Reiner Eule starb im Alter von 74 Jahren. Foto: sb-Archiv

Einst war er der jüngste Stadtbaumeister Baden-Württembergs, jetzt ist Rainer Eule – auch für seine Kinder sehr plötzlich und unerwartet – im Alter von 74 Jahren gestorben.

Burladingen - Wer ihn und seine Passion – die Stadtgeschichte, die er in Wort und Bild akribisch festhielt – kannte, fragte sich immer, warum so einer das Stadtbauamt führt und nicht das Stadtarchiv. Er tat sozusagen beides. Das eine im Hauptberuf, das andere als nimmermüde Passion. Seine zu Burladingen gesammelten Artikel und Bilder füllen tatsächlich mehrere Bände und Kartons. Für unsere Redaktion war er über vier Jahrzehnte nicht nur bei zahlreichen Terminen anwesend über die er berichtete, sondern blickte auch immer wieder mit besonderen Beiträgen auf die Heimatgeschichte zurück.

Dank ihm liegt der Fehla-Quelltopf frei

Als er nach Burladingen kam, war die Josengasse noch eine Schotterstraße, hat er unserer Redaktion in einem Gespräch mal verraten. Von 1977 bis 1994 hat der Architekt und Diplom-Ingenieur Rainer Eule die baulichen Geschicke der Fehlastadt maßgeblich mitbestimmt und mitgestaltet. Er betrieb den Ausbau der Fehla, setzte sich dafür ein, den schönen Quelltopf nicht "einzumauern".

Viele Großprojekte hat er in dieser Zeit geplant. Unter ihnen das Sportzentrum im Tiefental, das Feuerwehrhaus in der Schlichte, die Neugestaltung der Schäfergasse. Zahlreiche Bebauungspläne in einer sich ausdehnenden Stadt, die gerade neun Teilorte eingemeindet hatte, tragen seine Handschrift.

Und natürlich war es auch immer wieder das Abwassersystem, das den Stadtbaumeister beschäftigte. Und als wäre das alles neben dem Bau des Eigenheims in der Gustav-Schwab-Straße und dem Malen und Fotografieren in der Freizeit nicht genug, wurde er gleich auch zum freien Mitarbeiter für die Lokalzeitung. Er lieferte dem Schwarzwälder Bote mehr als vier Jahrzehnte regelmäßig profunde Beiträge übers Stadtleben und die Geschichte. Das wäre ihm eigentlich als Beruf in die Wiege gelegt gewesen, denn sein Vater war Redakteur beim mitteldeutschen Rundfunk.

Geboren wurde Eule in Zeitz, in Sachsen-Anhalt, die Familie siedelte aber rechtzeitig vor dem Mauerbau nach Bayern über und beim Abschluss der Realschule schrieb dem jungen Eule ein weitsichtiger Lehrer nicht nur ins Zeugnis, dass er "vielseitig interessiert, höflich und hilfsbereit" sei, "selbständig und gründlich" arbeite, sondern auch seine "eigene begründete Meinung" vertrete.

Das Faible für Lokaljournalismus kam vom Vater

Dinge neu denken, das was Journalisten tun sollten, steht auch Architekten, Ingenieuren und Baumeistern gut an. Eule entschied sich für letzteres, studierte in Augsburg, wurde Diplom-Ingenieur mit der Fachrichtung Architektur und arbeitete zunächst als Hochbauingenieur in einem Neu-Ulmer Architekturbüro bevor er mit seiner Anstellung in Burladingen zum jüngsten Stadtbaumeister Baden-Württembergs wurde.

Zuvor, während seiner Wehrdienstzeit bei der Bundeswehr in Meßstetten, hatte er seine spätere Frau Elke Annegret kennengelernt, bei einem Fasnetsball im Februar. Geheiratet wurde gleich im Oktober. Sie bekamen einen Sohn und eine Tochter und waren im Alter auch Stolz auf ihre Enkeltochter.

Das älteste Burladinger CSU-Mitglied

Mit dem Wohnwagen zog es die beiden oft nach Österreich, Hund Amadeo war meist dabei, ebenso die vier Katzen. Viele Jahre war Eule auch Mitglied der Burladinger Maler und des Albvereins. Er dürfte zudem das älteste CSU-Mitglied von Burladingen gewesen sein. Horst Seehofer hat ihn dafür vor einigen Jahren noch ausgezeichnet.

Ein schwerer Schlag für Rainer Eule war es, als seine Frau Elke vor zwei Jahren starb, er hatte sie zuvor aufopferungsvoll gepflegt. Danach sah man ihn zwar oft auf dem Mettenberg mit seinem Hund spazieren gehen, nach und nach zog er sich aber auch von seiner Tätigkeit als Zeitungsautor und vom Vereinsleben zurück. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht gefüllt werden kann.