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Burladingen Musikverein, Punkband, Staatsoper und Film

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Lenny Bloch vor der Staatsoper Stuttgart. Bei "Cosi fan tutte" und "Lohengrin" sorgt er für den richtigen Ton. Illegal Chickenfood (rechts oben). Von links Jonas Letsch, Simon Zintgraf und Lennart Bloch. Am Schlagzeug Rainer Waldschütz. Damals spielte die Gauselfinger Band im südwestdeutschen Finale des Newcomer-Bandwettbewerbs Emergenza. Foto: Bloch/Bloch-Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

"Optimierung der Raumakustik in einem Projektstudio" heißt der etwas sperrige Titel von Lennart Blochs Bachelor-Arbeit. Beim praktischen Teil denkt so mancher: "Hast du Töne?" Denn es ist ein perfekt eingerichtetes Aufnahmestudio im Gauselfinger Wir-Projekt.

Burladingen-Gauselfingen. Der junge Mann, der vor mehr als einem Jahrzehnt erst als Trompeter im Musikverein Gauselfingen spielte und dann in einer Band mit dem irre anmutenden Namen "Illegal Chickenfood" (Illegales Hühnerfutter) Punkmusik machte, ist mittlerweile 28 Jahre alt. Er hat an der Stuttgarter Hochschule der Medien erfolgreich sein Studium abgeschlossen und arbeitet jetzt als Tontechniker an der Staatsoper Stuttgart.

Damals, im Wir-Projekt, hatte er seine Rockgitarre fest im Griff. Jetzt sind es die vielen Regler der Tontechnik und die Schallwellen bei Inszenierungen wie Mozarts "Cosi fan tutte" oder Wagners "Lohengrin", für die sich Lenny Bloch begeistern kann.

Und nicht nur das. Da die ersten Semester seines Studiums der "audiovisuellen Medien" nicht nur die Sparte Ton umfasste, sondern auch vieles rund um visuelle Eindrücke, hat er mit drei weiteren Studienkollegen eine Filmproduktionsfirma namens "Foxframes" gegründet. Und die ist inzwischen in ihrem Nischenbereich erstaunlich erfolgreich, produziert Streifen vor allem für Museen und die Ausstellungsräume namhafter Firmen.

Lennart Bloch, alle nennen ihn Lenny, muss lachen, wenn er im Gespräch mit unserer Zeitung an seine "wilde" Jugend in Gauselfingen denkt. "Ich wüsste nicht, wo ich heute wäre, wenn es das Wir-Projekt nicht gegeben hätte", erzählt er über seine Teenagerzeit. Die Gruppe rund um den Jugendclub, die habe es zwar so wie heute auch schon damals in Gauselfingen gegeben, es sei aber eher nicht seine Szene gewesen. Die alternativen Alten und Jungen des Wir-Projektes mit ihren Ideen und ihrer Kreativität, "wo immer auch was ganz Praktisches am Laufen war", wie Lenny sagt, schon eher. "Da konnten wir unsere Ideen verwirklichen, eben selber was machen. Da gab es einen Raum, in dem wir proben konnten, und weil wir die Schreinerei im Haus hatten, konnten wir auch zum Basteln und Handwerken immer jemanden fragen", sagt Lenny in Anspielung auf den Senior-Aktivisten, ehemaligen Unternehmensberater und Holzwerker Bernd Kappel. Der, aber auch die anderen Erwachsenen, hätten ihr Wissen immer großzügig mit den jungen Menschen geteilt.

Kappel ist zwar längst in Rente und hat die Schreinerei seinem Sohn übergeben, aber er spielt heute noch eine tragende Rolle in dem ehemaligen Fabrikgebäude in der Recksteinstraße, das mittlerweile unter anderem auch ein Mehrgenerationenhaus mit drei Wohngemeinschaften unter seinem Dach beherbergt. Keine Frage, Kappel sei da ein wichtiger Mentor gewesen, nicht nur für ihn, sondern für viele junge Musiker die sich alsbald rund um das Wir-Projekt scharten und dort ihre Kreativität ausleben konnten.

Mit seinen "Herzensprojekten" ist er nun selber ein Mentor

Lenny Bloch und sein Kumpel Leolucca Gretz zusammen mit Simon Zintgraf und Jonathan Gerlach jedenfalls gründeten die erste Band im Wir-Projekt und fanden lange "keinen Namen, der Sinn ergibt", wie Lenny heute erzählt. "Also beschlossen wir einen Namen zu nehmen, der überhaupt gar keinen Sinn macht", lacht er heute über "Illegal Chickenfood". Die hatte ihren allerersten Auftritt natürlich in der einstigen Jercoma-Fabrik in der Recksteinstraße und bald danach auch einige Auftritte in der Region und Stuttgart.

Bloch, mittlerweile Wahl-Stuttgarter, hat den Kontakt zu Gauselfingen, seinen Eltern und dem Wir-Projekt trotz Studium und Beruf immer gehalten. Und weil dort in Gauselfingen immer noch viele Bands ihre Probenräume haben entstand die Idee, Lenny könnte doch – als ganz praktischen Teil seiner Bachelor- Arbeit – ein Tonstudio einbauen.

Mittlerweile ist es fertig, und so wird im Wir-Projekt nicht nur geprobt, sondern Lenny Bloch betreut dort inzwischen auch Aufnahmen. Oder er kommt mit Stuttgarter Bands ins Wir-Projekt, wie er erzählt. Die mieten sich dann im Gästehaus ein paar Tage ein, übernachten vor Ort, gehen in Klausur, und am Ende ist eine Profi-Aufnahme fertig. "Das sind dann meistens meine Herzensprojekte", sagt Lenny Bloch. So nennt er jene Arbeit, deren monetäre Entlohnung erst mal nicht so rosig, die ihm und anderen aber trotzdem wichtig ist. Keine Frage, Lennart Bloch ist inzwischen selber ein Mentor, einer, der sein Wissen und Können gerne teilt.

Seit seiner Gründung hat sich das alternative Wir-Projekt in Gauselfingen die Förderung regionaler Kultur auf die Fahnen geschrieben, vor allem die junger Musiker und ihrer Bands oder junger Liedermacher. Im vergangenen Jahrzehnt sind rund 100 000 Euro in diese Förderung geflossen (wir berichteten). So manche Band und mancher Songwriter ist längst über die Stadt und die Landesgrenzen hinaus bekannt, manche sind regelmäßig auf Tour. In der Serie "Gauselfinger Töne" spürt der Schwarzwälder Bote dieser Entwicklung nach. Heute geht es um den jungen Gauselfinger und Wahl-Stuttgart Lennart "Lenny" Bloch.

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