen und ein erwachsenes Weibchen. Zu intensivem Kontakt zwischen Männchen und Weibchen kommt es nur in der Paarungszeit zwischen Februar und April. Nach Geburt der Jungen im Juni kümmert sich das Weibchen ganz alleine um die Jungtiere bis diese im Alter von acht bis zehn Monaten abwandern.

Was würden Sie sich für die Zukunft von Tello und Friedl wünschen?

Im Grunde wünsche ich mir genau das, was gerade auch in der Region geschieht, nämlich dass sich eine fruchtbare Diskussion über den Umgang mit unseren Wildtieren innerhalb und zwischen den verschiedenen Gruppierungen entwickelt. Zu oft müssen Wildtiere als Stellvertreter für alte Konflikte zwischen Jagd, Naturschutz, Forst und Landwirtschaft herhalten. Ich bin allen Beteiligten in der Region daher sehr dankbar, dass Luchs Tello als Chance für den Dialog genutzt wird. Und den Luchsen wünsche ich, dass sie weiterhin so geschickt unsere Straßen queren und auch irgendwann ein Weibchen finden – wo immer das auch sein wird.

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