Mit Würde im Amt: Davide Licht hält eine bewegende Antrittsrede und erntet stehende Ovationen. Foto: Eyrich

Davide Licht beschwört nach seiner Vereidigung die Vereinigung. Landrat Pauli attestiert ihm "bestes Rüstzeug". Mit Kommentar

Mit einer ausgefeilten und teilweise sehr persönlichen Rede die per Livestream auch übertragen wurde, hat sich Burladingens neuer Bürgermeister Davide Licht nach seiner Vereidigung an die Gemeinderäte und Bürger gewandt. Er setzt in der Zukunft, wie im Wahlkampf angekündigt, auf gemeinsames Handeln aller zum Wohle der Stadt.

Burladingen - Mitten in seiner Antrittsrede die dann überraschend vorgetragenen Bitte, der Gemeinderat möge ihn in die niedrigere Besoldungsgruppe einstufen. Das wäre Tagesordnungspunkt fünf gewesen und Lichts vorpreschen hat einigen Teilen des demokratisch gewählten Hauptorgans der Stadt damit eine peinliche Diskussion um eine mögliche Kehrtwende zum Thema Bürgermeistersalär erspart.

Stattdessen betonte der neue Verwaltungschef den Gemeinschaftssinn, lobte die Rathausmitarbeiter, würdigte Ehrenamtliche in Kommunalpolitik und Vereinen und glänzte mit Sachkenntnis über Burladingens ganz besondere Eigenheiten. Etwa den Eintrag des Peiteschenmuseums im Guinessbuch der Rekorde, den Ritter Hugo von Melchingen, dessen Darstellung sich sogar in einem berühmten Deckenfresko im norditalienischen Siena findet oder die Top-Positionen der Fehlastadt als einer der größten Waldbesitzer im Land.

Lob und Anerkennung für Schaffergeneration der Nachkriegsära

Mit persönlichen Worten erinnerte der jetzt jüngste Bürgermeister im Zollernalbkreis an seine Großmutter, der er schon den Wahlsieg gewidmet hat und deren Todestag sich genau an diesem Tag jährte. Die hart arbeitende und strebsame Frau sei eine typische Vertreterin der Aufbau-Generation die wiederum den Wohlstand ihrer Kinder und Enkel erst möglich gemacht habe, und dere Lebensleitung es anzuerkennen gelte, betonte er.

Licht verwies darauf, dass es gelte, alte Traditionen zu bewahren und sich trotzdem der Moderne zu öffnen, um die Stadt und ihre Bürger fit für die Zukunft zu machen und sich als Stadt im ländlichen Raum dem Strukturwandel zu stellen. Findig und kreativ zu sein, Neues zu wagen, das gelte besonders in schwierigen Zeiten. Gerade jetzt, wo wegen der Pandemie und des Lockdowns Finanzspielräume enger werden, während es gleichzeitig gilt Abstand voneinander zu halten und Kontakte einzuschränken.

Licht erinnerte an die Masken-Challenge und versprach auch einen virtuellen Rathaussturm. Er betonte aber auch, dass in einer demokratischen und offenen Gesellschaft kritische Diskussionen und Wortmeldungen aus allen Richtungen, etwa auch über den Lockdown, möglich sein müssen. Wichtig sei dabei, sie ohne persönliche Angriffe und mit demokratischer Fairness vor zu tragen.

Wenn möglich, soll bald die Bürgerapp den Kontakt erleichtern

Davide Licht sicherte den Bürgern auch zu, dass seine Tür weiterhin offen bleiben werde, dass dem Beschwerdemanagement so schnell wie möglich eine Bürgerapp folgen soll und dass er zusammen mit den Burladingern an neuen Konzepten für das Stadtleitbild und auch an anderen Einnahmequellen, etwa durch Tourismus, arbeiten möchte.

Landrat Günther-Martin Pauli, einst selber jüngster Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde betonte, Licht habe sich den schönsten Beruf herausgesucht, bescheinigte ihm durch seine Ausbildung und bisherigen Positionen das beste Rüstzeug zu haben und lobte die digitale Affinität des neuen Stadtchefs. Wer die Klaviatur der sozialen Netzwerke und Online-Auftritte so sicher handhabe, könne damit für frischen Wind sorgen.

Auch Josef Pfister, der als erster ehrenamtlicher Bürgermeisterstellvertreter die Vereidigung vorgenommen hatte, sparte nicht mit Vorschuss-Lorbeeren. "Der Stein, der vielen Burladingern nach ihrer Bewerbung vom Herzen fiel hatte mindestens eine so große Wirkung wie das Erdbeben zu ihrem Amtsantritt am 1. Dezember". Die persönlichen Vorraussetzungen die Licht mitbringe wären die Eckpfeiler des Erfolges beim Wahlkampf gewesen und werden es wohl auch sein, wenn es gilt die großen Aufgaben und Herausforderungen der nächsten Jahre zu meistern.

Für die Fraktionen sprachen Michael Eisele (CDU) und Alexander Schülzle (Freie Wähler) rundeten den Gratulationscour ab. Sie formulierten Grußworte und überreichten ebenfalls Geschenke. Die Kerzen, Taschenlampen und Beleuchtungen spielten dabei zum Teil nicht nur auf den Nachnamen des Bürgermeisters, sondern auch auf sein Hobby, die Jagd, an.

Ein Beigeordneter der in schwierigen Zeiten die Stellung hielt

Mit in ihr Lob bezogen die Fraktionen und der Landrat mit kleinen Geschenken den Ersten Beigeordneten Berthold Wiesner ein, der in einem "gefühlt bürgermeisterlosen Jahr" die Stellung hielt.

Und noch eine Stellenbestzung wurde an diesem Abend verkündet: Katja Reck, stellvertretende Hauptamstleiterin und seit zwei Jahren Interims-Leiterin des Amtes Zentrale Dienste, hatte sich auf die Amtsleiterstelle beworben und wurde in nichtöffentlicher Sitzung gewählt.

Kommentar: Licht-Zeichen

Von Erika Rapthel-Kieser

Der neue Burladinger Bürgermeister Davide Licht hat ein starkes Zeichen gesetzt. Mit seiner Bitte, der Gemeinderat möge ihn in der folgenden, nun öffentlich geführten Diskussion entgegen des Verwaltungsvorschlags in Besoldungsstufe 2 statt in 3 einstufen, hat er den Gemeinderat und die Verwaltung ganz offensichtlich völlig überrascht. Der freiwillige Verzicht auf jährlich rund 6000 Euro, in der kompletten ersten Amtszeit wären es sogar fast 50.000 Euro, ist mehr als ein nobler Akt, mehr als eine Geste von Herzensadel und gutem Vorbild. Denn es wird Lichts Position stärken, wird ihm in künftigen schwierigen Haushalts- oder Investitionsdebatten jenen Rückhalt geben, den er brauchen wird, um seine Ziele umzusetzen. Wer beim Opferbringen so voran geht, dem kann man viel schwieriger etwas abschlagen – denn er hat seinen Teil geleistet und damit viele überzeugt.

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