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Burladingen Trigema plant 100.000 Atemschutzmasken pro Woche

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So dicht wird nicht mehr genäht. Firmenchef Wolfgang Grupp hat seinen Mitarbeitern Abstand verordnet und lässt in Schichten schaffen. Foto: Trigema

Burladingen - Bei Sport- und Freizeitbekleider Trigema läuft die Produktion von Atemschutzmasken mittlerweile auf Hochtouren. Über den Corona-Virus, seine Maßnahmen und die Anpassung verantwortungsbewusster Wirtschaftslenker an den Markt sprachen wir jetzt mit dem Seniorchef der Textilfirma, Wolfgang Grupp.

Herr Grupp, wann kann der ängstliche Normalbürger denn die ersten Atemschutzmasken in einem ihrer Testgeschäfte kaufen?

Erst mal gar nicht. Die Testgeschäfte sind ja jetzt alle geschlossen, in allen Bundesländern. Damit ist 50 Prozent unseres Absatzes weggebrochen. Deshalb bin ich froh, dass ich rechtzeitig gesagt habe: "Wenn jemand dringend etwas braucht und unseren Preis bezahlt, den ich brauche, um die Löhne bezahlen zu können, mache ich das selbstverständlich!"

Sind sie auf die Idee gekommen, solche Masken zu produzieren oder wer hat sie gefragt?

Nein, man hat uns angefragt. Wir produzieren für den medizinischen Bereich ja schon (Kopfschutz für Frühchen, Anm. der Redaktion) und dann kamen einige Kliniken und haben nach Atemschutzmasken gefragt. Der Coronavirus schwebt ja schon länger über uns. Als Unternehmer muss ich gewappnet sein, wenn der Markt dringend etwas braucht.

In einem Interview haben sie gesagt, Sie könnten solche "Masken locker zusammennähen". Wie locker darf´s denn sein, um welchen medizinischen Normen zu genügen?

Was Sie ansprechen, sind die vor allem für hochinfektiöse Bereiche gedachte Masken der sogenannten Schutzklassen "FFP2" oder "FFP3". Das wäre die oberste Schutzmaske. Die können wir im Moment nicht produzieren. Aber unsere Masken sind unter anderem für Pflegepersonal gedacht. Aber nicht nur. Da gibt es ja zig-Bereiche, die diese brauchen, Landratsämter, Behörden, Firmen für ihre Mitarbeiter und so weiter. Denn wenn sie jetzt Corona haben, ohne dass sie es wissen und infiziert sind, dann können sie andere vor sich schützen, indem sie eine Maske tragen. Wir hatten Donnerstag, schon sechsstellige Nachfragen und konnten dann sofort mit der Produktion starten, nachdem der plastikummantelte Draht für den Nasenbügel bei uns angeliefert wurde. Wir haben in der vorletzten Woche etwa 20.000 Masken gefertigt und werden diese Woche eine Wochenkapazität von 100.000 Masken erreichen.

Wir haben in unserer Ausgabe unlängst berichtet, in welch prekärer Situation die Arztpraxen, in Burladingen aber auch bundesweit sind, weil es an Schutzausrüstung fehlt, die wohl als Massenware im Ausland produziert und bestellt wird und dort jetzt vieles stockt. Ist das nicht Wasser auf Ihre Mühlen? Sie predigen ja schon seit Jahren, am Standort Deutschland festzuhalten.

Das darf man so nicht sehen. Ich muss auch korrekt sein. Wenn ein Kunde sagt "Ich kaufe T-Shirts für zwei Euro", dann muss ich dies akzeptieren, aber diese kann ich selbstverständlich nicht produzieren. Der einzelne Verbraucher muss selbst in Eigenverantwortung entscheiden, was er kauft. Wir sind leider zu einer Wegwerfgesellschaft geworden, aber vielleicht hilft uns auch die jetzige Krise, darüber nachzudenken. Unsere Atemschutzmaske wird in Deutschland produziert, ist zwar in der Anschaffung teurer, aber auf Dauer wesentlich günstiger als die Wegwerfmaske und deshalb ist unsere auch für die Umwelt besser!

Welche Schutzvorkehrungen haben Sie in Ihrer Firma für Ihre Mitarbeiter getroffen? Im Nähsaal zum Beispiel sitzen die Frauen und Männer ja dicht an dicht?

Ich habe mich per Videobotschaft an alle unsere Mitarbeiter gewandt. Ich habe klargemacht, dass ich die Verantwortung selbstverständlich für alle unserer Mitarbeiter trage und somit auch ihren Arbeitsplatz weiterhin garantiere, aber ich erwarte, dass die Mitarbeiter auch die Maßnahmen, die wir angekündigt haben, einhalten beziehungsweise beachten und dafür Verständnis haben.

Wir haben den Abstand zwischen den Näherinnen auf zwei Meter vergrößert und sie arbeiten jetzt versetzt in zwei Schichten. Ich habe unseren Mitarbeitern auch nochmals gesagt, dass jeder, vor allem auch in seinem privaten Bereich, die Verantwortung für sein Tun übernehmen muss.

Was wünschen Sie sich als Wirtschaftsmacher und meinungsstarker Mittelständler von der Politik in der Corona-Krise?

Es muss vor allem gerecht zugehen, die Politik muss denjenigen, die die Krise am härtesten trifft, wie zum Beispiel Hotels in Urlaubsorten oder Einzelhändler, die ihr Geschäft schließen mussten, unterstützen. Das Wichtigste wäre für mich aber ist, dass die Politik endlich klarmacht, dass jeder wieder die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen muss, vor allem haben die Eltern die erste Verantwortung für ihre Kinder und nicht der Staat.

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