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Burladingen Plötzlich größter Arbeitgeber im Dorf

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Florian Bauermeister mit dem anschaulichen Zellulose-Material zur Dämmung in seinem Büro. Das Prinzip hat ihn in der Lehre schon überzeugt. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn im Nationalpark Schwarzwald jetzt ein Besucherzentrum gebaut wird, übernimmt eine Firma aus Stetten die Wand- und Dachdämmung – mit nachhaltigem Material. Firmengründer Florian Bauermeister freut sich. Es ist nicht das einzige Vorzeigeprojekt im 25. Jahr des Firmenbestehens.

Burladingen-Stetten. "Damals wollte das keiner und ich habe es einfach gemacht. Heute muss ich sagen, ich war meiner Zeit voraus", lacht der 51-jährige Unternehmer und Firmengründer rückblickend. Bauermeister ist in Trochtelfingen aufgewachsen, ging dort zur Schule. Gegenströmig war er schon immer, wollte vieles anders machen, erzählt er lachend von seiner Jugend. Mit einem Irokesenschnitt sei er rumgelaufen, habe in einer Punk-Rockband gespielt, Verwandte und Freunde hätten sich gefragt, was aus ihm mal werden soll.

"Meinem Ausbilder war der Irokesenschnitt egal"

1988 begann er schließlich im Schwarzwald eine Lehre zum Zimmermann. "Meinem Ausbilder war der Irokesenschnitt egal", winkt Bauermeister ab. Auch sein Chef war offensichtlich einer, der gerne neue Wege beschritt. Seine Firma war die erste in Baden-Württemberg, die die neue Einblastechnik für nachhaltige Dämmstoffe verwendete. Was Bauermeister faszinierte, war nicht nur, dass die Arbeit deutlich einfacher ist. "Wenn sie unterm Dach kopfüber Glaswolle einbauen oder Styroporplatten verlegen müssen, ist das ziemlich beschwerlich", berichtet er. Mit der neuen Technik wurde Zellulosematerial, hergestellt aus zerschredderten alten Zeitungen und mit Salzen behandelt, damit es nicht brennbar ist, mit Hilfe eines flexiblen Schlauches einfach in die Hohlräume in Dach und Wand geblasen. "Die alten Zeitungen sind aus Holz, das wächst nach", begeistert Bauermeister sich noch heute über die Nachhaltigkeit des Produktes. Und: "Das kommt in jede Ritze und jeden Hohlraum, es dämmt auch bei Hitze viel besser als Glaswolle, leitet Lärm und Geräusche deutlich weniger als Styropor".

Die Weisheit, alte Zeitungen zur Wärmedämmung zu benutzen, ist nicht neu. "Im Krieg haben die Leute sich Zeitungen in die Schuhe und die Kleidung gelegt", erinnert der Firmenchef. Und der neue Dämmstoff, so rechnet er vor, habe sich deutlich schneller amortisiert, als zum Beispiel Glaswolle. Bauermeister hat das so überzeugt, dass er 1993 seine eigene Firma gründete, den Dämmstoff vertrieb und auch selber einbaute.

Zuerst, so berichtet er, war es ein Zwei-Personen-Unternehmen, in dem nur er und seine Frau arbeiteten. Und: "Die ersten Jahre waren hart", macht er keine Hehl aus den Anfangsschwierigkeiten. "Da hatten wir als Kunden mal einen Grünen, einen Arzt oder einen Lehrer", berichtet Bauermeister von der überschaubaren Zahl der Auftraggeber in den Gründerjahren. Trotzdem, das Projekt wuchs und gedieh. Bald kamen größere Aufträge dazu. Etwa die Alanus-Hochschule in Bonn, das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb in Münsingen und gar das Umweltbundesamt und das Energieeffizienzhaus in Berlin. "Plötzlich waren wir der größte Arbeitgeber im Dorf", erzählt Florian Bauermeister, der heute Handel und Einbau betrieblich getrennt hat und in zwei Firmen 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Jetzt ist die Firma 25 Jahre alt und längst etabliert. Das Begegnungszentrum im Schwarzwald wird nicht das einzige Vorzeigeprojekt im Jubiläumsjahr sein. Am Europapark Rust soll ein neuer großer Aqua-Fun-Park entstehen, mit großen Bädern, vielen Rutschen und sieben neuen Hotels. Das Anbringen der Dampfbremse und die Dachdämmung von über 6000 Quadratmetern hat Bauermeisters Firma übernommen. "Die Geschichte meines Unternehmens ist natürlich auch ein wenig meine Lebensgeschichte", freut sich Bauermeister. "Wir leben in einer spannenden Zeit, und es ist doch toll, wenn Neues entsteht, Dinge sich ändern und es Bewegung gibt."

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