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Burladingen Restbestände aus Jugoslawienkrieg

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Mit seinem Versuch, in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht einen Freispruch zu erwirken, ist ein 59-jähriger Burladinger jetzt gescheitert. Er stand der Reichsbürgerszene nahe und zusammen mit seinem Bekannten im vergangenen Jahr vor dem Amtsgericht.

Burladingen/Hechingen. Wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz wurden sie damals zu Bewährungsstrafen verurteilt. In seinem Fall zu Unrecht, wie der 59-jährige Theo F. meinte. Denn er habe bei dem vom Haupttäter eingefädelten Waffendeal nur eine halbautomatische Waffe erstehen wollen.

"Es deutet nichts darauf hin, dass zwischen den Waffen differenziert wurde", befand jetzt das Schöffengericht des Landgerichtes und verwarf den Antrag auf Berufung. Der Waffenkauf war nie zustande gekommen. Der Balinger war ein Betrüger, der es nur auf das Bargeld der Burladinger abgesehen hatte.

Der Rechtsanwalt des 59-jährigen Angeklagten hatte in seinem Plädoyer betont, dass auch während dieser Verhandlung weder durch die Zeugenaussagen noch durch die Textnachrichten zwischen den beiden bewiesen worden wäre, dass auch sein Mandant vollautomatische Maschinenpistolen erwerben wollte und damit gegen das Kriegswaffengesetz verstoßen hätte. Er forderte deshalb einen Freispruch. Der Staatsanwalt sah es anders. Er hielt das Urteil des Amtsgerichtes vom Juli vergangenen Jahres für "angemessen" und forderte vom Gericht, die Berufung abzulehnen.

Auch, wenn Theo F., was die Reichsbürgerszene angeht, vielleicht nur ein Mitläufer war, der zweite Verhandlungstag in dem von ihm initiierten Berufungsprozess gewährte abermals tiefe Einblicke in diese Gruppierung.

Der Haupttäter, der im vergangenen Jahr mit Theo F. vor Gericht stand und seine Berufung zurückgezogen hatte, wurde in der Berufungsverhandlung erneut gehört. Diesmal als Zeuge. Er habe sich von dem angeblichen Waffenhändler aus Balingen erhofft, Restbestände aus dem Jugoslawienkrieg kaufen zu können. Als "Marco Brrrrrrt", was lautmalerisch für das Geräusch eines Maschinengewehres stehen sollte, habe er ihn unter seine Kontakte verzeichnet.

Und er betonte mit Blick auf den Tag des Zusammenbruches den er befürchtet, nochmals: "Ich bin vorbereitet, bei mir wird der Schornstein rauchen und es wird Essen auf dem Tisch stehen." Um sich gegen Leute, die ihm das dann wegnehmen wollen, verteidigen zu können, wollte er Maschinenpistolen kaufen.

Das Geld gab es per Täter-Opfer-Ausgleich vom Betrüger zurück

Schon am ersten Verhandlungstag war eine Nachbarin vernommen worden, die seinerzeit einen der SEK-Einsätze in Burladingen beobachtet und vermutet hatte: "Jetzt haben sie ihre Bombe doch noch gebaut." Sie hatte von Treffen der sogenannten "Systemkritiker" im Wohnzimmer ihres Nachbarn berichtet, davon, dass die sich im Falle eines Bürgerkriegs oder dem Zusammenbrechen der Ordnung in einer Höhle im Burladinger Wald verschanzen und dort ihre Vorräte sichern wollten.

Um die Höhle besser zugänglich zu machen, wollte man sich Sprengstoff besorgen. Geld legte man in vermeintlich sicherem Gold an und mit ABC-Schutzanzügen die an der Garderobe hingen, wähnte man sich auch auf andere Ernstfälle vorbereitet. Die junge Zeugin sprach auch davon, dass noch ein weiterer, ein dritter Mann außer den beiden Angeklagten, sich an dem Waffendeal beteiligen wollte.

Der wurde als Zeuge gehört und wies diesen Vorwurf weit von sich. "Ich bin nicht dabei", habe er seinem Bekannten klar gemacht, als dieser einen Waffenkauf vorschlug.

Der 60-jährige LKA-Beamte, den das Gericht am zweiten Verhandlungstag hörte, sprach ebenfalls davon, dass es Hinweise gegeben hätte, dass sich die Beklagten für eine Höhlensprengung Sprengstoff besorgen wollten. Ein Verdacht, der während der mühevollen Ermittlungen aber nicht erhärtet werden konnte.

Aufgenommen worden seien die Ermittlungen nach einem Hinweis von der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die von einer "uns nicht bekannten" Person, wie es der LKA-Beamte formulierte, einen Tipp bekommen habe. Zwei Burladinger wollten sich Waffen besorgen und seien sich mit einem Anbieter bereits "handelseinig" geworden. Weil aber die "Überwachung der Telekommunikation" nichts weiter ergab und Funkstille herrschte, glaubte das LKA an "Gefahr in Verzug" und schickte das SEK.

Die Waffen die man schließlich beim Freund des Angeklagten fand, "waren alle manipuliert", betonte der LKA-Beamte mit Blick darauf, dass auch Theo F. aus einer Halbautomatik mit ein paar Veränderungen ein vollautomatisches Gewehr hätte machen können. Ein Trost bleibt dem 59-jährigen. Sein Geld bekam er per Täter-Opfer-Ausgleich wieder zurück. Gegen das Urteil kann er Revision einlegen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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